Hamburg Pro Asyl fordert: Freie Wohnsitzwahl für Asylbewerber statt Massenunterkünfte
Jeden Monat erreichen Deutschland Tausende Flüchtlinge. Die Unterbringung in Turnhallen und anderen Massenunterkünften sorgt regelmäßig für Ärger. Geht es auch anders? Ja, sagt „Pro Asyl“.
Pro Asyl fordert in der Diskussion um die Unterbringung von Flüchtlingen eine Reform der gesetzlichen Regelungen in Deutschland. Tareq Alaows, flüchtlingspolitischer Sprecher der Menschenrechtsorganisation, sagte unserer Redaktion: „Die Wohnsitzauflagen müssen abgeschafft werden. Menschen werden gezwungen, in Erstaufnahmeeinrichtungen und Sammelunterkünften zu leben, selbst wenn sie bei Verwandten unterkommen könnten.“ So würde die angespannte Wohnraumsituation in vielen Kommunen künstlich verschärft.
Alaows nannte den Fall einer fünfköpfigen Familie in Nordrhein-Westfalen. Diese sei aus rechtlichen Gründen gezwungen, monatelang in einer Erstaufnahmeeinrichtung zu leben. Dabei sei ein volljähriger Sohn in der Lage, die Verwandtschaft in seiner eigenen Wohnung aufzunehmen.
Alaows kritisierte: „Das ist aber nicht erlaubt. Und deswegen blockiert die Familie weiter fünf der knappen Plätze in der Unterbringung.“ Der Staat stehe sich hier selbst bei einer effektiven Verteilung der Menschen im Weg.
„Die Probleme in Sachen Unterbringung und die hitzigen Debatten darum wären vollkommen unnötig. Das hat die Tatsache gezeigt, dass vergangenes Jahr rund eine Million Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland Zuflucht gefunden haben“, sagte Alaows. Das sei weitgehend problemlos gelaufen, weil Ukrainer sich relativ frei in Deutschland niederlassen durften.
Das bei Asylbewerbern anders verfahren werden sei „scheinheilig“, so Alaows. „Asylbewerber sind in Deutschland Flüchtlinge zweiter Klassen. Das ist einem Rechtsstaat nicht würdig“, so der Vertreter von „Pro Asyl.“