Berlin  Weiter FDP-Chef: Das Risiko des Christian Lindner

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 21.04.2023 16:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bald sind es zehn Jahre: Christian Lindner ist mit 44 Jahren der dienstälteste Parteichef. Beim Parteitag in Berlin wurde er erneut zum Vorsitzenden gewählt. Foto: IMAGO/Jean MW
Bald sind es zehn Jahre: Christian Lindner ist mit 44 Jahren der dienstälteste Parteichef. Beim Parteitag in Berlin wurde er erneut zum Vorsitzenden gewählt. Foto: IMAGO/Jean MW
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Vor rund zehn Jahren wurde Christian Lindner zum Vorsitzenden der FDP gewählt. Er hat mit seiner Partei viel erreicht. Dass er jetzt als Chef weitermacht, ist trotzdem nicht ohne Risiko.

2013 übernahm Christian Lindner eine Partei am Boden. Er selbst hatte den Absturz schon 2011 kommen sehen und sich vorzeitig und unerwartet zunächst als Generalsekretär aus der ersten Reihe zurückgezogen. Was ihm damals viele übel nahmen und als Hasenfüßigkeit auslegten, erwies sich als richtiger Instinkt. Er wusste, dass seine Stunde kommen würde.

Die FDP zurück in den Bundestag zu führen, war allerdings kein Selbstläufer. Sie war abgewählt, hatte sich in den Jahren der schwarz-gelben Regierung wundgerieben, sich auf das Thema Steuergerechtigkeit verzwergt und in Ton und Auftreten der Lächerlichkeit preisgegeben.  

Lindner stellte sie programmatisch breiter auf und verpasste der FDP ein neues Image. Dreitagebart und Laptop statt Krawatte und Altherrenwitz. Der neue Fokus auf Themen wie Bildung, Entbürokratisierung und Digitalisierung kam besonders bei jungen Wählern gut an. Das Versprechen der neuen digitalen Startup- und Bildungsrepublik ist längst nicht eingelöst. Aber die FDP führte es 2017 mit zweistelligen Ergebnissen zurück auf die bundespolitische Bühne.

Diejenigen, die Opportunismus und Wendehalsigkeit schon immer für ein Markenzeichen der Liberalen hielten, werden sich durch ihr Mitregieren in der Ampel-Koalition bestätigt sehen. Anzuerkennen bleibt: Dass die FDP wieder mitregiert und Christian Lindner als Finanzminister an einer der Schaltzentralen des Landes sitzt, hätte sich vor zehn Jahren wohl nicht einmal er selbst vorstellen können. 

Dass er jetzt noch weitere zwei Jahre die Partei führt, ist aber nicht ohne Risiko. Persönlich hat er alles erreicht. Doch seit die Partei das schwierige Bündnis mit SPD und Grünen eingegangen ist, verliert sie eine Landtagswahl nach der anderen. Längst ist klar, dass die klassische Wählerschaft den Schwenk in ein linkes Regierungsbündnis nicht gutheißt. Nicht ausgeschlossen, dass die Liberalen bei der Bundestagswahl 2025 erneut ein Debakel erleben. Lindners politisches Lebenswerk würde dann enden wie es begonnen hatte. 

Andererseits: An wen sollte er das Amt des Parteichefs guten Gewissens übergeben? Noch gibt es keinen Besseren als ihn in der FDP.

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