Öffentlicher Personennahverkehr  Stadtbus nur für die Auricher Innenstadt

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 12.04.2023 20:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Anrufbus wird jährlich nur von gut 30.000 Fahrgästen genutzt und soll durch ein neues System ersetzt werden. Foto: Romuald Banik
Der Anrufbus wird jährlich nur von gut 30.000 Fahrgästen genutzt und soll durch ein neues System ersetzt werden. Foto: Romuald Banik
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Die Stadt könnte Buslinien mit einem Taktfahrplan bekommen – allerdings nur in vier Ortsteilen. Die Politik muss sich dabei mit einer alten Frage beschäftigen.

Aurich - Vier Auricher Ortsteile werden künftig wahrscheinlich regelmäßig von Stadtbussen angefahren. Alle 30 Minuten könnten schon bald – auch am Wochenende – Busse durch Egels, Extum, Haxtum und Wallinghausen fahren. Eventuell könnte die Siedlung am Tiergarten noch erschlossen werden. Drei feste Buslinien sollen diese Ortsteile mit der Innenstadt verbinden. Dieses Konzept stellte Christoph Marquardt zusammen mit seinem Kollegen Matthias Kurzeck am Mittwoch im Umweltausschuss vor. Mit den drei Linien sollen die Lücken geschlossen werden, die die Regionalbuslinien des Landkreises in Aurich nicht bedienen.

Versorgt werden so nur die bevölkerungsreichsten Ortsteile in der Nähe der Innenstadt. Die übrigen Gebiete werden nach den vorläufigen Plänen mit einem flexiblen Angebot bedient. Im besten Fall wäre das ein Bedarfslinienverkehr. Im schlechtesten Fall der Anrufbus, der bereits jetzt in Aurich unterwegs ist.

Möglichst viele Busse gleichzeitig am ZOB

Der Auricher ZOB spielt bei den Plänen des Büros „Mobile Zeiten“ eine wesentliche Rolle. Denn dort sollen sich zur vollen und zur halben Stunde „möglichst viele Busse treffen“, sagt Christoph Marquardt. Dadurch werde ein rasches Umsteigen ermöglicht.

Auf jeden Fall, so Matthias Kurzeck, müsse der Betrieb wirtschaftlich sein. Er rechnet für das vorgestellte Modell mit der bisherigen Subvention von gut 300.000 Euro jährlich „plus eine Summe X“.

2018 vorgestelltes Gutachten nicht haltbar

Aus diesem Grund sei das im Jahr 2018 vorgestellte Gutachten des Büros „SHP Ingenieure“ (Hannover) auch nicht haltbar. Das sah neun Stadtbuslinien vor, die das gesamte Auricher Stadtgebiet bedienen sollten. Dafür allerdings wurde schon vor fünf Jahren mit jährlichen Kosten von 900.000 Euro gerechnet.

Beim Thema öffentlicher Personennahverkehr kommt man ganz schnell zur alten Frage: Wer war zuerst da, die Henne oder das Ei? Gemünzt auf den ÖPNV lautet die Frage: Bringt ein gutes Angebot mehr Nutzer – oder muss man das Angebot erst ausbauen, wenn die Nutzer bereits da sind? Diese Art der Diskussion wird in Aurich seit gut fünf Jahren geführt. Das Ziel ist dabei immer klar formuliert gewesen: Das Angebot soll am Ende besser sein als der jetzige Anrufbus. Mehr Menschen in der Stadt sollen mit dem ÖPNV die Stadt erreichen können. Dabei soll das Ganze aber nach Möglichkeit nicht mehr kosten als der wenig genutzte Anrufbus. Mit diesem fahren im Schnitt in den letzten Jahren gut 30.000 Fahrgäste jährlich.

Entscheidung muss in diesem Jahr fallen

Das gesamte Stadtgebiet zu bedienen, wäre laut Kurzeck zu teuer. „Leider muss man auch den mut zur Lücke haben“, sagt er. Denn es gebe in Brockzetel oder Wiesens nun einmal nicht genügend Fahrgäste für einen festen Fahrplan. Es sei besser, nicht überall nur dreimal am Tag, sondern dort, wo es die Nachfrage gibt, alle 30 Minuten zu fahren, sagt Matthias Kurzeck. Die Wirtschaftlichkeit sei ganz wichtig, so Christoph Marquardt. „Es ist besser, vorsichtig zu starten und dann die nächsten Schritte zu unternehmen.“

Damit ist man dann wieder bei der Frage nach der Henne und dem Ei, die der Auricher Rat noch in diesem Jahr beantworten muss. Ist es besser, mehr Geld für mehr Linien auszugeben und so vielleicht mehr Fahrgäste zu locken? Oder zeigt man nur in der Kernstadt, wie gut ein festes Liniennetz sein kann und macht den Aurichern auf diese Weise Lust auf mehr? Klar ist bislang nur, dass noch in diesem Jahr eine Entscheidung fallen muss.

Denn sonst gibt es ab dem 1. Januar 2024 überhaupt keinen ÖPNV mehr im Auricher Stadtgebiet – abgesehen von den Regionalbuslinien des Landkreises Aurich.

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