Helsinki  Sanna Marin: Gewonnen als Frau, verloren als Frau?

Burkhard Ewert
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Von Burkhard Ewert
| 03.04.2023 17:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Sanna Marin Foto: Heikki Saukkomaa/Lehtikuva/dpa
Sanna Marin Foto: Heikki Saukkomaa/Lehtikuva/dpa
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Mit Sanna Marin weicht in Finnland eine Regierungschefin, die als Covergirl für Feminismus und das Frausein in der Politik herhalten musste. Wollte sie das überhaupt?

Landläufig herrscht die Meinung vor, dass man Menschen nicht auf ihr Geschlecht oder ihr Aussehen reduzieren sollte. Es zählen die inneren Werte, heißt es schließlich, wahlweise dass es auf die Leistung ankommt. Der Rest sei unerheblich oder sollte es zumindest sein.

Wird aber eine junge Frau irgendwo Regierungschefin, vergessen auch jene diesen Grundsatz, die ihn sonst gerne einfordern. Sie benutzen die Wahlsiegerin als Galionsfigur für ihre Sache, als Botschafterin der Zukunft und Rollenmodell für andere Länder.

So geschah es Sanna Marin, als sie mit 34 Jahren Ministerpräsidentin von Finnland wurde. Die halbe Welt feierte sie als unkonventionell, feminin und nicht übermäßig auf die Arbeit fixiert, die dem Rest der Welt zeigte, wie Politik heute funktionieren kann.

Das Problem: Wer ihrer Wahl einer Bedeutung beimaß, die größer war als die Frau selbst – wie deutet er dann ihren jetzigen Machtverlust? Heißt es, dass ihre Art mit einmal kein Erfolgsrezept mehr ist? Soll es bedeuten, dass die Finnen finden, Männer seien wohl doch die besseren Regenten?

Natürlich nicht. Das eine ist ebenso Unsinn wie das andere. Man weiß das eigentlich. Fragt sich aber, warum solche Stereotype trotzdem immer wieder in die Deutungsmuster einfließen. Vielleicht wurde Marin ja nicht Regierungschefin, weil sie eine Frau ist, sondern obwohl? Oder es war ganz egal? Von außen betrachtet ist alles möglich. Man muss genau hinsehen.

Die Finnen haben es getan. Ihre Partei landete nur auf Platz drei. Wenn es auch knapp war: Die Finnen wollten ihre Politik nicht mehr. An Marins Geschlecht wird es nicht gelegen haben. Das wird keiner ernsthaft behaupten. Ebenso wenig hatte sie dann aber zuvor deshalb gewonnen. Sie war in diese Rolle gedrängt worden, auch von ihren Anhängern in aller Welt, ob sie es wollte oder nicht.

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