Entlassung des Kurdirektors Stefan Krieger fliegt schon zum zweiten Mal nach kurzer Zeit
Der plötzliche Abgang des Norddeicher Kurdirektors wirft Fragen auf. Denn schon einmal verlor Krieger seinen Job nach nur fünf Monaten.
Norden - Es ist ein bisschen wie bei dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“: Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass Stefan Krieger seine Aufgaben als Kurdirektor nach nur wenigen Monaten wieder entzogen werden (wir berichteten). Auch, wenn die offizielle Sprachregelung in Norden heißt, man habe sich im beiderseitigen Einverständnis getrennt. Vergleicht man allerdings seine Tätigkeit und den plötzlichen Abgang als Tourismus-Chef im Ostseeort Grömitz mit Stefan Kriegers Abgang in Norden, kommen zumindest Fragen auf.
Man könnte die Zeitungsartikel von damals und heute eigentlich austauschen, denn sie beschreiben exakt den gleichen Vorgang. Wie aus dem Nichts musste Krieger seinen Posten räumen – sowohl in Grömitz als auch in Norden. In beiden Fällen nach nur fünf Monaten Amtszeit. In beiden Fällen schweigen die Entscheider über die konkreten Gründe. Wie das Hamburger Abendblatt berichtete, war Krieger am 1. Februar 2021 in Grömitz als neuer Tourismuschef vorgestellt worden. Wie in Norddeich hatte er große Pläne für Grömitz. Seine Themen dort waren die Gleichen wie in Norddeich und schon bei seiner früheren Position in Bad Salzuflen: Digitalisierung, eigene Servicecard, Gesundheitstourismus. Gegen 50 Bewerber konnte sich der gebürtige Rheinländer damals durchsetzen. Plötzlich, fünf Monate später, teilte der Grömitzer Tourismus-Service in einer Pressemitteilung mit, dass ein neuer Tourismus-Chef zum 1. September starten werde. Laut Abendblatt wurde Stefan Krieger in der Mitteilung mit keinem Wort erwähnt. Auf Nachfrage nach Hintergründen, hieß es, wie in Norddeich auch in Grömitz: Kein Kommentar. Außerdem sei Stefan Krieger erkrankt.
Grömitzer Bürgermeister noch immer einsilbig
Was genau passiert ist, will der Grömitzer Bürgermeister Mark Burmeister auch zwei Jahre danach nicht sagen. Personalangelegenheiten kommentiere er grundsätzlich nicht, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Die einzige Stellungnahme, die es 2021 von Burmeister zu dem Fall gab, war: „Stefan Krieger wird nicht mehr beim Tourismus-Service aktiv tätig sein.“ Krieger äußerte sich damals auf Anfrage nicht.
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Spricht man mit Kollegen anderer Zeitungen über den Fall, die überall recherchiert, mit vielen Menschen vor Ort gesprochen haben, hört man immer wieder, die „schwierige Persönlichkeit“ Kriegers habe in Grömitz eine Rolle gespielt. Diese Aussagen waren aber alle nicht zitierfähig, heißt es von den Journalisten. Niemand traute sich anscheinend, das öffentlich zu sagen. Darum schrieb auch niemand darüber.
Stefan Krieger ließ kein gutes Haar an seinem Vorgänger
Auffällig ist es aber schon, dass es jetzt in Norddeich genauso abgelaufen ist, wie damals in Grömitz. Hier, wie da, schweigen die zuständigen Gremien. Der Aufsichtsrat der Wirtschaftsbetriebe Norden ist zum Stillschweigen verdonnert worden. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Olaf Wildfang, ist nicht erreichbar. Bürgermeister Florian Eiben antwortet auf Anfragen nicht. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe, Thorsten Schlamann, verweist auf die offizielle Pressemitteilung des Norddeicher Tourismus-Service. Diese gelte auch für die Wirtschaftsbetriebe und sei mit Stefan Krieger abgestimmt, so Schlamann. Krieger selbst reagierte nicht auf Anfragen unserer Zeitung.
Was zumindest im Norder Tourismus- und Wirtschaftsausschuss immer wieder öffentlich zu beobachten war: Mit Kritik konnte Stefan Krieger nicht gut umgehen. Auf kritische Nachfragen aus den Reihen der Politik reagierte er mitunter schnippisch. Im persönlichen Gespräch mit Krieger wurde schnell klar: Er war von sich und seinen Konzepten sehr überzeugt. Diejenigen, die daran Kritik übten, hatten aus seiner Sicht nicht genügend Weitblick. Auch an seinem Vorgänger, Kurdirektor Armin Korok ließ er im persönlichen Gespräch kein gutes Haar. Zum Thema Gesundheitstourismus, das offiziell den Ausschlag für das Ende der Zusammenarbeit mit Krieger gegeben hat, sagte Krieger unserer Zeitung vor wenigen Wochen: Er habe bei Amtsantritt einen Zustand vorgefunden in einem Heilbad, wo in den vergangenen Jahren die Kompetenzen im Bereich Gesundheit nicht mehr gewichtet wurden. Der Fokus habe ausschließlich auf den Bereichen Freizeit und Erholung im Sommerbetrieb gelegen. „Alles andere wurde über Jahre vernachlässigt“, so Krieger. Um sich breiter aufzustellen, seien Gesundheitsangebote für die Nebensaison aber der entscheidende Lösungsansatz. Es gebe aber vor Ort bei den Entscheidern überhaupt keine Vorstellungskraft für die Gesundheitswirtschaft und wie man diese touristisch nutzen und auch Geld damit verdienen könne, bemängelte Krieger.
Ob den Entscheidern das zu viel Kritik vom Kurdirektor war, oder ob die Entscheider offen Kritik an dem Konzept geübt haben, was wiederum Stefan Krieger missfiel, bleibt Spekulation. Zumindest so lange, bis irgendjemand aus diesem Kreis sich offen zu Wort meldet.