Osnabrück Streitfall E-Scooter: Werft sie nicht in den Fluss, werft sie aus den Städten!
Beitrag zur Verkehrswende oder Spielzeug für Hipster? E-Scooter waren Hoffnungsträger. Jetzt erweist sich ihr Konzept als Farce. Deshalb: Werft E-Scooter nicht in den Fluss, sondern raus aus den Städten!
Nein, zur Zielgruppe der E-Scooter gehöre ich nicht. Geschenkt. Auch wenn E-Scooter für mich nie den Kultstatus einer Vespa erreichen konnten – Hingucker waren sie schon. Am Anfang. Mir waren die jungen Leute sympathisch, die auf ihren E-Scootern in aufrechter Haltung an den SUV´s im Stau leise sirrend vorbeiflitzten, als wollten sie einem zeigen: Schön ist das Leben, oder? Jetzt finde ich diese Gefährte nur noch nervig. Ihre Benutzer bisweilen auch.
Dabei traute ich dem E-Scooter zu, mehr als ein bloßes Vehikel zu sein. Das flotte Gefährt hatte das Charisma eines alternativen Statussymbols. Und es machte Hoffnung als Medium einer zeitgemäßen Verhaltenskultur. Das Verhalten haben diese Roller tatsächlich verändert – aber zum Schlechten. Mich nerven die achtlos irgendwohin gestellten oder geworfenen Scooter, Stück für Stück ein Mahnmal der Gedankenlosigkeit.
In Paris werden die Dinger aus der Seine gefischt, in Köln aus dem Rhein. Ich sage: Werft die E-Scooter nicht in den Fluss, werft sie aus den Städten!
Dabei geht es mir nicht nur darum, dass sich der E-Scooter als ökologischer Bluff herausgestellt hat. Schon seine Produktion treibt die Umweltbilanz dieses Gefährts ins Negative. Eine echte Verkehrsalternative ist es auch nicht. Der E-Scooter hilft keinem Pendler weiter. In ländlichen Räumen, wo Verkehrspolitik Tag für Tag ihre echte Nagelprobe erlebt, ist er nutzlos.
Das hippe Gefährt wirkt eher wie das Spielzeug für eine urbane Verwöhnkundschaft, die ohnehin schon alles hat. Wer auf dem Scooter dahinsaust, verhält sich oft so, als gehöre er gar nicht zum Verkehrsgeschehen. Rote Ampeln? Ein hübscher Farbakzent. Mehr nicht. Zebrastreifen? Wohl nur ein Deko-Element auf dem Asphalt. Viele Scooteristen geben Gas, als ginge sie die Sicherheit anderer Menschen schlicht nichts an.
Eigentlich ist es eine gute Idee, mit einem geliehenen Gefährt unterwegs zu sein. E-Scooter statt Autoflotte: Der smarte Roller wirkte zunächst wie die Deeskalation eines oft stressigen Verkehrsgeschehens. Freie Fahrt für eine entspannte Alltagskultur? Denkste. Die achtlos abgelegten Roller sind der neue Metropolenmüll.
Paris wirft die nervigen Roller jetzt raus. Eine richtige Entscheidung, finde ich. Das Gefährt ist in seiner kurzen Geschichte zur Belastung geworden. Deshalb: Strich drunter. Ciao-E-Scooter!