Hamburg  Kann eine Wärmepumpe in einem alten Haus überhaupt funktionieren?

Eva Dorothée Schmid
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Von Eva Dorothée Schmid
| 06.04.2023 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dieses ältere Klinker-Einfamilienhaus wird mit einer Wärmepumpe beheizt. Foto: Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.
Dieses ältere Klinker-Einfamilienhaus wird mit einer Wärmepumpe beheizt. Foto: Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.
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Alte Häuser sind oft schlecht gedämmt und haben keine Fußbodenheizung: Da ist die Wärmepumpe keine Heizungsalternative, denken viele. Aber stimmt das überhaupt? Marek Miara, Energie-Experte vom Fraunhofer Institut, hat genau das untersucht – seine Antworten sind überraschend.

Viele denken, dass eine Wärmepumpe nur bis zu einer Vorlauftemperatur von 55 Grad Celsius effizient funktioniert und das für Bestandsimmobilien oft nicht ausreiche. Doch diese Annahme ist falsch. Marek Miara ist Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut in Freiburg. Seit 20 Jahren forscht er zur Effizienz von Wärmepumpen.

Er hat in seinen Studien verschiedene Immobilien mit Wärmepumpen ausgestattet, darunter viele völlig ungedämmte Häuser, die zum Teil über 100 Jahre alt sind. Sein Ergebnis: Die Wärmepumpe war in allen Fällen in der Lage, das Gebäude zu heizen, sogar mit einer vernünftigen Effizienz:

Diverse Feldtests des Fraunhofer-Institutes ergaben, dass moderne Geräte selbst in Häusern, die in einem sehr schlechten energetischen Zustand sind, immer noch mit einer Effizienz von 3 laufen können. Das bedeutet: Für jede eingesetzte Kilowattstunde elektrischer Energie werden drei Kilowattstunden Wärme abgegeben.

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Miara erklärt in einem Interview mit dem „Spiegel“, dass moderne Wärmepumpen inzwischen auch Vorlauftemperaturen von 70 oder sogar 75 Grad Celsius schaffen. Dies gelte vor allem für Modelle, die mit Propan als Kältemittel laufen.

Außerdem könne man alte Heizkörper durch sogenannte Niedertemperaturheizkörper ersetzen. Diese geben die gleiche Wärme ab, brauchen aber nicht so hohe Vorlauftemperaturen.

Zudem sei es in Deutschland nicht oft lange am Stück wirklich kalt. In vielen alten Häusern sei die Heizlast überdimensioniert.

Wenn die Heizlast eines Hauses unter 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter liege, dann könne man eine Wärmepumpe ohne Probleme einsetzen. In Studien des Fraunhofer-Instituts hat die Wärmepumpe selbst in einem alten Haus mit einem Bedarf von 212 Kilowattstunden funktioniert. Allerdings sei das im Dauerbetrieb dann nicht mehr sonderlich effizient, so Miara. „Da ist dämmen und sanieren sehr sinnvoll.“

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Zudem könne man im Winter bei kalten Temperaturen die Vorlauftemperatur seiner alten Heizung mal eine Weile auf 55 Grad herunterregeln und schauen, ob das Haus dennoch warm genug werde. Sei dies der Fall, könne man ohne Bedenken auf eine Wärmepumpe umstellen, so der Wissenschaftler.

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Marek Miara sagt im „Focus“ auch, dass eine Sanierung nicht zwingend erforderlich sei, um eine Wärmepumpe zu installieren. Allerdings könne eine Sanierung die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe verbessern. Durch eine bessere Wärmedämmung und den Einsatz von Niedertemperaturheizsystemen wie Fußbodenheizungen oder speziellen Heizkörpern könne die benötigte Heizkreistemperatur reduziert werden. Das führe zu einer höheren Effizienz der Wärmepumpe – und damit natürlich zu einem sparsameren Betrieb.

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