Osnabrück Warum mich E-Autos in der Praxis überzeugt haben – und sie sogar noch viel besser werden
Drei Viertel der Deutschen glauben, dass sich Elektroautos durchsetzen – aber nur jeder Vierte will eines haben. Wie erklärt sich die Ablehnung gegenüber dieser neuen Technik? Ich persönlich habe sie aus guten Gründen abgelegt.
Zugegeben: Als ich auf meiner Fahrt von Schwerin über Sankt-Peter-Ording und Lingen nach Osnabrück in der letzten Woche 40 Kilometer vor dem Ziel an der Ladesäule halten musste, hielt sich meine Euphorie in Grenzen. Nur zehn Minuten brauchte mein geliehenes Auto, um Strom für weitere 100 Kilometer aufzuladen. Nach einem 12-Stunden-Tag waren es für mich zehn Minuten zu viel.
Trotzdem bin ich ein Fan der Elektromobilität. E-Autos sind leise und stinken nicht, sie sind schnell in Fahrt und Überholmanöver kein Problem mehr. Auch die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass Autos der Zukunft mit Elektroantrieb fahren werden: Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach erwarten das 54 Prozent. Aber nur 22 Prozent wünschen es sich auch.
Dass viele Vorbehalte davon begründet sind, weiß ich aus tausenden Kilometern im Elektoauto. Ich weiß aber auch: Die Automobilindustrie stellt sich darauf ein, dass in Europa ab 2035 keine Autos mehr zugelassen werden dürfen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Und die Branche treibt die Innovationen voran. Vor allem in drei Bereichen zeichnen sich Fortschritte ab:
„Mercedes hat mit einem Konzeptfahrzeug letztes Jahr gezeigt, dass mit einer für heutige Oberklassefahrzeuge normalen Batterie eine Reichweite von 1200 Kilometern erreicht werden kann”, sagt Dirk Uwe Sauer, Professor für Elektrochemische Energiewandlung und Speichersystemtechnik an RWTH Aachen in einem Dossier des Science Media Centers. Auch wenn Fahrzeuge im Straßenverkehr nie so effizient sein werden, zeige die Studie doch das Potenzial der Elektromobilität. Aktuell gilt die Mercedes EQS Limousine mit (laut Hersteller) 783 Kilometern rein elektrischer Reichweite als Spitzenreiter am Markt.
Der Schlüssel zu solchen Reichweiten liegt in der Energieeffizienz der Fahrzeuge. Das Gewicht lässt sich ebenso optimieren wie der Rollwiderstand oder die Aerodynamik: kleinere Seitenspiegel und Türöffner, die in der Außenhaut verschwinden, sind nur der erste Schritt. Schon heute verwandeln Elektroautos die zugeführte Energie deutlich effizienter in Bewegung, als Verbrenner. Laut Bundesumweltministerium liegt der sogenannte Wirkungsgrad der Elektroautos bei 64 Prozent, beim Benziner nur bei 20 Prozent.
Mit der fortschrittlichen 350-kW-Ladetechnik kann heute schon an ausgewählten Ladesäulen „in etwa drei Minuten die Energie für rund 100 Kilometer Reichweite nachgeladen” werden, erklärt Dirk Uwe Sauer. Das würde „etwa alle 300 Kilometer einen Nachladestopp von zehn Minuten bedeuten.” Eine weitere Verkürzung sei denkbar. „Das ist aus meiner Sicht keine große Einschränkung der Mobilität gegenüber den bekannten Verbrennungsmotoren”, so der Professor.
Reichweite, Effizienz und Ladetechnik der Elektroautos werden sich in den nächsten Jahren also rasant weiterentwickeln und die Elektromobilität für viele Deutsche attraktiver machen. Aktuell können sich laut Mobilitätsmonitor nur 23 Prozent der Deutschen vorstellen, in den nächsten Jahren ein Elektroauto zu kaufen. Ich bin schon überzeugt und warte darauf, dass endlich mein eigenes E-Auto geliefert wird. Mit knapp 650 Kilometern Reichweite hätte ich den Heimweg von Lingen nach Osnabrück – anders als mit dem Poolfahrzeug – sicher geschafft.