Sydney  Angst vor Zahlen? Die gibt es wirklich – Das hilft gegen Mathephobie

Barbara Barkhausen
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Von Barbara Barkhausen
| 28.03.2023 11:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Betroffene sind meist junge Menschen. Mit Erfolgserlebnissen und Strategien für den Alltag lässt sich dem aber schon früh entgegenwirken. Foto: imago images
Betroffene sind meist junge Menschen. Mit Erfolgserlebnissen und Strategien für den Alltag lässt sich dem aber schon früh entgegenwirken. Foto: imago images
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Angst vor Schlangen oder Spinnen, Höhen-, Flug- oder Platzangst? Kennt fast jeder. Weniger bekannt, aber durchaus verbreitet: Mathephobie – die Angst vor Zahlen. Diese Strategien sollen Kindern und Erwachsenen helfen.

Daran können sich sicher viele erinnern: Ein Mathetest steht an und im Bauch macht sich ein ungutes Gefühl breit. Wird diese Nervosität jedoch zur handfesten Angst, dann leiden Kinder oder Erwachsene unter einer sogenannten Mathephobie. Diese kann sich vor Schulaufgaben manifestieren, aber auch beim Rechnen an der Kasse im Supermarkt.

Mathematikangst definiert sich als ein Gefühl von Spannung und Sorge. Die Phobie beeinträchtigt die Fähigkeit einer Person, mathematische Probleme zu lösen. Forscher unterscheiden die Mathematikphobie von allgemeiner Angst oder der so typischen Prüfungsangst, obwohl es einige Überschneidungen gibt. Mathe-Angst entwickelt sich normalerweise, wenn Menschen schlechte Erfahrungen mit Mathematik gemacht haben. Auf diese Weise entstehen negative Denkmuster. Betroffene versuchen daraufhin, Mathematik zu vermeiden. In Prüfungen entsteht oftmals ein Gefühl der Hilflosigkeit.

Betroffen sind meist junge Menschen: So wurde eine Mathephobie bereits bei Kindern im Alter von fünf Jahren beobachtet. Doch auch Erwachsene sind nicht vor der Angst gefeit.

Laut Jo Boaler, Professorin für Mathematikpädagogik an der US-amerikanischen Stanford University, hatten im Jahr 2012 bis zu 50 Prozent der Erwachsenen Angst vor Mathematik. Das Bildungsministerium im australischen Bundesstaat Victoria geht dagegen von niedrigeren Raten zwischen sechs und 17 Prozent aus. Laut Benjamin Zunica und Bronwyn Reid O‘Connor, beides Akademiker in der Mathematikdidaktik an der University of Sydney, liegt die durchschnittliche Quote im akademischen Studium eher bei etwa 20 Prozent, wie sie in einem Aufsatz im akademischen Magazin „The Conversation“ schrieben.

Letzteres bestätigt auch die australische James Cook University (JCU), die ihren Studenten sogar Unterstützung bei einer Mathephobie anbietet. „Mathe-Angst ist eine reale Sache und sie ist sehr verbreitet!“, heißt es auf der Webseite der Universität. Auch die JCU schätzt, dass etwa 20 Prozent aller Menschen Angst spüren, wenn sie mit mathematischen Situationen konfrontiert werden.

„Mathe-Angst kann Ihre Fähigkeit beeinträchtigen, Mathematik zu beherrschen, aber das bedeutet nicht, dass Sie schlecht in Mathematik sind.“ Wahrscheinlich seien die Menschen sogar deutlich besser, als ihre Ergebnisse zeigen würden, heißt es vonseiten der Hochschule. Denn: „Mathe-Angst beeinträchtigt Ihre Fähigkeit, Ihr Gehirn zum Rechnen zu benutzen.“ Es sei aber nicht so, dass diese Menschen grundsätzlich Mathe nicht lernen könnten.

Die Mathematikdidaktiker Zunica und O‘Connor haben in ihrer Analyse für „The Conversation“ nun eine Reihe an Strategien zusammengestellt, die vor allem Kindern bei anstehenden Mathematikprüfungen helfen sollen. An erster Stelle nennen die Akademiker, sich mehr auf Erfolge zu konzentrieren, um so Selbstvertrauen beim Kind aufzubauen. „Die meisten Kinder wollen gut in Mathe sein“, schrieben die Forscher. Jüngere Kinder würden verstehen, dass dies etwas sei, das ihre Lehrer und Eltern für wichtig hielten. Ältere würden verstehen, dass dies für zukünftige Jobs und Karrieren wichtig sei.

Doch negative Rückmeldungen bauen laut der Forscher Ängste auf. Deswegen sei es wichtig, sich auf das Positive zu konzentrieren und dem Kind Beispiele zu zeigen, in denen es in Mathematik erfolgreich war. „Erfolgserlebnisse sind der Schlüssel zu weiteren Erfolgen in Mathematik“, schrieben die Forscher der University of Sydney. Erfolg lässt sich laut der Wissenschaftler beispielsweise damit demonstrieren, wenn man ein Kind ein altes Arbeitsblatt bearbeiten lässt – beispielsweise eines, das sie etwa zwei Jahre zuvor ausfüllen mussten. Dies zeige dann, wie sehr sie sich weiterentwickelt hätten.

Ein zweiter Tipp ist, Schüler nicht zu „überladen“. „Zu Hause ist es sinnvoll, das Gespräch über die bevorstehenden Prüfungen auf die Zeiten zu beschränken, in denen das Kind sich darauf vorbereitet“, so die Forscher. Den Prüfungstag selbst könne man positiv starten – beispielsweise mit einem speziellen Frühstück.

Als weitere Strategie empfehlen die Akademiker, dass Eltern zusammen mit jüngeren Kindern lernen und Interesse an der Arbeit zeigen, die ältere Kinder absolvieren. „Teenager sind vielleicht nicht bereit Hilfe anzunehmen, wenn Sie sie das erste Mal anbieten“, schrieben Zunica und O‘Connor. „Aber machen Sie deutlich, dass Sie da sind, wenn sie Sie brauchen, und Sie versuchen werden, sie nicht zu verurteilen.“

Laut der Akademiker darf nicht unterschätzt werden, wie sehr die Herangehensweise der Eltern an das Lernen von Mathematik die Herangehensweise ihres Kindes beeinflusst. „Versuchen Sie, positive Gespräche mit Ihrem Kind über Mathematik zu führen und wie wir sie jeden Tag anwenden“, schrieben sie. Dies könne dazu beitragen, negative Einstellungen zu zerstreuen. Als Beispiele nannten die Forscher, ein Sonderangebot im Supermarkt nachzurechnen oder anhand von Länge und Fläche zu bestimmen, wie Möbel in einem Raum angeordnet werden könnten.

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