Osnabrück Droht die Integration ukrainischer Schüler am Lehrermangel zu scheitern?
Mehr als 200.000 ukrainische Kinder und Jugendliche gehen in Deutschland zur Schule, davon 20.000 in Niedersachsen. Lehrer berichten dabei auch von Problemen. Das fordern Lehrergewerkschaften von der Politik.
Aus Sicht von Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) funktioniert die Integration der ukrainischen Kriegsflüchtlinge in den Schulbetrieb überwiegend positiv. Die Kinder und Jugendlichen seien „wissbegierig und neugierig“ und würden sich gut eingliedern, teilte sie unserer Redaktion mit.
Lehrergewerkschaften teilen diese Ansicht jedoch nicht, wie unsere Redaktion auf Anfrage erfuhr. So nennt Susanne Lin-Klitzing vom Deutschen Philologenverband die Integration eine „Kraftanstrengung“, der sich unzählige Lehrkräfte jeden Tag stellten – dabei vermissten sie aber eine klare Unterstützung durch die Politik: „ Es fehlt häufig an ausreichenden Räumlichkeiten und an genügend Lehrkräften“, sagte die Verbandschefin. Lehrkräfte, die wegen der großen Integrationsbemühen zusätzliche Aufgaben übernommen hätten, müssten „endlich entlastet werden“.
Für aus der Ukraine geflohene Lehrer müsse es zudem mehr Sprachkurse geben, um das hiesige Personal besser zu unterstützen. Wer bereits Deutschkenntnisse auf Sprachniveau C1 besitze, solle überdies ohne Befristung angestellt werden.
Nicht nur im Bereich der Lehre erhoffe man sich mehr Hilfe von Bund und Ländern. So mangele es ebenfalls an ausgebildetem Fachpersonal, das die oftmals traumatisierten und in „dauerhafter Angst“ lebenden Kinder und Jugendlichen betreue, berichtet Lin-Klitzing. Hier bedürfe es ebenso einer „schnelleren und besseren Ressourcenbereitstellung“.
Ähnlich äußert sich auch Maike Finnern, Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Im Gespräch mit unserer Redaktion bemängelt sie, dass viele Schüler immer noch nicht beschult würden: „In manchen Bundesländern beginnt die Schulpflicht erst nach drei Monaten Aufenthalt“, so Finnern. Dies behindere eine schnelle Integration.
Gleichzeitig seien jedoch viele Klassen bereits sehr stark belegt. Dadurch erschwere sich der Übergang von den sogenannten Wilkommensklassen, in denen ukrainische Schüler unter sich unterrichtet werden, in die Regelklassen. Eine individuelle Betreuung könne so nicht ausreichend garantiert werden. Insgesamt werden in Niedersachsen rund 20.000 Schüler aus der Ukraine beschult, in Schleswig-Holstein sind es knapp 7000, in Mecklenburg-Vorpommern etwa 5000.
Vor Kurzem hatte bereits der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, mehr Unterstützung bei der Integration ukrainischer Schüler gefordert. In der „Stuttgarter Zeitung“ sagte Meidinger, die Politik drohe das Projekt einer gelungenen Integration „an die Wand zu fahren.“ Die Bundesländer ließen die Schulen „weitgehend im Stich“.
Auch viele Lehrer fürchten ein Scheitern der Integration. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichteten sie von mangelnden Sprachkenntnisse, Arbeitsverweigerun und Respektlosigkeit durch ukrainische Schüler gegenüber dem Lehrpersonal.