Protest der Krabbenfischer Brüsseler Signale erreichen Fischer in Dornumersiel noch nicht
Die EU-Kommission lenkt beim geplanten Verbot von Grundschleppnetzen ein. Politiker sehen darin ein positives Signal. Doch einen Dornumersieler Krabbenfischer beruhigt das nicht.
Dornumersiel/Varel - Proteste der hiesigen Krabbenfischer scheinen Wirkung zu zeigen: Mittlerweile spricht die EU-Kommission nicht mehr von einem Gesetzentwurf, der das Nutzen von Grundschleppnetzen ab 2024 verbieten sollte. Es solle sich laut Informationen aus Brüssel bei dem Aktionsplan lediglich um eine Diskussionsgrundlage handeln. Doch den Dornumersieler Krabbenfischer René Gregor Janßen beruhigt das wenig: „Ich bin weiter in großer Sorge. Noch habe ich nichts Offizielles. Die Sache muss komplett vom Tisch.“ Wöchentlich bekämen er und seine Kollegen eine Mail von der EU, in denen Themen der Fischerei aufgegriffen wurden. „Da war von einem Zurückrudern nichts zu lesen“, sagt Janßen auf Nachfrage der ON.
Solange er nichts Offizielles habe, würde Janßen weiter von einem möglichen Ende der Krabbenfischerei ausgehen. Deshalb gingen die Proteste weiter. Die schwarzen Holzkreuze in den Häfen und auf Fahrzeugen würden für viel Aufmerksamkeit sorgen. „Wir werden von vielen Leuten angesprochen“, so der Krabbenfischer.
Siemtje Möller wertet EU-Reaktion als ersten Erfolg
Als positive Nachricht werten hingegen Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller (SPD, für Friesland und Wittmund) und der hiesige SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken die Reaktion der EU-Kommission. „Ich bin froh, dass es von der EU-Kommission nun ein klares politisches Signal gibt: Ein Verbot der Krabbenfischerei ist nicht Ziel und Zweck des EU-Aktionsplan. Der gemeinsame Protest hat also Wirkung gezeigt“, informierte Siemtje Möller per Mitteilung nach einem Gespräch mit Fischern in Varel. Es sei ein erster kleiner Erfolg.
Begleitet wurde Möller beim Besuch der Familie Schröder vom SPD-Europaabgeordneten Tiemo Wölken. Dieser unterstrich, dass man öfter miteinander statt übereinander sprechen müsse, gerade wenn so viele politische Ebenen beteiligt seien. „Gemeinsam können wir den Gestaltungsspielraum nutzen, um für unsere Region eine gute Regelung zu finden, die unsere Kulturlandschaft und die Krabbenfischerei ebenso schützt wie das Ökosystem Nordseeküste“, heißt es in der Mitteilung. Der Europageordnete habe nach der Veröffentlichung des EU-Aktionsplans die mangelhafte Informationspolitik der Kommission kritisiert: „Die fehlende Kommunikation hat für viele unnötige Befürchtungen gesorgt, das darf so nicht passieren – sonst entsteht der Eindruck, dass die EU ohne Rücksicht auf regionale Kontexte Dinge durchsetzen möchte.“
Videos vom Krabbenfischen sollen Aufschluss über Arbeitsweise geben
Kollegen von Fischer Janßen haben den Politikern Videos zur Verfügung gestellt. Diese würden zeigen, dass die Rollenketten der Netze lediglich flach über den Boden laufen. „Sie sollen sich selbst ein Bild machen“, sagt Janßen. Und Möller betont: „Bei den weiteren Beratungen des EU-Aktionsplans sollten die Besonderheiten der Krabbenfischerei mitberücksichtigt werden. Wir wissen heute, dass sie im Vergleich zu anderen Grundschleppnetz-Fangmethoden schonender für den Meeresboden ist.“
Janßen lässt sich von den Gesprächen mit Politikern nicht von seiner eigentlichen Leidenschaft abbringen. Er ist nach langer Winterpause seit zwei Wochen wieder mit seiner „Irmgard Marie“ auf der Nordsee unterwegs. Doch derzeit sei der Fang nicht so berauschend. „Durch den Ostwind lassen sich die Tierchen nicht fangen“, erklärt der 33-Jährige.