Elektromobilität  Mit dem Dienstmobil auf Aurichs Straßen

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 29.03.2023 11:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ingrid Friedrichs, damals Mitarbeiterin beim Betriebshof der Stadt, nahm in den 1990er-Jahren für den Fotografen Platz im neuen Auricher Dienstmobil. Foto: ON-Archiv
Ingrid Friedrichs, damals Mitarbeiterin beim Betriebshof der Stadt, nahm in den 1990er-Jahren für den Fotografen Platz im neuen Auricher Dienstmobil. Foto: ON-Archiv
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Vor über 30 Jahren erwarb die Stadt Aurich ihr erstes Elektromobil. Damit übernahm die Stadt schon früh eine Vorreiterrolle.

Aurich - Es ist beschlossene Sache: Ab dem Jahr 2035 dürfen Autos, die Benzin oder Diesel verbrennen, nicht mehr neu zugelassen werden. Auf Betreiben von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) gibt es eine Ausnahme für sogenannte E-Fuels, die mit Strom aus erneuerbaren Energien aus Wasser und Kohlendioxid hergestellt werden.

Durchsetzen werden sich aber, da sind sich die meisten Experten einig, Elektroautos. Die Reichweiten werden immer größer und gleichen sich zumindest bei Autos denen von herkömmlich betriebenen Fahrzeugen immer mehr an. Auch die Ladezeiten werden durch Schnellladesäulen immer mehr verkürzt, so dass auch bei längeren Reisen der Komfort nicht auf der Strecke bleibt.

Reichweite von 35 Kilometern

Die Stadt Aurich übernahm bereits vor über 30 Jahren eine Vorreiterrolle beim Thema Elektromobilität. Am 17. September 1991 fasste der Verwaltungsausschuss der Stadt den Beschluss, ein „CityEL“ zu erwerben. Laut Stadtsprecher Johann Stromann wurde der Beschluss, dafür 15.000 D-Mark plus 14 Prozent Mehrwertsteuer auszugeben, mit neun Ja- und zwei Nein-Stimmen gefasst. Die Mehrheit im Rat hatte damals eine Koalition von CDU, Grünen und AWG. Zu dem Zeitpunkt war der Windradhersteller Enercon gerade einmal sieben Jahre alt und wurde damals für seine Produkte noch oft belächelt. Die Stadt Aurich hatte aber auch an Enercon geglaubt und das Unternehmen unterstützt.

Blick ins Cockpit des „CityEL“. Foto: Lothar Spurzem
Blick ins Cockpit des „CityEL“. Foto: Lothar Spurzem

Der Kauf des Elektromobils war also nur der nächste logische Schritt. Erworben wurde für insgesamt 17.100 D-Mark ein Fahrzeug, das aus heutiger Sicht nicht besonders alltagstauglich ist. Das neue „Dienstmobil Stadt Aurich“ hatte drei Räder und wog rund 120 Kilogramm. Dazu kamen noch weitere 120 Kilogramm für die Blei-Vlies-Batterien. Maximal Tempo 60 war möglich. Die Reichweite betrug in der Praxis etwa 35 Kilometer. Das habe bei einigen Fahrten im Stadtgebiet schon mal eng werden können, erinnert sich Johann Stromann. Denn Touren nach Middels und zurück können schon mehr als 30 Kilometer lang sein. Daher war das kleine Fahrzeug eher für Fahrten in der Auricher Innenstadt vorgesehen.

Lastenrad ist Nachfolger des „CityEL“

Einer der fleißigsten Nutzer soll der ehemalige Stadtdirektor Thomas Friemann gewesen sein. Friemann hörte 1996 bei der Stadt Aurich auf. Er war der letzte Stadtdirektor, bevor die Stadt mit Werner Stöhr wieder einen hauptamtlichen Bürgermeister bekam. Weitere drei Jahre für das „CityEL“ über die Straßen der Stadt Aurich, ehe es ausgemustert wurde.

Johannes Friedel kümmert sich im Auricher Rathaus unter anderem um das neue E-Lastenfahrrad der Stadt. Foto. Romuald Banik
Johannes Friedel kümmert sich im Auricher Rathaus unter anderem um das neue E-Lastenfahrrad der Stadt. Foto. Romuald Banik

Über 30 Jahre später setzt die Stadt Aurich weiterhin auf Elektromobilität. Zwei elektrische Renault Zoe gehören zum Fuhrpark der Stadt. Nach und nach sollen weitere Elektroautos angeschafft werden, sagt Johann Stromann. Jüngster Zugang für Fahrten in der Innenstadt ist allerdings ein Lastenfahrrad mit Elektroantrieb. Es ist also ein direkter Nachfolger des „CityEL“ von 1991 – und diesem technisch weit überlegen. Das gilt vor allem für das Gewicht des Akkus und die Reichweite. Johannes Friedel kümmert sich im Auricher Rathaus um das Lasten-E-Bike, das inklusive Mehrwertsteuer 7000 Euro gekostet hat. Nach dem offiziellen Umtauschkurs von 2002 wären das 13.690,81 D-Mark. Hinzu rechnen müsste man allerdings für einen Vergleich zum „CityEL“ noch die Inflation seit 1991.

Das Dach war ein Vorteil des „CityEL“

Für das Geld hat die Stadt ein Fahrzeug erhalten mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern. „Bei voller Tret-Unterstützung sind es allerdings nur 40 Kilometer“, sagt Johannes Friedel. Im Gegensatz zum Dienstmobil von 1991 muss der Nutzer aber auf jeden Fall in die Pedale treten. Ganz alleine, nur mit Motorantrieb, fährt das Lastenrad nicht. Einen weiteren Vorteil bot das Gefährt aus den 1990er-Jahren: Der Fahrer wurde nicht nass. Denn für das Halbcabrio gab es eine Plane.

Eine solche hat das Lastenrad auch. Jedoch deckt diese nur den Kofferraum ab, in dem zum Beispiel Aktenordner transportiert werden können. Vor der Nutzung erhalten die Mitarbeiter der Verwaltung eine Einweisung. „So ein Lastenrad fährt sich doch anders als ein normales Fahrrad“, sagt Johannes Friedel. An der Information können sich dann die Mitarbeiter allerlei Zubehör wie Helm, Warnweste, Regenplane und Ähnliches ausleihen. „Wir wollen so möglichst ,viele Fahrten mit den Autos einsparen.“

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