Bünde/Melle Als Sex-Partnerin im Netz angeboten: Mellerin als Lügnerin vor Gericht entlarvt
Ein illustrer Fall ist am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Bünde verhandelt worden. In den Hauptrollen: Eine 34-Jährige aus Melle und ihr gleichaltriger Noch-Ehemann aus Bünde. Alles drehte sich um die Frage: Hat der Mann die Ex bei Ebay-Kleinanzeigen als Sex-Partnerin angeboten?
Im vergangenen Sommer soll der Bünder die Anzeigen nebst entsprechendem Bildmaterial bei Ebay-Kleinanzeigen aufgegeben haben, so lautete der Vorwurf aus der Anklageschrift. Angeblich hätten sich auch zwei Männer gemeldet, die sich als potenzielle Sex-Partner bei der Mellerin vorgestellt haben sollen.
Der 34-Jährige sagte aus, er habe mit diesen Anzeigen gar nichts zu tun. Die Beziehung mit der Mellerin beschrieb er als schwierig. „Eine On-Off-Beziehung eben“, fasste es sein Verteidiger zusammen. Die Frau hat zwei Kinder, eines mit dem Angeklagten. Und sie habe ein massives Drogenproblem, gab der Beschuldigte an. Immer, wenn sie Drogen benötigt habe, hätte sie ihn erpresst. Druckmittel in dem Fall: der gemeinsame Sohn. Der Bünder: „Wenn ich ihr Stoff bringe, durfte ich meinen Sohn sehen. Sonst nicht.“
Er legte dem Gericht einen Chatverlauf auf seinem Telefon vor, in dem er in der Nacht vor der Verhandlung vom neuen Partner seiner Frau bedroht wurde. „Wenn ich heute vor Gericht erscheine, tut er dem Kleinen was.“ Aufgebracht schimpfte der Angeklagte im Gerichtssaal: „Wenn der meinem Sohn was tut, bringe ich ihn um!“
Die Noch-Ehefrau, die als Zeugin hätte aussagen sollen, machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch: „Ich möchte keine Aussage machen“, sagte sie und verschwand wieder. Der Richterin lagen indes mehrere Strafanzeigen vor, die allesamt von der Mellerin aufgegeben worden waren und wieder zurückgenommen wurden. Immer richteten sie sich gegen den Ex aus Bünde. Dieser sagte: „Das hat die ständig gemacht, fünf oder sechs Mal.“
Außerdem habe die Frau für den Noch-Ehemann alle möglichen Konten bei Ebay, Facebook und weiteren Internetseiten angelegt und die Passwörter dafür gehabt. „Wenn ich eine neue Frau kennengelernt habe, hat sie der geschrieben und sie fertig gemacht“, sagte der 34-Jährige.
Sie soll ihn auch brutal mit dem Auto angefahren haben, erzählte der Bünder. Seit dem Vorfall habe er ein Problem mit seinem Knie und Schwierigkeiten richtig zu gehen.
Vor Gericht wendete sich zunehmend das Blatt: Die Frau, die zunächst als Opfer dastand, wurde plötzlich zur mutmaßlichen Täterin. Der Verteidiger sagte angesichts der nicht zustande gekommenen Aussage der Frau: „Wir sind sehr erschüttert.“ Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte in ihrem kurzen Plädoyer einen Freispruch für den Angeklagten – wegen „erheblicher Zweifel an der Täterschaft“.
Das Urteil der Richterin? Freispruch. Sie gab zu bedenken, dass die Mellerin die Anzeigen bei Ebay-Kleinanzeigen offenbar selbst inszeniert hatte, um es dem Ex in die Schuhe schieben zu können: „Sie hat nicht ausgesagt, um sich selbst wohl nicht zu belasten. Es ist davon auszugehen, dass sie es selbst war, die die Anzeigen geschaltet hat, um dem Angeklagten zu schaden.“
Möglich ist nun zudem, dass die Mellerin als alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern Schwierigkeiten bekommen wird: wegen der angesprochenen Drogenproblematik. Das Gericht nahm die Einzelheiten nämlich im Protokoll auf.