Ostfriesland/Bonn Ausländische Importware macht deutschen Spargelbauern zunehmend Konkurrenz – droht bald das Aus?
Zu Ostern soll der erste Spargel im Frischeregal der Supermärkte liegen. Doch Lohnkosten und Inflation machen den norddeutschen Landwirten zu schaffen. Hat der Spargelanbau in Deutschland noch eine Zukunft?
Mit Sorgen starten Deutschlands Spargelbauern nach einem schlechten Jahr 2022 in die neue Saison. Der Deutsche Bauernverband warnt, dass wegen billigerer ausländischer Importware Spargel und Erdbeeren eines Tages von den heimischen Feldern verschwinden könnten. „Vergangenes Jahr wurden Erdbeer- und Spargelflächen teilweise nicht mehr abgeerntet“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. „Die Produktion hat sich aufgrund der exorbitant gestiegenen Kosten und den Billigimporten aus dem Ausland schlicht nicht mehr gelohnt.“
Dieses Problem kennen auch die Landwirte aus Ostfriesland: „Es ist fraglich, wo das in den nächsten Jahren hingeht“, sagte Daniel Santen, der in Weener sowohl Spargel als auch Erdbeeren anbaut, unserer Redaktion. In Polen etwa werde Spargel deutlich günstiger angebaut als in Deutschland. Gleichzeitig müssten Landwirte Erntehelfern durch die Anhebung des Mindestlohns auf nun zwölf Euro im Vergleich zur Saison 2022 mehr bezahlen. „Das ist für uns natürlich auch ein Sprung, das sind mehr Kosten“, sagte Santen.
Aber immerhin: Probleme, Personal für die Ernte zu finden, habe er bisher nicht. „Wir haben schon seit Jahren eine Stammmannschaft aus Polen“, sagte Santen. Die Reise nach Deutschland sei für die Erntehelfer immer noch reizvoll – auch, weil es für sie dank des Mindestlohns hier mehr zu verdienen gebe als in der Heimat.
Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LHV) für Ostfriesland, sieht den Anbau von Spargel und Erdbeeren in der Region gefährdet: „Durch die Entwicklung des Mindestlohns lassen wir in der Wettbewerbsfähigkeit nach“, sagte er unserer Redaktion. Doch nicht nur stiegen durch die höheren Lohnkosten die Spargel- und Erdbeerpreise – hinzu komme die Inflation, die dazu führe, dass viele Menschen verstärkt aufs Geld achten müssten. „Da ist die Frage: Wie sehr sind die Kunden bereit, die deutsche Herkunft zu honorieren“, so Tannen. „Ich befürchte, dass das Angebot aus deutscher Produktion in den Supermärkten zurückgehen wird.“
Schon in diesem Jahr könnte diese Entwicklung vor allem im Nordwesten Deutschlands zu einer Verkleinerung der Spargel-Anbauflächen führen: „Ich glaube schon, dass wir im Vergleich zum Vorjahr auf zehn bis 15 Prozent weniger Fläche ernten werden“, sagte Fred Eickhorst, Geschäftsführer und Vorstandssprecher der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen mit Sitz in Sandhatten bei Oldenburg.
Der Erntestart wird laut Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) gegen Ende dieses Monats erwartet. Santen sagte: „Wir hoffen, dass wir bis Ostern Spargel haben.“ Wie groß die Erntemenge zu Beginn der Saison ausfallen werde, sei vor allem vom Wetter abhängig, denn Regen und Kälte würden dem Spargel auf den Feldern zu schaffen machen.
Wegen der steigenden Lohnkosten werde eine weitere Mechanisierung der Ernte immer mehr zum Thema für die Branche, sagte Nils Kraushaar von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Bei den derzeit zur Verfügung stehenden Maschinen seien die Verluste aber noch sehr hoch, die genauer arbeitenden Ernteroboter hingegen seien äußerst teuer. Auch Santen sagte: „Das ist noch nicht so ausgereift.“ Gerade zu Beginn der Saison, wenn auf den Feldern mit zwei Folien gearbeitet werde, um den Spargel vor Nässe und Kälte zu schützen, könnten keine Maschinen zum Einsatz kommen.
Die Landwirtschaftskammer arbeitet laut Kraushaar allerdings an verbesserten Anbaumethoden, um den Maschineneinsatz zu erleichtern. Bis es so weit ist, gilt laut Santen bei der Spargelernte: „Das meiste ist immer noch Handarbeit.“
Dieser Artikel ist zuerst in der Ostfriesen-Zeitung erschienen.