Verkehrsunfallstatistik Norden Mehr Unfälle, mehr Verletzte, mehr Tote
Die Polizei Norden hat am Montag die Statistik der Verkehrsunfälle im Altkreis Norden präsentiert. Neben vielen traurigen Zahlen gab es auch eine positive Nachricht.
Norden - Kaum ist die Corona-Pandemie vorbei, ist auch die Zahl der Verkehrsunfälle in Norden wieder deutlich angestiegen. Im vergangenen Jahr erreichte die Zahl der Verkehrsunfälle erstmals wieder das Vor-Corona-Niveau. Die Zahl der Schwerverletzten bei Verkehrsunfällen ist im Jahr 2022 um 35 Fälle auf insgesamt 78 gestiegen. Nicht die einzigen erschreckenden Zahlen, die die Beamten des Polizeikommissariates Norden am Montag in der Verkehrsunfallstatistik präsentierten.
Insgesamt ist die Zahl der Verkehrsunfälle in Norden auf 1388 gestiegen. Das ist ein Anstieg zum Vorjahr von 5,5 Prozent. Gleichzeitig haben die Personenschäden bei Unfällen aber um 16,44 Prozent zugenommen. Insgesamt wurden 425 Menschen bei Unfällen verletzt, teilte Polizeioberkommissarin Christiane Büchner mit. Davon waren 344 Menschen leicht verletzt, 78 Menschen wurden schwer verletzt, drei Menschen starben im vergangenen Jahr bei Unfällen. In zwei Fällen gerieten Verkehrsteilnehmer in den Gegenverkehr. Am 19. Mai kollidierte ein 21-Jähriger dabei auf der L4 Wurzeldeicher Straße mit einem Fahrzeug. Der 70-jährige Fahrer des gegnerischen Fahrzeuges verstarb. Am 20. Juli geriet ein 43-Jähriger auf der B 72 in Brookmerland mit einem Fahrzeug. Auch dabei verstarb ein 70-jähriger Fahrer des gegnerischen Unfallwagens am Unfallort. Am 13. Juni kollidierte ein Kradfahrer auf der L5 in Hagermarsch mit einem Dammhirsch und verstarb.
Kein Kind wurde durch Unfall schwer verletzt
Eine positive Meldung hatte die Polizei trotz der gestiegenen Zahl der Verkehrsunfälle: Im vergangenen Jahr wurde im Bereich des PK Norden kein Kind bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Als Ursache für die wieder gestiegenen Zahlen sieht Polizeioberrat Ingo Brickwedde, Leiter des Polizeikommissariates Norden, die Aufhebung der Corona-Einschränkungen. „Dadurch waren wieder mehr Verkehrsteilnehmer unterwegs und in der Folge sind wieder mehr Unfälle passiert“, so Brickwedde.
Die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Fahrräder und Pedelecs beteiligt waren, erreichte mit 222 Unfällen einen Rekordwert. In den vergangenen zehn Jahren hat es im Bereich des PK Norden noch nie so viel Unfälle mit Fahrrädern gegeben. Von den 222 Unfällen passierten laut Polizei 147 Unfälle mit Fahrrädern und 75 Unfälle mit Pedelecs. Dabei gab es laut Statistik 135 Leichtverletzte und 35 Schwerverletzte. In diesem Zusammenhang sprach sich Polizeioberrat Ingo Brickwedde für die Einführung einer Helmpflicht aus. „Ein Helm ist ein Stück weit eine Lebensversicherung“, so Brickwedde. Oft komme es bei den Schwerverletzten zu irreversiblen Schäden. Außerdem wies er auf die Vorbildfunktion der Erwachsenen für die Kinder hin – sowohl was die Helme als auch was eine korrekte Beleuchtung an den Rädern angeht.
Unfallfahrerin hatte 3,26 Promille im Blut
Neben erhöhter Geschwindigkeit und zu geringem Sicherheitsabstand zählen Alkohol und Drogen zur Hauptursache von Verkehrsunfällen. Die Zahl hat im Altkreis Norden im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Es kam insgesamt zu 48 Verkehrsunfällen unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Den höchsten Alkoholwert bei einem Verkehrsunfall stellten die Einsatzkräfte bei einer 53 Jahre alten Autofahrerin fest. Sie hatte einen Blutalkoholwert von 3,26 Promille.
Bei Verkehrskontrollen hielten die Beamten im vergangenen Jahr im Altkreis Norden 60 Verkehrsteilnehmer an, die unter Drogeneinfluss standen. Darüber hinaus stoppten sie 64 Verkehrsteilnehmer unter Alkoholeinfluss. Bei einer Verkehrskontrolle stellten die Beamten bei einem 31 Jahre alten Mann auf einem Motorroller einen Blutalkoholwert von 3,76 Promille fest.
Jeder sechste Verstoß ist ein Handyverstoß
Neben Alkohol und Drogen wird das Handy zunehmend zu einem Problem im Straßenverkehr. Insgesamt ahndete das PK Norden im vergangenen Jahr 1151 Verstöße. 185 davon waren Handyverstöße. Jeder sechste Verstoß im Bereich Verkehr war im vergangenen Jahr also ein Handyverstoß, sagte Polizeihauptkommissar Harald Saathoff. „Das ist mittlerweile wie eine Sucht, auch während der Fahrt oder an der roten Ampel eben schnell sein Handy zu kontrollieren“, sagte Saathoff. Wer sich dabei erwischen lässt, für den wird es teuer: 100 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg kostet das unerlaubte Benutzen eines Handys am Lenkrad. Ein Radfahrer zahlt immerhin 55 Euro. „Anscheinend ist das noch nicht genug“, sagte Saathoff.
Ebenfalls wieder auf Vor-Corona-Niveau sind die Zahlen der Wildunfälle im Altkreis Norden. Trotz Geschwindigkeitsbegrenzungen in den Schwerpunktbereichen an der Hager Umgehungsstraße und der Großheider Straße, ist die Zahl der Wildunfälle noch einmal leicht gestiegen, von 199 im Jahr 2021 auf 203 im Jahr 2022.
Jeden Tag wird mindestens eine Verkehrsunfallflucht angezeigt
Ein großes Thema sind für die Beamten des PK Nordens die Verkehrsunfallfluchten. Täglich wird mindestens eine Verkehrsunfallflucht angezeigt. Dabei seien vor allem die Parkplatzunfälle problematisch. In vielen Fällen seien die Beamten auf Zeugenhinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Polizeihauptkommissar Thorsten Frielinghausen machte noch einmal deutlich: „Verkehrsunfallflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.“ Die Strafen reichten von Fahrverboten über die Entziehung der Fahrerlaubnis bis hin zu empfindlichen Geldstrafen. Zusätzlich gebe es Punkte in der Verkehrssünderkartei. Dabei mache die Unfallflucht überhaupt keinen Sinn, denn in den meisten Fällen seien die Schäden über die Haftpflichtversicherung abgedeckt.
Im Jahr 2023 ist ein Kernthema der Polizei Norden im Bereich der Verkehrssicherheitsarbeit das Thema Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Aufgrund der gestiegenen Unfallzahlen liegt der Fokus dabei insbesondere auf dem Radverkehr und dem Thema Geschwindigkeit.