Osnabrück  Pablo Picasso: Ganz schön vital, dieser alte weiße Mann!

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 01.04.2023 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das schwarz-weiße Foto des Fotografen Willy Maywald von Pablo Picasso (1947) . Foto: Maywald/Koekkock_Haus
Das schwarz-weiße Foto des Fotografen Willy Maywald von Pablo Picasso (1947) . Foto: Maywald/Koekkock_Haus
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Was ist uns Pablo Picasso noch wert? Pünktlich zum 50. Todestag des Jahrhundertstars werden einige seine Meisterwerke versteigert. Nicht immer geht es dabei um Millionen.

Gibt es Bilder von Pablo Picasso, die keine für alle Zeit gültigen Meisterwerke sind? Wenn Versteigerungen seiner Bilder angekündigt werden, überbieten sich Auktionshäuser in Superlativen. Es fühlt sich an, wie bei einem Freistoß von Christiano Ronaldo. Breitbeiniger Stand vor dem Anlauf – und die Zuschauer halten den Atem an, weil sie einen Schuss mit der unwiderstehlichsten Flugkurve der Geschichte des Fußballs erwarten.

Jetzt steigt bei Pablo Picasso die Fieberkurve der Erwartung. Am 8. April 2023 jährt sich der Todestag des spanischen Kunstgranden zum 50. Mal. Jubiläen sind so eine Sache. Steigt gerade die Konjunkturkurve der Aufmerksamkeit – oder bemerkt das Publikum schlagartig, dass ihm der große Meister inzwischen nicht mehr viel sagt?

Schön ist das Leben, vor allem, wenn Pablo Picasso es malt. Die Spannungsmomente der Corrida oder filigrane Gaukler, das vor Kraft strotzende Mischwesen Minotaurus oder die schwüle Erotik einer Szene mit dem Künstler und seinem nackten Modell: In Picassos Kunst gibt es das Leben nur als Erregungskurve.

Aufregend klingt im Vergleich dazu nicht, was das Kölner Auktionshaus Van Ham für den Juni 2023 ankündigt. Dann soll Picassos Gemälde „Buste de Femme“ (Frauenbüste) versteigert werden. Schätzwert: 1,5 bis 2,5 Millionen Euro. Was ist das gegen die 103 Millionen, für die erst 2021 Picassos Sitzende Frau am Fenster (Marie-Thérèse) wegging?

Versteigerungen werden ein Gradmesser für das Interesse an Picasso sein. Der Jahrestag fokussiert die Aufmerksamkeit. Er verdeutlicht aber auch schlagartig, wie sehr seine Welt ferngerückt ist. Das gilt auch für die Geschichten seiner Amouren mit Dora Maar, Marie-Thérèse Walther oder Françoise Gilot. Die Prominenz dieser Namen verblasst. Dafür gewinnt eine Problemwahrnehmung Kontur, die Picassos Nachruhm verdüstert: MeToo.

Die Wahrnehmung Picassos kippt. Das Menetekel: 2021 wurden aus der Sammlung des Luxushotel Belagio in Las Vegas gleich elf Picassos versteigert. Die Begründung: Die Kollektion soll diverser werden. Mehr Kunst von Indigenen, Frauen und Mitgliedern der LGBTQ-Community. So lautete der Slogan. Die Konsequenz: Weg mit Picasso! Allerdings brachten seine Bilder damals 110 Millionen Dollar. Ganz schön vital, dieser alte weiße Mann.

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