Nach nur fünf Monaten im Amt  Norddeichs Kurdirektor ist seinen Job los

| | 25.04.2023 16:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kurdirektor Stefan Krieger. Foto: Rebecca Kresse
Kurdirektor Stefan Krieger. Foto: Rebecca Kresse
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Anscheinend stand der Aufsichtsrat nicht hinter Stefan Kriegers Plänen. Der Tourismus-Service spricht von gemeinsamer Entscheidung zur Trennung. Der Aufsichtsrat ist anderer Meinung.

Norden-Norddeich - Norddeichs Kurdirektor Stefan Krieger wird sein Amt zum 1. Juli wieder abgeben. Das teilte der Tourismus-Service Norddeich am Dienstag nach Presseberichten über eine fristlose Kündigung Kriegers offiziell mit. Krieger hatte das Amt erst vor rund fünf Monaten von seinem Vorgänger Armin Korok übernommen.

In der Mitteilung des Tourismus-Service heißt es: Entgegen bisheriger Gerüchte und darauf basierender Berichterstattungen ist der Kurdirektor Stefan Krieger weiterhin im Amt. Eine sofortige Entlassung habe es nicht gegeben. Auch sei es nicht zutreffend, dass es zwischen dem Kurdirektor Krieger und Bürgermeister Florian Eiben bereits länger Unstimmigkeiten gegeben habe. Offiziell ist Krieger laut der Pressesprecherin des Tourismus-Service, Inga Graber, derzeit erkrankt.

Die offizielle Sprachregelung des Aufsichtsrates der Wirtschaftsbetriebe Norden lautet anders: „Stefan Krieger ist nicht mehr im Dienst.“ Darüber hinaus ist vom Aufsichtsrat nichts zu erfahren. Erst, wenn das Thema offiziell in den Gremien besprochen wird, wird auch die Politik öffentlich darüber sprechen.

Aufsichtsrat war gegen Kriegers Gesundheitskonzept

Hintergrund der Trennung laut Tourismus-Service: Zwischen Krieger und den zuständigen Gremien habe es unterschiedliche Auffassung beim Thema der künftigen Positionierung zum Thema Gesundheitstourismus in Norden-Norddeich gegeben. Krieger habe „ein gutes Konzept erarbeitet und wollte dieses Konzept umsetzen“. Am Ende habe er aber für diese Umsetzung nicht die notwendige Zustimmung erhalten. Zwischen dem Kurdirektor Krieger und den beiden Geschäftsführern der Wirtschaftsbetriebe folgten daraufhin Gespräche, ob der Kurdirektor trotz der Ablehnung seines Konzeptes weiterhin das Amt des Kurdirektors ausführen möchte. „Am Ende gab es Einigkeit, dass eine Fortführung der Tätigkeit als Kurdirektor nach Ablehnung des Konzeptes nicht sinnvoll ist und sich Stefan Krieger einer neuen Herausforderung widmen möchte“, heißt es in der Mitteilung.

Wie berichtet, wollte Krieger zum einen wieder Gesundheitsleistungen anbieten, um den gefährdeten Heilbad-Status von Norddeich zu sichern. Zum anderen war der Gesundheitsangebote für Krieger aber auch das entscheidende Element, um die Nebensaison im Frühling und Herbst noch attraktiver zu machen.

Dazu hatte der Kurdirektor ganz konkrete Ideen: Neben den zahlreichen Indoor-Thalasso-Konzepten, die zurzeit rundherum entstehen, wollte er das erste Outdoor-Thalasso-Konzept an der Küste bauen. Das sei zwar nicht ganzjährig, sondern saisonal erweiterbar nutzbar. Dabei wäre auch das neue Freibad mit ins Spiel gekommen. Für Krieger war es eine Möglichkeit, überhaupt in Norddeich mit Schlickanwendungen und mit Meerwasser zu arbeiten. Zusätzlich wollte er die gesellschaftsrelevanten Themen wie Stress und Tinnitus entwickeln.

Was aus Heilbad-Status wird ist unklar

Gerade die Einbindung des Freibades soll dem Vernehmen nach nicht allen im Aufsichtsrat gepasst haben. Trotz des Neins des Aufsichtsrates zu Kriegers Gesundheitskonzept gebe es aber wohl keine Diskussionen über den Erhalt des Heilbad-Status. Wie der allerdings erhalten werden soll, ohne dass es wieder ein Angebot im Bereich Gesundheit gibt, ist fraglich. Wie Krieger bereits im März mitgeteilt hatte, muss der Tourismus-Service Norddeich bis Mitte des Jahres bei der Landesregierung in Hannover Lösungen präsentieren, wie diese Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Andernfalls wird Norddeich zum Ende des Jahres herabgestuft und gilt künftig nur noch als Seebad. Für die touristische Außenwirkung und Werbemöglichkeiten quasi ein Supergau.

Wer der Landesregierung jetzt was für ein Konzept erarbeitet? Völlig unklar. Ob die von Stefan Krieger ins Leben gerufenen neuen Attraktionen wie das Norddeicher Hafenfest vom 4. bis zum 6. August und der Beach Soccer Cup vom 8. bis zum 10. September überhaupt noch stattfinden werden? Ebenfalls noch völlig unklar.

Keiner der Verantwortlichen wollte sich am Dienstag zur Entlassung Kriegers äußern. Auch Bürgermeister Florian Eiben nicht. Dabei sollen vor allem Unstimmigkeiten von Eiben und Krieger ebenfalls ein Kern des Problems sein. Wie schon bei der Schließung der UEK-Norden, ist der erste Mann der Stadt auch beim Rauswurf seines Kurdirektors nicht tagesaktuell zu sprechen. Auch eine Stellungnahme gibt es nicht.

In ihrer Mitteilung stellten sich die Mitarbeiter des Tourismus-Service Norddeich noch einmal deutlich hinter ihren Chef: Norddeich sei als eine „wichtige Größe im niedersächsischen Tourismus mit über zwei Millionen Übernachtungen in 2022“ in den letzten eineinhalb Jahren von Stefan Krieger mit viel Engagement und touristischen Sachverstand in den Themen der Destinationsbetreuung und Entwicklung vorangetrieben worden, heißt es. Dabei sei es Stefan Krieger immer wichtig gewesen, den Gast und die Gastgeber als Aufgabe des Tourismus-Service im Fokus zu behalten und an der Attraktivierung der Nebensaison zu arbeiten. Besonders seien die Digitalisierung von Destinationsangeboten, eine erfolgreiche Marketing- und Pressearbeit als Leiter Marketing hervorzuheben.

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