Osnabrück  Causa Bode: Diese Bischöfe sind ebenfalls zurückgetreten – oder hatten es vor

Arlena Schuenemann
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Von Arlena Schuenemann
| 01.04.2023 16:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bereits zwei Jahre vor dem Rücktritt des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode (links) hat Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, seinen Amtsverzicht angeboten. Hier sind beide bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im September 2021 zu sehen. Foto: imago images/Future Image
Bereits zwei Jahre vor dem Rücktritt des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode (links) hat Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, seinen Amtsverzicht angeboten. Hier sind beide bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im September 2021 zu sehen. Foto: imago images/Future Image
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Im Februar 2013 ging die Meldung über den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. wie ein Erdbeben durch die katholische Kirche. Heute, zehn Jahre später, schlägt der Rücktritt von Bischof Franz-Josef Bode Wellen weit über die Grenzen des Bistums Osnabrück hinaus. Der Fall gilt als Novum – dabei sind Rücktritte von Bischöfen keine Seltenheit.

Das Bischofsamt ist, ähnlich wie das des Papstes, ein Amt auf Lebenszeit. Allerdings sieht das katholische Kirchenrecht vor, dass Bischöfe dem Papst anbieten, auf ihr Amt zu verzichten, sobald sie 75 Jahre alt werden. Darüber hinaus dürfen und sollen Bischöfe laut Kirchenrecht auch dann ihren Rücktritt vorschlagen, wenn sie ihr Amt aus einem gesundheitlichen oder „einem anderen schwerwiegenden Grund“ nicht mehr ausführen können. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat es einige Rücktrittsgesuche abseits von altersbedingten und gesundheitlichen Gründen gegeben.

Weiterlesen: Warum hat der Papst den Rücktritt des Osnabrücker Bischofs Bode akzeptiert?

Gegen den Mainzer Weihbischof Franziskus Eisenbach wurde strafrechtlich ermittelt, nachdem eine Professorin ihn im Jahr 2000 wegen Körperverletzung und sexuellen Missbrauchs bei der Mainzer Staatsanwaltschaft angezeigt hatte. Auch beim Vatikan hatte sie Anzeige gegen den Geistlichen erstattet und ihm vorgeworfen, das Zölibat gebrochen, das Beichtgeheimnis verletzt und eine Teufelsaustreibung ausgeübt zu haben. Zwar wurden die strafrechtlichen und kirchlichen Ermittlungen nach einigen Monaten eingestellt. Dennoch verzichtete Eisenbach im Jahr 2002 – auf Bitten der Kirche – auf sein Bischofsamt.

Im Mai 2010 nahm Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs Walter Mixa an. Dieser hatte, wie er später zugab, als Pfarrer im bayrischen Schrobenhausen zwischen 1975 und 1996 Kinder in einem Waisenhaus geschlagen. Auch soll er Gelder der dortigen Waisenhausstiftung veruntreut haben. Der Verdacht, Mixa habe während seiner Zeit als Bischof von Eichstätt einen minderjährigen Jungen sexuell missbraucht, konnte unterdessen nicht bestätigt werden.

Vier Jahre später schied der Limburger Erzbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst aus seinem Amt. Er war als „Protzbischof“ in Verruf geraten, als die Kosten für den Umbau seiner Bischofsresidenz aus dem Ruder gelaufen waren. 31 Millionen Euro standen letztlich auf der Bistumsrechnung. Insbesondere die luxuriöse Ausstattung des bischöflichen Dienst- und Wohnsitzes wurde heftig kritisiert.

Im November vergangenen Jahres trat der Aachener Weihbischof Johannes Bündgens zurück. Der Geistliche hatte insgesamt 128.000 Euro von einer an Demenz erkrankten Bekannten auf sein privates Konto überwiesen. Wegen Veruntreuung wurde er zu einer Geld- und Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Warum aber sorgt nun die Causa Bode bundesweit für Furore? Das ehemalige Oberhaupt des Bistums Osnabrück ist der erste deutsche Bischof, der im Zusammenhang mit dem Umgang von Missbrauchsfällen auf sein Amt verzichtet hat – und dafür die Zustimmung des Papstes erhielt. Vor Bode haben jedoch schon andere Bischöfe im Kontext von Missbrauchsskandalen ihren Rücktritt angeboten.

Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, bot 2021 an, sein Amt niederzulegen. Er wolle Mitverantwortung für das Versagen der katholischen Kirche übernehmen, wie er damals erklärte. Sein Rücktritt solle ein Zeichen für den Neuanfang sein. Papst Franziskus nahm das Gesuch jedoch nicht an.

Nachdem im März 2021 ein Gutachten zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln veröffentlicht wurde, boten gleich drei Bischöfe an, ihr Amt niederzulegen. Dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße – zuvor in leitenden Positionen im Erzbistum Köln tätig gewesen – wird im Gutachten Fehlverhalten in elf Fällen zur Last gelegt. Der Papst lehnte seinen Amtsverzicht jedoch ab. Auch den Kölner Weihbischöfen Domenikus Schwaderlapp und Ansgar Puff werden im Missbrauchsgutachten Pflichtverletzungen vorgeworfen. Sie beließ Papst Franziskus ebenfalls im Amt, nachdem sie ihren Rücktritt angeboten hatten.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat seine Pflichten zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen laut Gutachten zwar nicht verletzt, dennoch stand er – und steht nach wie vor – unter enormem Druck. Sein Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Geistliche hatte in Köln zu einer massiven Vertrauenskrise geführt. Papst Franziskus räumte ein, dass Woelki insbesondere bei der Kommunikation große Fehler gemacht habe, und ordnete eine geistliche Auszeit an. Bei seiner Rückkehr im vergangenen Jahr teilte Woelki mit, dass er dem Papst seinen Rücktritt angeboten habe. Franziskus hat jedoch bis heute noch nicht über das Gesuch entschieden.

Die Causa Bode bleibt in Deutschland also vorerst ein Einzelfall. International ist der Osnabrücker Bischof aber keinesfalls der erste, der im Zusammenhang mit Missbrauchsskandalen auf sein Amt verzichtet. Bernard Francis Kardinal Law, Erzbischof von Boston, trat im Dezember 2002 zurück, nachdem ihm vorgeworfen worden war, sexuellen Missbrauch in seinem Bistum vertuscht zu haben. Auch in Irland, Australien, Chile und Frankreich haben Bischöfe ihr Amt mit Zustimmung des Papstes niedergelegt.

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