Hamburg  Einmalzahlung für Studenten: So habe ich das Auszahlungschaos erlebt

Pia Hinrichs
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Von Pia Hinrichs
| 25.03.2023 12:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Lange haben Studenten auf die Energiepreispauschale gewartet. Foto: Unsplash/Martin Gouw
Lange haben Studenten auf die Energiepreispauschale gewartet. Foto: Unsplash/Martin Gouw
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Erwerbstätige haben sie seit September, Rentner seit Dezember und Studenten – nun ja, wir haben sie jetzt auch endlich: Lange haben wir auf die Energiepauschale gewartet. Der Weg zu den 200 Euro war jedoch ein holpriges Unterfangen.

Zuerst war die Freude groß, dann wurde unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt: Die Einmalzahlung für Studenten ließ knapp ein halbes Jahr auf sich warten. Seit dem 15. März kann sie beantragt werden. Seit dieser Woche sind die 200 Euro nun endlich auf meinem Konto – nach etlichen Server-Zusammenbrüchen und kompliziertem Registrierungsverfahren.

„Glücklicherweise sind meine Kommilitonen und ich Digital Natives“, schoss es mir durch den Kopf, als ich das erste Mal das Portal Einmalzahlung200.de öffnete. Zwei Tage nach Freischaltung der Website startete ich meinen ersten Versuch, die Energiepauschale für Studenten zu beantragen.

Bund-ID, Zugangscode von der Uni, elektronischer Ausweis, Elster-Zertifikat, Ausweis-App, IBAN: An einer Hand konnte ich jedenfalls nicht mehr abzählen, was ich alles für die 200-Euro-Entlastung vom Staat benötigte.

Wer sich noch immer nicht im Auszahlungschaos zurechtgefunden hat, findet hier eine Anleitung zur Beantragung der Einmalzahlung.

Glücklicherweise konnte ich für die Registrierung auch mein Elster-Zertifikat nutzen. Freundinnen, die wie viele andere Studenten keins besitzen, versuchten sich an der Registrierung per Online-Ausweis. Dafür brauchten sie zusätzlich aber noch eine App.

Das Prozedere gestaltete sich dann doch übersichtlicher als gedacht – ich war begeistert. Daten über Daten hämmerte ich in meine Laptop-Tastatur: Zugangscode, Elster-Zertifikat und schon hatte ich meine Bund-ID beantragt.

In freudiger Erwartung auf die 200 Euro sah ich mich kurz vor dem Ziel. Doch dann die Meldung: Vorgang abgebrochen. Nichts ging mehr. Ob mein W-Lan streikte oder mir bei der Registrierung ein Fehler unterlaufen war? Ich versuchte es ein erneutes Mal – mit dem gleichen Ergebnis.

Kommilitonen machten ähnliche Erfahrungen und mussten missmutig feststellen, dass die Server von der Einmalzahlung in den ersten Tagen dauerhaft überlastet waren. Eine Freundin berichtete, dass sie es weit über zehn Mal versucht habe, bis es klappte. „Um drei Uhr nachts soll das System einwandfrei funktionieren“, gab sie mir ermutigend mit. Das Portal schien sich gut auf den Schlafrhythmus eines Klischee-Studenten eingestellt zu haben.

Über 30 Minuten befanden sich ehrgeizige Studenten teilweise im Warteraum für die 200 Euro, wie auch dieser Erfahrungsbericht zeigt.

Dennoch: Als es (nach sechs Tagen des Versuchens und viel Kaffee) dann endlich klappte, die Website nicht in sich zusammenbrach und ich dem Bund meine IBAN übermitteln konnte, ging alles ganz schnell. Innerhalb weniger Minuten bestätigte mir eine Nachricht in meinem E-Mail-Postfach, dass die Einmalzahlung bereits auf dem Weg zu mir sei. Und keine 24 Stunden später konnte ich mich über ein grünes Plus von 200 Euro in meiner Online Banking-App freuen.

Das viele Haare Raufen hatte sich also gelohnt. Dennoch ächzen die meisten Studenten noch immer wegen der hohen Lebenskosten. Mit 200 Euro mehr auf dem Konto ist ihnen da lange nicht geholfen. Wer nicht auf finanzielle Unterstützung von seinen Eltern setzen kann, ist angesichts der hohen Lebenskosten selbst mit Nebenjob noch ziemlich aufgeschmissen. Auch Studienfinanzierungen wie beispielsweise Bafög sind ohnehin knapp bemessen und schon gar nicht auf Inflationszeiten wie diese angepasst.

So richtig entlastet sind wir Studenten also nicht. Natürlich ist die Einmalzahlung ein Entgegenkommen vom Staat, das auch ich dankend annehme. Dennoch fühlen sich die 200 Euro viel eher wie ein kleines Taschengeld zwischendurch an: Zwar „nice to have“, aber mehr auch nicht.

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