Antrag im Bauausschuss gestellt  Bauland in Norden soll noch teurer werden

| | 11.04.2023 19:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Diese unverbindliche Darstellung zeigt, wie in etwa das Baugebiet südliche Wigboldstraße in Norden angelegt werden soll. Grafik: Urbano
Diese unverbindliche Darstellung zeigt, wie in etwa das Baugebiet südliche Wigboldstraße in Norden angelegt werden soll. Grafik: Urbano
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Die Immobilienverwaltung will den maximalen Kaufpreis für Wohnbauland in Norden anheben lassen. Nach Wunsch des Unternehmens sollte eine Deckelung gleich ganz aufgehoben werden.

Norden - Wenn es nach der Immobilienfirma Claashen geht, soll es für Bauland in Norden künftig keine Preisdeckelung mehr geben. Das sagte Anja Claashen-Schneider, Geschäftsführerin und Inhaberin von Claashen Immobilien im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wenn es nach mir ginge, würde die Deckelung komplett aufgehoben“, so Anja Claashen-Schneider. Schon jetzt hat die Firma Claashen Verwaltung bei der Stadt beantragt, den maximalen Kaufpreis für Wohnbauland erneut anzuheben. Dieser Antrag soll in der kommenden Woche im Bauausschuss beraten werden.

In dem Antrag geht es konkret um das Neubaugebiet „südlich Wigboldstraße“ in Norden. Das Thema ist laut Claashen-Schneider aber ein Grundsätzliches. Das Baugebiet Wigboldstraße, das nördlich des Klärwerksgeländes rund 95 neue Bauplätze ausweisen soll, wird bereits seit 2016 in Norden geplant. 2021 hatte der Norder Rat dem Bebauungsplan zugestimmt. Doch gebaut wird dort bis heute nicht. Zuletzt hatte die Straßenführung durch das geplante Neubaugebiet zu Verzögerungen geführt. Die Zuwegung soll nun mit Hilfe einer Ringstraße erfolgen, sagte Anja Claashen-Schneider.

Schon einmal wurde maximaler Kaufpreis angehoben

Schon 2021 hatte die Firma Claashen eine Anhebung des maximalen Kaufpreises für das Wohnbauland von 80 Euro pro Quadratmeter auf 95 Euro pro Quadratmeter gefordert. Außerdem sollte die Preisdeckelung nicht mehr wie vom Norder Baulandmanagement vorgegeben, für 60 Prozent der Grundstücke, sondern nur noch für 50 Prozent der Grundstücke gelten. Die andere Hälfte der Grundstücke darf ohne Deckelung frei verkauft werden. Als Argument führten die Investoren damals die massiv gestiegenen Baukosten an. Beidem stimmte der Rat damals zu.

Jetzt soll der damals ausgehandelte Kompromiss aber nicht mehr gelten. Zu hoch sind nach Ansicht der Investoren die Kosten. „Die Kosten sind dermaßen explodiert, dass die Grundstücke mit dem gedeckelten Kaufpreis nicht herstellbar sind“, sagte Claashen-Schneider. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, müsse der maximale Kaufpreis noch einmal deutlich angehoben werden. Die genaue Summe wollte Claashen-Schneider nicht nennen. In jedem Fall müsse diese aber dreistellig sein, sagte sie. Der Grund dafür seien zum einen die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg. Zum anderen die Straßenführung. „Wenn wir normalerweise Bauland erschließen, reihen sich sofort rechts und links der Straße Grundstücke“, erklärte die Immobilien-Expertin. So könnten die Straßenbaukosten anders auf die Grundstückskäufer umgelegt werden. Im Baugebiet „südlich Wigboldstraße“ müsse aber erste eine lange Straße ohne rechts- und linksseitige Bebauung errichtet werden. Diese führt entlang einer Ausgleichsfläche, bis die Straße schließlich ins geplante Neubaugebiet führt. Würde die gesamte Summe auf die wenigen freiverkäuflichen Baugrundstücke umgelegt, würde dies eine enorme Mehrbelastung bedeuten, so Claashen-Schneider. Damit das Baugebiet überhaupt entstehen könne, braucht es nach Meinung der Investoren die Preisanhebung.

Deckelung soll für sozialverträgliche Kaufpreise sorgen

Hintergrund der Deckelung durch das Norder Baumanagement ist der Versuch, sozialverträgliche Kaufpreise zu ermöglichen. Die könne man nach Auffassung der Immobilienexpertin aber ohnehin nicht mehr liefern. Anja Claashen-Schneider setzt hingegen auf eine Regelung durch den Markt. Für Grundstücke in Ostfriesland würden je nach Lage zwischen 250/300 Euro pro Quadratmeter bei Lückengrundstücken gezahlt. Die Marktgrenze gehe in Ostfriesland bis zu 400 Euro pro Quadratmeter. Jetzt liegt es an der Norder Politik, über die künftigen Preise für das Wohngebiet zu entscheiden.

Kaufinteressenten gibt es laut Claashen-Schneider noch immer. Zwar sei die Nachfrage nicht mehr ganz so hoch, wie zu Niedrigzinszeiten. Es gebe aber immer noch viele hiesige Bürger, die ein Haus bauen wollen, sagte sie. „Wir haben aber kein Bauland mehr in Norden und deshalb muss eine Entscheidung her“, sagte Claashen-Schneider. Mit dem Grundstücksverkauf werde dann begonnen, wenn der städtebauliche Vertrag mit der Stadt geschlossen sei. Laut Claashen-Schneider könnten die Bagger im Sommer mit den Arbeiten beginnen – vorausgesetzt, die Politik entscheidet. Sie rechnet mit einer Erschließungszeit für das Baugebiet von etwa einem Jahr. Anja Claashen-Schneider hofft, im Sommer 2024 mit dem Hochbau beginnen zu können.

Die rund 95 Bauplätze sind mit Grundstücksgrößen von etwa 600 Quadratmetern geplant. Sie sollen an ruhigen Wohnstraßen liegen. Das Wohngebiet liegt direkt an den sogenannten Bürgermeister-Straßen in Norden. Von dort aus soll es aber wegen des dann deutlich zunehmenden Verkehrs nicht für die Autos erschlossen werden.

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