Wölfe in Ostfriesland Große Sorgen um kleine Pferde
Peter Rocker züchtet seit 1969 Shetlandponys in Dietrichsfeld. Nun hat er große Angst, dass Wölfe den Tieren gefährlich werden könnten – und verlangt Maßnahmen der Landesregierung.
Aurich - Shetlandponys sind seit 1969 die große Leidenschaft von Peter Rocker in Dietrichsfeld. Bis zu 100 der kleinen Pferde hatte er auf seinem Ponygestüt Silbersee zeitweise. Heute sind es noch 35 Tiere, die auf dem Hof leben. „Ich habe Angst um sie“, sagt Rocker im ON-Gespräch. Der Grund dafür ist der Wolf, der auch in Ostfriesland wieder heimisch geworden ist.
Sehr genau verfolgt Peter Rocker über das Internet, ob es neue Vorkommnisse mit Wölfen gegeben hat. Er zeigt Fotos von gerissenen Schafen und Videos von Wölfen, die in Ställe eindringen und dort Lämmer reißen. „Der Wolf nimmt sich nicht ein Tier zum Fressen, er bringt mehrere einfach so um.“ Starke Hufe nützen auch den eigentlich größeren Shetlandponys nichts, wie ein weiteres Foto zeigt. Der Wolf scheut sich nicht, die kleinen Pferde anzugreifen.
Täglich Berichte ans Ministerium
In Tannenhausen sei bereits ein Wolf gesichtet worden, erzählt Peter Rocker. Die benachbarten Landwirte und Pferdezüchter seien alle in Sorge, dass ihren Tieren etwas passieren könnte. Er selbst hat achteinhalb Hektar Land um seinen Hof herum. „Die kann ich nicht wolfssicher abriegeln.“ Jeden Abend schaut er vor dem zu Bett gehen noch einmal nach draußen, ob alles ruhig ist. „Die Tiere auf der Weide können nicht fliehen“, erklärt Rocker. Und der Wolf würde nicht nachgeben. Bis zu 20 Minuten würde er auch die Shetlandponys jagen.
Fast täglich schickt Peter Rocker Presseberichte an das Umweltministerium in Hannover. Auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat er persönlich Informationen übergeben.
Jäger wollen Bestand kontrollieren
Peter Rocker fordert, dass der Wolfsbestand umgehend reduziert wird. Menschen, die sich gegen den Abschuss aussprechen, nennt er gefühllos. „Sie sollten sich vorstellen, dass ihre eigene Hauskatze von einem Wolf getötet wird.“ Er vermutet aber, dass die meisten selbst keine Tiere haben „und im dritten Stock wohnen“.
Unterstützung erhält Rocker von der Jägerschaft. In einem Wolfs-Positionspapier, der sogenannten „Auricher Erklärung“, forderten die Jäger der niedersächsischen Küstengebiete kürzlich die Politik zum Handeln auf. Die Jägerschaften aus Aurich, Norden, Emden, Wittmund, Leer, Friesland, Wilhelmshaven, Wesermarsch, Hadeln-Cuxhaven, Stade, Wesermünde-Bremerhaven sowie die Landesjägerschaften Bremen und Niedersachsen wollen die Landkreise an der Küste zu wolfsrudelfreien Zonen machen – allerdings nicht zu komplett wolfsfreien Zonen. So sollen die Deichschafe und damit die Deiche geschützt werden.
Ihlower Bürgermeister will Obergrenze
Unterstützung gibt es auch aus der Nachbargemeinde Ihlow. Peter Rocker hat Kontakt zu Bürgermeister Arno Ulrichs aufgenommen. „Arno Ulrichs sorgt sich um den Waldkindergarten Ihlow.“ Ulrichs bestätigt den Kontakt auf ON-Anfrage. „Man müsste zumindest eine Obergrenze bei der Anzahl von Wölfen festlegen, über der auch abgeschossen wird“, so Ulrichs.
Der Wolf im Landkreis Aurich
Zehn nachgewiesene Risse durch Wölfe gab es seit 2018 im Landkreis Aurich. Am 7. Februar 2015 wurde in der Stadt Wildeshausen ein Schaf gerissen. Das war der erste mit einem DNS-Test nachgewiesene Angriff eines Wolfes auf ein Nutztier im Nordwesten. Das geht aus einer Auflistung der Risse in Ostfriesland vom niedersächsischen Umweltministerium hervor, in der alle Vorkommnisse bis zum 7. März dieses Jahres verzeichnet sind. Erst am 2. Juni 2018 konnte der Wolf zum ersten Mal als Angreifer im Landkreis Aurich nachgewiesen werden. In der Stadt Norden fiel ihm ein Schaf zum Opfer. 42 Schafe sind seitdem im Landkreis Aurich durch Wölfe gerissen worden. Hinzu kommen ein Rind sowie ein Pferd.
Die Dunkelziffer ist dabei unklar. Denn es gibt in der Auflistung des Ministeriums zahlreiche Fälle, die als „Wolf nicht nachweisbar“ klassifiziert sind. Das war zuletzt im vergangenen Jahr bei zwei Rindern in Großheide und Großefehn der Fall. Diese Einstufung bedeutet aber nicht unbedingt, dass es keinen Wolfsriss gegeben hat. Davon geht das Ministerium nur bei der Klassifizierung „kein Wolf“ aus. Der Umweltausschuss des Landkreises Aurich wird sich am Montag mit der Liste befassen, weil die AfD-Fraktion in einem Antrag die Verabschiedung einer Resolution fordert. Darin soll der Kreistag den „unverzüglichen Beginn der Bejagung des Wolfes im Landkreis Aurich beziehungsweise in Niedersachsen“ fordern. Denn die Übergriffe von Wölfen auf Weidetiere sowie die Annäherung des Wolfes an den Menschen nähmen in Ostfriesland ein nicht mehr zu tolerierendes Ausmaß an. Ein weiterer zeitlicher Aufschub sei angesichts der Rissliste im Landkreis Aurich unverantwortlich, so die AfD.
Als Beispiel nennt er Schweden. In dem skandinavischen Land dürfen seit dem 2. Januar dieses Jahres wieder Wölfe gejagt werden. Insgesamt 75 Tiere wurden für den Abschuss freigegeben. Dabei leben im gesamten Land nur geschätzt 460 Wölfe, wie der „Stern“ im Januar berichtete. Deutlich weniger als in Deutschland. Alleine in Niedersachsen gibt es laut Umweltministerium derzeit 39 Rudel. Einem Wolfsrudel gehören acht bis zehn Tiere an.
Ginge es nach Peter Rocker, müsste man nicht über Obergrenzen für die Wolfspopulation diskutieren. „Der Wolf hat in Ostfriesland nichts zu suchen.“ Er kenne nicht einen Grund, wofür der Wolf gut sein sollte. Deshalb müsse der Wolf wie der Fuchs ins Jagdrecht aufgenommen werden.
Das Gestüt Silbersee wird von Peter Rockers Enkelin weitergeführt. Er hofft, dass sie keines der Tiere an einen Wolf verlieren muss.FDP Ems-Jade fordert Abschuss von Problemwölfen
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