EEZ Aurich Mit negativem Beispiel voran
Mit erneuerbaren Energien und Nachhaltigkeit beschäftigt sich das Auricher EEZ in Sandhorst. Umweltfreundlich hingelangen kann man aber nicht so leicht.
Aurich - Mit erneuerbaren Energien, umweltschonenden Technologien und dem Klimawandel beschäftigen sich die Einrichtungen sowie die Ausstellung des Energie-Erlebnis-Zentrums (EEZ) in Sandhorst. Wer die Angebote nutzen will, muss allerdings eigene Transportmittel nutzen. Denn der öffentliche Personennahverkehr erreicht das EEZ schon seit langer Zeit nicht mehr. Einzige Ausnahme ist eine Buslinie von Weser-Ems-Bus. Diese hält morgens um 7.43 Uhr vor dem futuristischen Bau.
Ein Zustand, der Stefan de Jonge, Leiter des EEZ, ein Dorn im Auge ist. Deswegen meldete er sich in der vergangenen Woche im Auricher Schulausschuss zu Wort, als es darum ging, wie denn die Schüler der städtischen Schulen während des Unterrichts am Vormittag zum EEZ beziehungsweise zum Zentrum für Natur und Technik gelangen könnten. Es sei nicht nachvollziehbar, so Stefan de Jonge, dass eine Einrichtung, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftige, nicht vom ÖPNV angefahren werde. „Es ist unser großer Wunsch, dass die Haltestelle EEZ wieder angefahren wird“, so Stefan de Jonge.
Bis zu zwölf Minuten Fußweg
Ein Blick in den Fahrplan macht das Dilemma deutlich. Wer die Fahrplanauskunft des Verkehrsverbundes Ems-Jade bemüht, wird auf die Homepage des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen weitergeleitet. Die Suche nach einer Verbindung vom Auricher ZOB zum EEZ ergibt in der Zeit von 7 bis 13 Uhr immerhin 16 Busverbindungen. Doch je nach Linie müssen die Fahrgäste auf ihrem Weg zum EEZ auch gut zu Fuß sein. Denn entweder fährt man bis zur Grundschule Sandhorst, ins Industriegebiet oder zur Bushaltestelle Arentestraße. Zwischen sieben und zwölf Minuten, so die Angaben in der elektronischen Fahrplanauskunft, müssen Besucher des EEZ dann noch zu Fuß zurücklegen, ehe sie am Ziel sind.
Kurz nach der Eröffnung des EEZ im Sommer 2015 sah die Welt des ÖPNV in Aurich noch rosiger aus. Einige Zeit gab es eine eigene Stadtbuslinie 102, die das Auricher Bad „De Baalje“ mit dem EEZ in Sandhorst verband. Die Idee dahinter: Die Auricher Jugendherberge sollte beide Einrichtungen vermarkten, Besucher sollten so leicht zwischen dem Ellernfeld und dem EEZ pendeln können. Stadtbuslinien, die regelmäßig befahren werden, könnte es in naher Zukunft auch wieder geben in Aurich. Allerdings nur für vier Ortsteile in der Nähe der Kernstadt. Das zumindest ist die Vorstellung des Planungsbüros „Mobile Zeiten“, das sich derzeit mit dem ÖPNV in der Kreisstadt Aurich befasst. Egels, Extum, Haxtum und Wallinghausen sollen nach den derzeitigen Plänen von einem Halbstundentakt profitieren. Die übrigen Ortsteile sollen durch sogenannte „flexible Angebote“, zu denen auch der derzeit verkehrende Anrufbus gehört, erschlossen werden.
2018 war eine Stadtbuslinie zum EEZ geplant
Alle anderen regelmäßig verkehrenden Linien, die das EEZ anfahren könnten, sind Regionalbuslinien, die im Auftrag des Landkreises Aurich unterwegs sind. Sie erfüllen laut Gutachter innerhalb der Stadt zwar auch Stadtbusaufgaben. Das ist aber (noch) nicht der Hauptzweck.
Im Jahr 2018 wurde über ein Stadtbussystem mit neun Linien diskutiert. Dessen Linie 4 hätte den ZOB in Aurich mit dem Badesee Tannenhausen verbunden und dabei auch einen Abstecher zum EEZ gemacht. Diese Vision hätte aber schon vor fünf Jahren rund 600.000 Euro mehr gekostet als der mäßig erfolgreiche Anrufbus. Daher wurde sie nie umgesetzt.
Ein Umstand, den die Linksfraktion im Auricher Rat kritisiert, wie es in einer Mitteilung heißt. In dem für den Rat erarbeiteten Gutachten aus dem Jahr 2018 seien bis zu neun Linien empfohlen worden. Mit den nun angedachten drei Linien würden weder Popens oder Wiesens noch Tannenhausen angebunden werden. Auch Parallelverkehre zu den Regionallinien würden nicht aufgebaut. Mit diesen könne man auf einigen Strecken einen Halbstundentakt erreichen, heißt es in der Mitteilung.
Linke fordern mehr Geld für ÖPNV
Kritisiert wird von der Linken auch, dass an dem bisherigen Ansatz von 300.000 Euro, die derzeit für den Anrufbus ausgegeben werden, festgehalten werden soll. Das reiche schon angesichts deutlich gestiegener Personal- und Energiekosten nicht aus, um eine Verbesserung des ÖPNV in der Stadt Aurich zu erreichen. nur ein gutes Angebot schaffe Nachfrage. Als Beispiel wird die Stadt Lemgo angeführt, die zwei Millionen Fahrgäste im ÖPNV habe.
Ob Stefan de Jonge mit seinem Appell Erfolg haben wird, steht in den Sternen. Die Stadt Aurich hat selbst nur geringen Einfluss darauf, ob die Linien, die auf der Dornumer Straße verkehren, einen Schlenker zum EEZ fahren. Ein Schlenker, der nach der Eröffnung des EEZ im Jahr 2015 noch selbstverständlich war. Danach aber wurde der Umweg nicht mehr gefahren – denn die Besucher bleiben aus, es gab keine Nachfrage für eine Busverbindung.
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