„De Baalje“ hebt Preise an  Gebühren für Schwimmkurse werden steigen

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 11.04.2023 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Gebühren für DLRG-Schwimmkurse in Aurich werden wohl steigen. Foto: Heino Hermanns
Die Gebühren für DLRG-Schwimmkurse in Aurich werden wohl steigen. Foto: Heino Hermanns
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Die Stadt Aurich will von Vereinen mehr Geld für die Nutzung des Hallenbads verlangen. Das hat Folgen für alle, die schwimmen lernen wollen.

Aurich - Wer schwimmen lernen will, muss dafür demnächst in Aurich tiefer in die Tasche greifen. Denn die Stadt Aurich will die Preise für das Vereinsschwimmen im Hallenbad „De Baalje“ kräftig anheben. MTV Aurich, die Behinderten- und Rehabilitationssportgemeinschaft Aurich oder die DLRG müssen dann mehr Geld an die Stadtkasse überweisen, wenn sie in „De Baalje“ Kurse abhalten wollen. Pro Stunde soll eine Bahn im Sportbecken statt 9,50 Euro dann 15 Euro kosten. Für das Aktivbecken sollen künftig 56 Euro pro Stunde statt wie bisher 38 Euro berechnet werden.

DLRG-Sprecher Michael Rieken kündigt auf ON-Anfrage bereits steigende Preise an. „Wir werden das umlegen müssen auf die Kursgebühren.“ Denn einen solchen Anstieg könne der Verein nicht alleine tragen. „Wir machen mit unserem Angebot keinen Gewinn, sondern arbeiten kostendeckend.“ Der größte Teil des DLRG-Kursangebotes sei der Schwimmunterricht, so Rieken. Die Preise für Seepferdchen, Bronze-, Silber- und Goldkurse könne der Vorstand der DLRG eigenständig festlegen. Erste Gespräche dazu hätten am Dienstag schon stattgefunden.

Die Ausbildung der Rettungsschwimmer wird von der DLRG selbst finanziert. Foto: Heino Hermanns
Die Ausbildung der Rettungsschwimmer wird von der DLRG selbst finanziert. Foto: Heino Hermanns

Anders sieht es bei den Kursen für angehende Schwimmlehrer und Rettungsschwimmer sowie das DLRG-Mitgliederschwimmen aus. Diese werden über den Mitgliedsbeitrag finanziert. „Und das kann nur die Jahreshauptversammlung beschließen.“ Diese habe allerdings gerade erst stattgefunden. Man müsse daher in einem Jahr schauen, ob die DLRG Aurich zu stark ins Minus gerutscht ist – und dann unter Umständen gegensteuern.

DLRG hat so viele Mitglieder wie nie zuvor

Die höheren Gebühren seien aber nicht das größte Problem. „Es hängt alles an den Ausbildern“, so Michael Rieken. Denn momentan gebe es bei Schwimmkursen eine Wartezeit von zwei Jahren. Das sei ein größeres Problem als die höheren Gebühren. „Wir sind im Vergleich mit anderen Anbietern immer noch günstig, da wir keinen Gewinn erwirtschaften müssen.“ Gut sei es auf jeden Fall, dass die Temperaturen im Hallenbad wieder auf das alte Niveau angehoben worden seien. Das sei sehr viel angenehmer für die Kinder. „Wir müssen sie nun nicht mehr alle 15 Minuten unter die warme Dusche stellen.“

Während der Freibadsaison bleibt das Hallenbad Vereinen und Schulen vorbehalten. Foto: Heino Hermanns
Während der Freibadsaison bleibt das Hallenbad Vereinen und Schulen vorbehalten. Foto: Heino Hermanns

Die DLRG Aurich gehört zu den größten Vereinen in der Stadt. Nach der Corona-Pandemie seien 100 Neumitglieder gekommen und geblieben, sagt Michael Rieken. Mit insgesamt 600 Mitgliedern seien es so viele wie noch nie zuvor. Neben der Schwimmausbildung stellt die DLRG Aurich vor allem am Badesee Tannenhausen auch die Rettungsschwimmer.

Bad wird teilweise für Öffentlichkeit gesperrt

Mitglieder des MTV Aurich müssen eine Zusatzgebühr zum Vereinsbeitrag zahlen, wenn sie das Schwimmangebot wahrnehmen wollen. Derzeit sind das laut Homepage fünf Euro im Monat. Anja Decker, Geschäftsführerin des MTV, kann noch nicht sagen, ob es bei diesem Preis bleiben wird. „Da muss der Vorstand noch drüber beraten“, sagt sie auf ON-Anfrage. Mit Erschrecken habe sie am Dienstag von den Plänen gelesen, denn die Anhebung sei schon sehr hoch. Immerhin sei die Schwimmabteilung eine der größten des MTV Aurich.

Wie eine Rückkehr zu den Zeiten des alten Auricher Hallenbades mutet der Beschlussvorschlag der Auricher Stadtverwaltung in Teilen an. Denn das „Familien- und Wohlfühlbad De Baalje“, so die selbst gegebene Bezeichnung, soll nach den jüngsten Vorschlägen der Verwaltung der Öffentlichkeit zu bestimmten Zeiten nicht mehr zur Verfügung stehen. Schon im alten Bad gab es Tageszeiten, zu denen kein öffentlicher Betrieb stattfand. Das Bad war schlicht zu klein, um Schul- und Vereinssport gleichzeitig mit einem öffentlichen Badebetrieb durchführen zu können.

FDP will Temperatur im Außenbecken nicht absenken

Jetzt soll durch die Einschränkung der Öffnungszeiten Geld gespart werden. Montags, so will es die Verwaltung, soll das Bad ausschließlich Schulen und Vereinen zur Verfügung stehen. Ein Vorhaben, das die FDP-Fraktion im Stadtrat nicht mittragen will. Die Liberalen haben einen umfangreichen Änderungsantrag zu der Beschlussvorlage vorgelegt. Damit wollen sie erreichen, dass trotz aller Sparbemühungen das „De Baalje“ für Besucher dennoch attraktiv bleibt.

Die Außenbecken sollen nicht mehr so lange geöffnet bleiben. Foto: Romuald Banik
Die Außenbecken sollen nicht mehr so lange geöffnet bleiben. Foto: Romuald Banik

Daher soll das Bad nach dem Willen der FDP nicht montags ausschließlich Vereinen und Schulen, die eigenes Aufsichtspersonal haben, vorbehalten sein. Stattdessen soll montags und mittwochs die Öffentlichkeit in der Zeit von 9 bis 14 Uhr ausgeschlossen werden. Die Verwaltung möchte dies nur am Dienstag so handhaben und von Mittwoch bis Sonntag einen normalen Badbetrieb gewährleisten.

Vorschlag: Pächter für Gastronomie suchen

Verzichtet werden sollte laut FDP auf ein Absenken der Wassertemperatur im Außenbecken. Auch sollte das Hallenbad in der Zeit des Freibades nicht geschlossen werden. Stattdessen möchten die Liberalen, dass in diesem Jahr die Nutzerzahlen von Hallenbad und Freibad getrennt erfasst werde, um die tatsächlichen Besucherströme zu erfassen. Sollte sich dafür in der Politik keine Mehrheit finden, solle wenigstens bei schlechtem Wetter vom Außen- auf den Innenbetrieb umgestellt werden.

Die Gastronomie im „De Baalje“ wird derzeit von der Stadt selbst betrieben. Das soll sich nach dem Willen der FDP ändern. Die Verwaltung möge prüfen, ob man den Betrieb nicht verpachten könne. Der Gedanke ist nicht neu: Schon bei der Eröffnung des Bades vor zehn Jahren sollte die Gastronomie verpachtet werden. Es gab bereits einen Vertrag mit Marema. Dieser wurde seinerzeit aber von Marema noch kurz vor der Eröffnung von „De Baalje“ gekündigt. Es ist fraglich, ob in Zeiten des Personalmangels ein anderer Pächter gefunden werden kann.

Schließlich greift die FDP in ihrem Antrag die Selbstbedienungskassen in Supermärkten auf. Die Verwaltung solle das neue Kassensystem für das Schwimmbad so gestalten, dass es über einen Kassenautomat funktioniert. Dann müsse nicht permanent Personal anwesend sein.

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