Berlin AfD-Nachwuchs „Junge Alternative” verdient genaue Beobachtung
Die AfD hat nun eine offiziell als rechtsextrem eingestufte Jugendorganisation. Das wird sie ärgern, aber nicht stoppen.
Aus Verdacht wird Gewissheit: Nach vier Jahren Beobachtung stuft der Verfassungsschutz die “Junge Alternative”, Nachwuchsorganisation der AfD, als gesichert rechtsextremistische Bewegung ein. Die jungen Rechten streben ein möglichst homogenes deutsches Staatsvolk an, eingebürgerte Ausländer sind für sie keine echten Deutschen. Dass sie den Verfassungsschutz selbst für politisch instrumentalisiert und missbraucht halten, zeigt ihre Verachtung für Staat und Demokratie. Besser also, wenn der Staat sich die Umtriebe der neuen Rechten künftig noch etwas genauer anschauen kann.
Noch ist insbesondere die Jugendorganisation mit nur etwa 1700 Mitgliedern zwar keine Massenveranstaltung. Aber wer schon in den vergangenen Jahren kein Problem mit der gesellschaftlichen Ächtung hat, die eine Mitgliedschaft in der “Jungen Alternativen” mit sich bringen kann, der muss schon besonders überzeugt sein. Und ist vielleicht gefährlich. Eine abschreckende Wirkung, auf die vielleicht mancher von der politischen Konkurrenz hoffen mag, wird die Einstufung als “rechtsextremistisch” für diese Überzeugten sicher nicht haben.
Die Aufgabe, Wähler von der in Umfragen inzwischen 16 Prozent starken AfD zurückzugewinnen, kann ohnehin nicht an den Verfassungsschutz delegiert werden. Hier muss man woanders ansetzen: Dresdner Forscher haben gerade in einer aufschlussreichen Untersuchung herausgefunden, dass besonders Menschen in ehemals wirtschaftlich boomenden Regionen die AfD wählen. Abstiegsängste spielen im Wahlverhalten demnach eine viel größere Rolle als rechtsextreme Einstellungen. Wachstum und Wohlstand zu erhalten, ist deshalb die derzeit dringlichste Aufgabe der Regierungen in Bund und Ländern.