Demonstration in Büsum Ostfrieslands Fischer machen „ordentlich Alarm“
Der Vorsitzende des Norddeicher Fischereivereins, Carsten Noormann, ist bei der Protestveranstaltung in Büsum dabei. Von vor Ort schildert er seine Eindrücke.
Norddeich/Büsum - In Büsum geht es für die Fischer aus Norddeich und der ganzen Region heute um alles: Wie berichtet, haben sich ganze Busladungen von Ostfriesland aus auf den Weg nach Büsum gemacht, wo die Agrarministerkonferenz tagt. Gemeinsam wollen die Fischer gegen geplante EU-Verordnungen demonstrieren. Die EU will ab dem kommenden Jahr in der Nordsee Grundschleppnetze verbieten. In weiteren Schutzgebieten soll die sogenannte bodenberührende Fischerei bis 2030 verboten werden. Carsten Noormann, Vorsitzender des Norddeicher Fischereivereins, fürchtet das Aussterben seines Berufsstandes, wenn die Verordnung wie geplant kommt. Auch Noormann ist in Büsum dabei. Neben Kundgebungen im Büsumer Hafen, protestieren die Kutter auf See direkt vor dem Tagungsort der Agrarminister.
Gegen Mittag erreichte unsere Zeitung Carsten Noormann vor Ort. Er ist angetan von der Veranstaltung. Die ersten Kundgebungen hätten schon stattgefunden. Auch die Kutter seien schon rausgefahren und hätten mit ihren Schiffshupen „ordentlich Alarm gemacht“, so Noormann. Es sei viel organisiert, die Proteste laufen. Noormann schätzt, dass weit über 1000 Menschen dem Aufruf zur Demonstration gefolgt sind. Neben den Fischern sind auch viele Landwirte samt ihrer Trecker vor Ort.
Alle Sielorte sind in Büsum vertreten
Die Nordseeküste ist stark vertreten, sagte Noormann. „Die ganzen Sielhäfen sind vertreten. Ich habe schon Fischer von Ditzum bis Fedderwardersiel gesehen. Eigentlich habe ich aus jedem Hafen schon Leute gesehen“, sagte Noormann. Er ist davon überzeugt, dass der Protest auch am Tagungsort der Agrarminister ankommt.
Neben den Fischern ist auch der Tourismus Service Norden-Norddeich mit 15 Personen vor Ort. Laut Pressesprecherin Inga Graber sind die Busse in Norddeich um fünf Uhr morgens abgefahren. Auch aus Greetsiel sind Busse dabei. Wie berichtet, sind einige Fischer aus Norddeich mit ihren Kuttern vor Ort.
Unterstützung aus der Politik
Für 13 Uhr ist noch einmal ein gemeinsames Hornblasen von Kuttern und Treckern geplant. Um 14 Uhr beginnt die gemeinsame Kundgebung mit dem Schwerpunkt Schutzgebiete: „Für Ernährungssicherheit – Landwirte und Fischer stehen gemeinsam auf gegen Flächen- und Fanggebieteverluste“. Als Redner ist unter anderem Dirk Sander geplant. Er ist Vorsitzender der Deutschen Kutter- und Küstenfischer. Außerdem soll Gero Hocker, Präsident des Deutschen Fischereiverbandes, sprechen.
Er sei es leid, Spielball der Politik zu sein, sagte Hans-Peter Goldnick vom Geflügelwirtschaftsverband Schleswig-Holstein am Donnerstag bei einer Kundgebung des Bauernverbandes der Nachrichtenagentur DPA. „Tierhaltung ist das Rückgrat der Landwirtschaft.“ Er forderte die Minister auf, den Sachverstand des Berufsstandes anzuhören.
Zustimmung erhielten die Demonstranten von den Agrarministern aus Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, und Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (beide CDU). Es zeichne sich ab, dass in einigen Punkten ein Kompromiss erreicht werden könne, sagte Schwarz zu den Demonstranten. Aber alle Probleme „heute und morgen zu lösen“ sei nicht möglich. „Aber ich gehe davon aus, dass wir in vielen Punkten einen Schritt weiterkommen.“ Auch Schulze sagte ihnen seine Unterstützung zu. Die Agrarminister treffen sich noch bis Freitag in Büsum zu ihrer Frühjahrskonferenz. (Mit Material der dpa)