Nach Feuern im Warfenweg  Drei Brandopfer wohnen noch immer im Hotel

| | 30.03.2023 12:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nach dem Brand im Keller eines Wohnhauses im Warfenweg sind einige Wohnungen zurzeit nicht bewohnbar. Foto: Rebecca Kresse
Nach dem Brand im Keller eines Wohnhauses im Warfenweg sind einige Wohnungen zurzeit nicht bewohnbar. Foto: Rebecca Kresse
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Die Stadt Norden tut sich schwer damit, Übergangswohnungen für die Brandopfer vom Warfenweg zu finden. Ein Zeichen für die prekäre Lage auf dem Norder Wohnungsmarkt.

Norden - Noch immer müssen drei Personen, die durch ein Feuer im Warfenweg am 4. März ihre Wohnung vorübergehend verloren haben, im Hotel wohnen. Alle Versuche der Stadt, die Brandopfer vorübergehend in Wohnungen unterzubringen, sind bisher gescheitert. Die Situation zeigt auch, wie prekär die Lage auf dem Norder Wohnungsmarkt ist. Positive Nachrichten gibt es aber auch: Die Familien, die ebenfalls von dem Feuer betroffen waren, haben mit Hilfe der Stadt eine Bleibe finden können, bis sie ihre Wohnung in voraussichtlich einem halben Jahr wieder beziehen können.

Die Flammen schlugen den Feuerwehrleuten aus dem Kellerfenster entgegen. Foto: Feuerwehr
Die Flammen schlugen den Feuerwehrleuten aus dem Kellerfenster entgegen. Foto: Feuerwehr

Das Problem laut Stadt: Es gibt relativ wenige verfügbare Angebote für kleine und günstige Wohnungen. Die Stadt sucht für den Übergangszeitraum von circa einem halben Jahr Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen. Dafür gab es aber laut Sarah Dietrich vom Fachdienst Bürgerdienste und Sicherheit nur wenig Rückmeldungen. Zwar hätten einige Ferienwohnungsbesitzer ihre Ferienwohnungen angeboten. Das aber nur für drei Wochen und für einen Preis von rund 2000 Euro. Auf solche Angebote kann die Stadt nicht eingehen, denn erstens sollen die Bewohner nicht alle paar Wochen umziehen müssen und zweitens sind die Bewohner auf staatliche Unterstützung angewiesen. Eine Wohnung darf also einen bestimmten Kostenrahmen nicht überschreiten. In Norden steht quasi kein Wohnraum zur Verfügung, der diesen Vorgaben entspricht, so Dietrich.

Häuser stehen in Norden nicht zur Verfügung

Ein Angebot hat es von einem potenziellen Vermieter aus Nesse gegeben, einem Ortsteil in Dornum. Doch auch hier kam es nicht zu einer Vermietung. Denn die meisten Bewohner sind nicht mobil und kommen nicht nach Dornum. Ein Bewohner, der dies geschafft hätte und die Wohnung auch genommen hätte, hat aber zwei Hunde. Das wollte der Vermieter wiederum nicht.

„Hunde und Kinder sind in Norden und Umgebung ein weiteres Vermittlungshindernis“, heißt es von der Stadtverwaltung. Wer beides hat, sei zurzeit quasi nicht vermittelbar. Schon für Menschen mit einem Job und einfachen Lebensumständen ist es zurzeit in Norden fast unmöglich, günstigen Wohnraum zu finden. Kaltmieten zwischen 600 und 900 Euro für Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen sind keine Seltenheit. Wer ein Haus oder eine Doppelhaushälfte sucht, geht in Norden zurzeit komplett leer aus. Es gibt keine freien Angebote in der Stadt.

In Norden wurden zu wenige Wohnungen gebaut

Kein Wunder, wenn man sich die Zahlen des Statistischen Landesamtes zum Wohnungsbau in Norden ansieht. Die zeigen, wie wenige Wohnungen in den vergangenen Jahren gebaut wurden. Im Jahr 2021 wurden 34 Wohngebäude errichtet, davon 29 mit einer oder zwei Wohneinheiten und fünf mit drei oder mehr Wohnungen. Weniger Wohnungen wurden in den letzten zwanzig Jahren nur noch im Jahr 2018 gebaut. Da waren es 29 neue Wohngebäude, davon 16 mit einer oder zwei Wohnungen und 13 mit drei oder mehr Wohnungen. Das Problem: Die Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen waren meist gewerblicher Art, also Ferienwohnungen. Das hatte Bürgermeister Florian Eiben vor Kurzem mit Blick auf die Zahlen gesagt. Wie berichtet, hat Florian Eiben das Thema Wohnungsbau in Norden in diesem Jahr zu einem seiner Schwerpunktthemen erklärt. Eiben setzt dabei auf das, was laut seinen Worten in Norden „bisher eher ortsfremd“ war, nämlich Doppelhäuser und Mehrfamilienhäuser. „Wir müssen größtenteils in den Mietwohnungsbau reingehen, nicht ins Eigentum“, so Eiben. Das funktioniere nur mit Partnern an der Seite, die daran ein Interesse haben. „Wir werden Reihenhäuser bauen müssen und wir werden größere Baugebiete planen müssen“, sagte Eiben.

Wer den Brandopfern helfen möchte und eine kleine Wohnung anbieten kann, kann mit der Stadt Norden Kontakt aufnehmen unter der Telefonnummer (04931) 92 34 19 oder per E-Mail an r.peters@norden.de mit Angaben zur Größe und Dauer der möglichen Unterbringung sowie den Miet- und Nebenkosten.

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