Krankschreibung am Telefon  Auricher Ärztekammer plädiert für Erweiterung statt Abschaffung

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 03.04.2023 16:17 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ab sofort gibt es keine Krankschreibung per Telefonanruf mehr. Patienten müssen wieder persönlich in der Praxis vorstellig werden. Foto: DPA
Ab sofort gibt es keine Krankschreibung per Telefonanruf mehr. Patienten müssen wieder persönlich in der Praxis vorstellig werden. Foto: DPA
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Seit April können sich Patienten nicht mehr telefonisch krankschreiben lassen. Das stellt die Ärzte vor eine Herausforderung. Verantwortliche aus dem Kreis Aurich wünschen sich daher eine Neuauflage.

Aurich - Eine Krankschreibung per Telefon ist ab sofort nicht mehr möglich. Die Sonderregelung für Atemwegserkrankungen aus Pandemie-Zeiten ist ausgelaufen. Dies bedauern einige Verantwortliche aus der Ärzteschaft im Bereich Aurich sehr. „Ich wäre dafür, die Möglichkeit zu erweitern, statt sie abzuschaffen“, sagt Dr. Jörg Weißmann. Der Allgemeinmediziner und Vorsitzende der Bezirksstelle Aurich der Ärztekammer Niedersachsen hat hierfür konkrete Vorschläge. Beispielsweise Patienten mit Magen-Darm-Infektionen oder chronischen Problemen wie Migräneanfällen könnten so die Wege in die Praxis erspart werden. „Sie brauchen vor allem Ruhe“, sagt Weißmann. Ein Besuch in einer vollen Arztpraxis sei da oft nicht hilfreich.

Deshalb fände es Weißmann gut, ihnen weiterhin eine Krankschreibung per Telefonat ausstellen zu können. Sollte sich die Symptomatik ändern, kämen diese Patienten von selbst auf ihren Hausarzt zu. „Wer chronische Probleme hat, hat sogar eine geringere Neigung, sich deshalb krankzumelden“, gibt der Mediziner seine Erfahrungen wieder. Daher könne er die Misstrauenskultur, die zu einer Abschaffung der Regelung geführt habe, nicht verstehen. „Wer mogeln will, setzt sich auch in ein volles Wartezimmer“, so Weißmann.

KVN in Aurich sind keine Missbrauchsfälle bekannt

Dem Vorsitzenden der Ärztekammer in Aurich habe niemand berichtet, dass die Krankschreibungszahlen durch die telefonische Möglichkeit in die Höhe geschossen sind. Im Gegenteil: Wer einen Arzt benötigt hätte, habe schneller einen Termin bekommen. Die Wartezimmer waren nicht mit Menschen mit Infektionen überfüllt. „Mir sind nur positive Auswirkungen der Regelung bekannt“, so Weißmann. Seines Wissens nach habe der deutsche Hausärzteverband vor, sich an die Politik zu wenden. Doch über eine Neuauflage der telefonischen Krankschreibung müsse der Bundesausschuss befinden. „Ich fürchte, das wird ein längerer Entscheidungsprozess“, sagt Weißmann.

Für diese Initiative kann sich auch Dieter Krott als Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) in Aurich erwärmen: „Die Krankschreibung per Telefon war optimal. Ich würde die erneute Möglichkeit hierzu sehr begrüßen.“ Durch die kurzen Wege seien Kontakte vermieden worden. „Es ist schade, dass die Maßnahme ausgelaufen ist“, so Krott. Ihm sei in keiner Weise bekannt, dass die Regelung ausgenutzt worden sei. Stattdessen seien Krankschreibungen durch die Möglichkeit des Homeoffice sogar zurückgegangen. Im Sinne der Mitglieder könne er sich gut vorstellen, eine solche Regelung wieder einzuführen. „Die Kosten, die die Krankenkassen anführen, können kein Argument sein. Die Statistiken müssten ihre Befürchtungen widerlegen“, so Krott.

Dr. Heiko Hinrichs hat weiterhin eine volle Praxis in Großefehn. Dennoch verzichte der Allgemeinmediziner schon seit Wochen weitgehend auf die Krankschreibung am Telefon. „Sie ist keine schlechte Idee und sicherlich ein sinnvolles Mittel, um Patientenströme zu leiten“, sagt Hinrichs. Doch er halte es auch für sinnvoll, die Leute zuerst anzugucken und dann zu urteilen, ob sie eine Krankschreibung erhalten. „Ich wünschte, man würde uns die Beurteilung selber zutrauen“, plädiert er dennoch für die Möglichkeit. Allerdings müsste dann auch die Bezahlung der Dienstleistung geklärt werden.

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