Hamburg Todesurteil gegen Deutsch-Iraner Jamshid Sharmahd bestätigt: Das sagt seine Tochter
Der Oberste Gerichtshof im Iran hat das Todesurteil gegen den Deutsch-Iraner Jamshid Sharmahd bestätigt. Gazelle Sharmahd kämpft verzweifelt um das Leben ihres Vaters und macht der Bundesregierung schwere Vorwürfe.
Seit fast 1000 Tagen sitzt der Deutsch-Iraner Jamshid Sharmahd irgendwo im Iran im Gefängnis. Am 21. Februar verurteilte ihn ein Revolutionsgericht wegen „Korruption auf Erden“ zum Tode; am Mittwoch bestätigte das Oberste Gericht nun dieses Urteil. Für Gazelle Sharmahd ist diese Entwicklung keine Überraschung: „Ich habe seit 1000 Tagen davor gewarnt, dass das passiert. Dass mein Vater jetzt hingerichtet werden soll, ist das Resultat der Untätigkeit unserer Regierung“, teilt sie unserer Redaktion mit. Sie macht der Bundesregierung schwere Vorwürfe: „Wo waren denn die ernsthaften Konsequenzen, von denen Frau Baerbock gesprochen hat, als ein deutscher Staatsbürger entführt und in einem Schauprozess zu Tode verurteilt wurde?“
Als Reaktion auf das Todesurteil im Februar wies die Bundesregierung zwei iranische Botschaftsangehörige aus, der Iran reagierte darauf mit der Ausweisung von zwei Mitarbeitern der Deutschen Botschaft. Auf die Bestätigung des Urteils reagierte Außenministerin Baerbock auf Twitter.
„Wir fordern Iran auf, dieses willkürliche Urteil unverzüglich rückgängig zu machen.“ Die Bestätigung des Todesurteils gegen Sharmahd sei inakzeptabel. „Jamshid Sharmahd hatte zu keinem Zeitpunkt den Ansatz eines fairen Prozesses“, so Baerbock. Man setze sich mit allen Kräften für Sharmahd und gegen die Vollstreckung des Urteils ein. Der deutsche Botschafter in Iran habe sofort eine Dienstreise abgebrochen und befinde sich auf dem Weg zurück nach Teheran, um bei den iranischen Behörden zu intervenieren.
Gazelle Sharmahd lebt in ihrer Wahlheimat Kalifornien indes mit der Angst aufzuwachen und die Nachricht zu bekommen, dass ihr Vater tot ist. „Wenn mein Vater nicht gerettet wird, echte Maßnahmen ergriffen werden, um sein Leben zu retten, dann können wir alle aufhören, von Menschenrechten zu sprechen“, sagt sie. Wenn ihr Vater nicht gerettet werde, könne sich niemand vor dem iranischen Regime sicher fühlen.
Derzeit sind mehrere europäische Staatsbürger im Iran inhaftiert, viele von ihnen haben auch einen iranischen Pass. Der Iran behandelt Doppelstaatsbürger juristisch wie Iraner. Kritiker werfen dem Islam immer wieder sogenannte Geisel-Diplomatie vor. Das Mullah-Regime versuche, mit der Verhaftung von Ausländern Druck aufzubauen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück und begründet die Festnahmen üblicherweise mit dem Vorwurf der Spionage.