Sydney  Lähmende Furcht vor den Folgen der Klimakrise – Das hilft gegen Klimaangst

Barbara Barkhausen
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Von Barbara Barkhausen
| 12.04.2023 18:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gerade junge Menschen sind immer stärker von Klimaangst, der Angst vor Folgen der Klimakrise, betroffen. Foto: dpa/Martin Schutt
Gerade junge Menschen sind immer stärker von Klimaangst, der Angst vor Folgen der Klimakrise, betroffen. Foto: dpa/Martin Schutt
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Bisher ist Klimaangst nicht offiziell als psychische Krankheit anerkannt. Doch die Angst vor den Folgen der Klimakrise trifft immer mehr Menschen weltweit. Das kann dagegen helfen.

15 Monate sollte eine Aktivistin für ihr Vergehen eine Spur der berühmten Hafenbrücke in Sydney für 28 Minuten zu blockieren ins Gefängnis. Das Urteil hatte im Dezember eine Diskussion in Australien ausgelöst. Die Aktivistin ging in Berufung und ein anderer Richter hob das Urteil vor Kurzem nun wieder auf. Bei der Entscheidung spielte unter anderem mit, dass bei der jungen Frau eine Klimaangst diagnostiziert worden war.

Dies kommt laut Experten immer häufiger vor. Die zunehmend klimabedingten Ereignisse würden bei vielen eine Reihe an Emotionen auslösen, schrieben zwei Expertinnen, Fiona Charlson von der University of Queensland und Tara Crandon vom QIMR Berghofer Medical Research Institute, in einem Fachartikel für „The Conversation“. Viele würden sich „ängstlich, wütend und traurig über den Zustand des Planeten“ zeigen.

Klimaangst beschreibt dabei ein Gefühl von Panik, Sorge und Angst vor den Folgen und Unsicherheiten, die die Klimakrise mit sich bringt. Der Begriff wird manchmal synonym mit Ökoangst verwendet, was einige Gesundheitsexperten und Forscher als Angst vor umfassenderen ökologischen Problemen bezeichnen. Forscher vermuten, dass Klimaangst von unserer Umgebung geprägt sein kann. Zum Beispiel könnte sie von Berichten oder Filmen ausgelöst werden, die wir über die Klimakrise sehen, wie sich die Menschen um uns herum fühlen oder wie Gemeinden und Regierungen darauf reagieren.

„Untersuchungen zeigen, dass Klimaangst auf der ganzen Welt zu spüren ist, insbesondere bei jungen Menschen“, schrieben die australischen Forscherinnen in ihrer Abhandlung. Eine Nachricht, die die Angst bei vielen geschürt haben dürfte, ist die Veröffentlichung des sechsten Berichts des Weltklimarates, der im März vorgelegt wurde, und der eine „letzte Warnung“ vor der Klimakrise enthielt.

Laut der deutschen Krankenkasse AOK empfindet mehr als die Hälfte aller jungen Erwachsenen unter 25 Jahren Klimaangst. Die Krankenkasse zitiert in ihrem eigenen Bericht zum Thema Klimaangst eine Studie, die von sieben akademischen Einrichtungen aus zehn Ländern durchgeführt wurde. Demnach machen sich 59 Prozent der 16- bis 25-Jährigen große Sorgen über den Klimawandel. 75 Prozent sagten, dass die Zukunft beängstigend sei und vier von zehn jungen Menschen gaben sogar an, dass sie aufgrund der Klimakrise unsicher seien, ob sie selbst einmal Kinder bekommen sollten.

Klimaangst ist bisher jedoch nicht offiziell als Krankheit oder psychische Störung anerkannt und die australischen Forscherinnen sind auch dagegen, dies zu propagieren. „Wir wissen, dass Angst eine eingebaute natürliche Reaktion ist, wenn wir uns in Gefahr fühlen“, schrieben sie. „Solche Gefühle veranlassen uns, uns auf Bedrohungen für unser Wohlbefinden und unsere Sicherheit vorzubereiten und diese zu reduzieren.“ Sprich: Eine gesunde Angst ist nötig, damit wir den Klimawandel auch ernst genug nehmen und gegen ihn vorgehen.

Allerdings würden Untersuchungen zeigen, dass Klimaangst die Fähigkeit von Menschen beeinträchtigen könne, zu arbeiten oder zu lernen, sich zu konzentrieren, zu schlafen oder sogar Zeit mit Freunden und Familie zu genießen, erläuterten die Wissenschaftlerinnen.

Um aus diesem Teufelskreis herauszukommen, können verschiedene Aspekte helfen. Die australischen Forscherinnen empfehlen, Zeit in der Natur zu verbringen und Pausen einzulegen, um einem Burnout vorzubeugen. Dabei seien „kleine alltägliche Maßnahmen zur Selbstpflege“ wichtig. Helfen würden auch kleinere Aktionen, die dem Planeten helfen.

Die AOK empfiehlt, die Gefühle anzuerkennen. „Angst ist nichts Schlechtes, sondern kann eine ganz normale Empfindung sein“, schreiben die dortigen Gesundheitsexperten. Auch sie empfehlen, aktiv zu werden, denn die Erfahrung, wie viel man selbst bewirken könne, helfe gegen das Gefühl der Ohnmacht. Sich Unterstützung zu suchen, von professioneller Seite wie auch bei Freunden und Gleichgesinnten, kann Betroffenen laut der Experten ebenfalls helfen.

 

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