Plattdeutsches Theater Ulk-Überdosis einer Spaßvogel-Truppe in Lübbertsfehn
Die Wiekenspöler blasen mit „Hoch de Hannen, nich ganz dicht“ zum Frontalangriff auf die Lachmuskeln des Publikums. Und bei der Premiere herrschte Hochstimmung.
Lübbertsfehn - Pieronje! Was hat mühsames Hochdeutsch mit deutlichem Katowice-Einschlag auf einer plattdeutschen Bühne zu suchen? Eine ganze Menge, wenn es von einer mit der Burschikosität aller Putzfrauen gesegneten Polin namens Olga (den Nachnamen sparen wir uns, jedenfalls endet er landesüblich mit …ski) gesprochen wird, Lebensweisheiten inklusive. Margret Köllmann spricht und lebt diese Herrin des Feudels und des Putztuchs mit einer Intensität ohnegleichen in der kalauerlastigen Komödie „Hoch de Hannen, nich ganz dicht“.
Die Vollblutkomödiantin spielt die Rolle mit allen Sinnen und ist damit in guter Gesellschaft, denn außer ihr aalen sich noch neun weitere putzige Typen in der uneingeschränkten Gunst des Publikums. Die Rede ist von den Lübbertsfehner Wiekenspölers, einer Spaßvogel-Truppe, die dem Schwank von Regina Harlander eine zweistündige Ulk-Überdosis verordnet hat. Am Mittwoch herrschte im atmosphärischen Ambiente des Sportheims Hochstimmung bei der Premiere. Ist‘s ein Wunder bei soviel Lebensfreunde in einer Zeit, in der einem aus vielerlei Gründen das Lachen vergeht?
Ensemble fackelt nicht lange und zündet eine Spaßrakete
Die Autorin hat, ohne eine Anwartschaft auf einen Literaturpreis zu reklamieren, eine flotte Masche gestrickt: Bankfiliale im Minussektor, Schließung ante portas, fingierter Überfall als Kalamitäten-Killer und am Ende Freude im Tresor – wie üblich kummt allens torecht. Unter der Regie des auch als Schauspieler in der ersten ostfriesischen Liga spielenden Wilhelm Reuter fackelt das Ensemble nicht lange bei dem Vorhaben, aus dem, was man an Vorlage hat, das zu machen, was man will: eine Spaßrakete zünden.
Maike Rosenboom und Gerhild Janssen als arbeitsresistente Schalterfrolleins, die sich statt mit Konten lieber mit Ebay-Schnäppchen beschäftigen, treiben das Stück munter vor sich her, erfrischend, das Publikum von Beginn an mitnehmend. Gerd-Mimke Köllmann ist als ihr Chef ein gestenreicher Melodramatiker, mal Großkotz, mal weinerlicher Filialenpleitier. Klasse, wie er sich einer Kundin (die fabelhafte Gerda Meyer) erwehrt, die statt Anlagen eher Avancen im Sinn hat.
Fehntjer Platt, originaler geht’s nicht
Enno Peters bläst als ständig in Geldnöten steckender, nicht gerade mit den größten Geistesgaben ausgestatteter Cannabis-Produzent zu Frontalangriffen auf die Lachmuskeln. Erscheinung, Sprache (Fehntjer Platt, originaler geht’s nicht), Selbstironie – granatenmäßig. Antje Janssen-Borlido als zickige, hochnäsige Bankchefin und Hellfried Kuhlmann als ihr devoter Aktenträger sind ein vortreffliches Gespann, das dem ganzen Karacho eine Prise jenes Humors zufügt, den man wegen seiner Unaufdringlichkeit gemeinhin als britisch bezeichnet. Und dann sind da noch Albert Saathoff und Timon Gerdes, Vermieter der eine, Banken-Konkurrent der andere, die in ihrer Spielweise genau solche Knallfrösche sind wie die anderen acht. Und dass die ganze Narrenschar nicht ganz dicht sein soll, ist reine Inhaltsverfälschung – sie hat’s zum nicht nachlassenden Gaudi faustdick hinter den Ohren. Fulminant!
Eine Stärke der Wiekenspöler, bei denen Jona Gerdes (Technik) und Doris Harms (Topusten) nur zwei von zahlreichen Mitwirkenden hinter den Kulissen sind, ist auch die jederzeit spürbare enge Verbindung zu ihrem Dorf und zu ihrer Fehntjer Lebensart. Das allein macht schon die Aufführungen zu einem Genuss, der durch die musikalische Pausenbegleitung durch Helmut Schneider (Akkordeon) und Dieter Krull (Gitarre) noch angefettet wird.
Bis zum 12. Mai wird noch gespielt. Obwohl die meisten Vorstellungen bereits ausverkauft sind, gibt es noch Restkarten. Weitere Infos gibt es bei Margret Köllmann unter Tel. (0 49 45)14 18.