Hamburg Kitas kurz vorm Kollaps: Fehlendes Personal und nur Halbtagsbetreuung
In Deutschland fehlen über 380.000 Kitaplätze – das hat eine Studie der Bertelsmann Stiftung ergeben. Aufgrund von Personalmangel reduzieren Einrichtungen ihre Öffnungszeiten, Angestellte arbeiten länger oder streichen pädagogische Angebote. Kitas und Eltern schlagen Alarm.
Es gibt immer noch zu wenige Kitaplätze in Deutschland: Gemessen an den Betreuungswünschen und mit einem kindgerechten Personalschlüssel kalkuliert müssten im Jahr 2023 bundesweit 308.807 zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden – 87.403 davon im Osten und 221.404 in den westlichen Bundesländern. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung.
Prozentual gesehen fehlen am meisten Erzieher im Mecklenburg-Vorpommern; hier müsste sich das aktuell beschäftigte Personal verdoppeln. In absoluten Zahlen fehlen am meisten Erzieher in Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2023 bräuchte es dort 65.000 Fachkräfte mehr.
Im März dieses Jahres veröffentlichte der Verband Bildung und Erziehung (VBE) die DLKL-Studie 2023, eine Umfrage unter knapp 5.000 Kitaleitungen in Deutschland mit dem Schwerpunkt Personalmangel. Das Ergebnis: Jede zweite Kita musste in den vergangenen Monaten die Öffnungszeiten reduzieren. Rund 36 Prozent der Einrichtungen sahen sich gezwungen, fachfremdes oder nur eingeschränkt geeignetes Personal einzustellen. Und in 14 Prozent der Kitas kamen Erzieher wieder zum Einsatz, die eigentlich schon im Ruhestand waren.
„Die Fachkräfte arbeiten mit großem Einsatz“, sagt Claudia Geisler, Leiterin des Hauptstadtbüros vom Deutschen Kitaverband, zu den Ergebnissen der Studie. Aber es kämen mehrere Krisen zusammen. Nach der Corona-Pandemie folgten den Winter über viele Krankheitswellen, die sowohl Kinder als auch das Kitapersonal betrafen.
Laut der DLK-Studie mussten in mehr als 86 Prozent der Kitas pädagogische Angebote entfallen. Dadurch erhöhte sich auch die Unzufriedenheit der Mitarbeitenden, was wiederum zu Kündigungen führte. Elterngespräche und Teamsitzungen entfielen, in manchen Kitas mussten wieder Notgruppen gegründet werden. Selbst Kinder beschwerten sich über mangelndes Personal.
Für Tomi Neckov, stellvertretender Bundesvorsitzender des VBE, sind das „erschreckende Ergebnisse, die deutlich machen, dass die Politik ihrer gesetzlichen Verantwortung nicht gerecht wird.“ Die Betreuungssituation belastet auch die Eltern: Vor allem Mütter stecken dabei wieder zurück, denn sie nehmen noch immer deutlich häufiger Kindkranktage als Väter, wie eine AOK-Studie zeigt.