Osnabrück  Konsequent und mutig: Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode tritt zurück

Stefanie Witte
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Von Stefanie Witte
| 25.03.2023 13:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Was für eine Entscheidung! Franz-Josef Bode ist zurückgetreten. Der Osnabrücker Bischof beendet seine Karriere mit einem Paukenschlag.

Aus kirchenpolitischer Sicht muss man sagen: Das war die beste Entscheidung, die Bode zum Ende seiner Amtszeit hätte treffen können. Die tiefe Krise der Kirche ist mehr als die Summe aus Missbrauchstaten, Vertuschung und mangelndem Mitgefühl mit den Opfern. Diese Krise wurzelt tiefer.

Die katholische Kirche und damit jedes Bistum wird autoritär geführt. Am Ende hängt vieles von der Spitze - dem Bischof - ab. In einem Geflecht aus Über- und Unterordnung, patriarchalen Überzeugungen und vorauseilendem Gehorsam steckt viel Potenzial für schlechte Entscheidungen. Konstruktive Kritik hat es in einem solchen System schwer.

Bode begründet seinen Rücktritt nun explizit damit, dass er seiner Verantwortung in bestimmten Punkten nicht gerecht geworden sei. Er habe Schuld auf sich geladen, räumt Fehler im Umgang mit sexualisierter Gewalt ein. Das ist in autoritären Systemen eigentlich nicht vorgesehen. Eine goldene Regel: Der Chef hat am Ende immer Recht.

Nun wirft Bode alles in die Waagschale und nutzt seine Macht ein letztes Mal, indem er sie abgibt. Das ist mutig. Der Applaus seiner Kollegen in der Bischofskonferenz dürfte sich in Grenzen halten. Was Erzbischöfe in Köln und Hamburg nicht geschafft haben, setzt ausgerechnet der Osnabrücker Bischof um, der doch bei vielen immer noch als Reformer gilt und trotz Kritik unter Gläubigen, Priestern und Mitarbeitern auch viele treue Anhänger hat.

Die Entscheidung kommt für Beobachter nicht ganz überraschend. Der synodale Weg ist abgeschlossen. Im Bistum Osnabrück geht die Aufarbeitung weiter. Zusätzliche Reformen sind angeschoben. Gleichzeitig spielt die Gesundheit des Bischofs eine nicht unwesentliche Rolle. Und seit langem zweifelte Bode an seinem Wirken, seiner Rolle, seinen Entscheidungen mit Blick auf den Umgang mit Missbrauch im Bistum.

Dennoch hätte er die Lesart beibehalten können, ein Reformer zu sein und mit 75 Jahren - wie in der katholischen Kirche vorgesehen - dem Papst regulär seinen Rücktritt aus Altersgründen anbieten können. Der folgende Ruhestand wäre vermutlich entspannter geworden.

Hat er erkannt, dass er aus seiner Sozialisierung heraus nicht mehr der beste Reformer für sein Bistum ist? Dominiert die Kritik von außen, die in anderen Bistümern allerdings viel massiver ist? Oder ist es die Gesundheit des - nun ehemaligen - Bischofs?

Bode startete 1995 als jüngster katholischer Bischof in Deutschland und sorgte bundesweit für Aufsehen, als er sich in einem Gottesdienst angesichts des Missbrauchsskandals als symbolischen Akt der Buße vor den Altar des Doms auf den Boden legte.

Nun ist trotz allem auch sein letzter Schritt im Amt ein moderner. Wenn Bode erkannt hat, dass er nicht mehr der beste für den Posten des Bischofs in Osnabrück ist, ist seine letzte Amtshandlung die eines Erneuerers.

Mit dieser und anderen Entscheidungen hat Franz-Josef Bode im starren Korsett der katholischen Kirche und gegen viele Widerstände Verdienste erworben, die in Erinnerung bleiben werden. Der Reformer wird fehlen.

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