Schwere Brandstiftung  Emderin legte Feuer aus Mangel an Beachtung

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 22.03.2023 18:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Brand in Borssum wurde von zwei Drehleitern aus bekämpft. Foto: Heino Hermanns
Der Brand in Borssum wurde von zwei Drehleitern aus bekämpft. Foto: Heino Hermanns
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Eine 50 Jahre alte Frau legte in Emden mehrere Brände in Mehrparteienhäusern. Von ihrer Familie fühlte sie sich nicht beachtet, denn Mann und Kinder interessierten sich nur für eine Sache.

Aurich - Eine 50-Jährige aus Emden steht seit Mittwoch wegen besonders schwerer Brandstiftung in fünf Fällen vor dem Auricher Landgericht. Sie hatte sich von ihrer Familie zu wenig beachtet gefühlt und darum zwischen Oktober 2019 und Juli 2022 in Emden mehrere Brände in Mehrparteienhäusern gelegt. Der Sachschaden war immens, in einem Fall wurde er auf 1,5 Millionen Euro geschätzt. Verletzt worden war niemand durch die Brände, jedoch war eine Bewohnerin des Nebenhauses vermutlich wegen der Rauchgase zusammengebrochen und trotz Wiederbelebungsversuchen durch Einsatzkräfte wenig später im Krankenhaus verstorben.

Aufgelöst und unter Tränen räumte die Angeklagte in der Verhandlung sämtliche Vorwürfe ein. Dass sie mit den Brandlegungen Leben und Gesundheit zahlreicher Mitbewohner der Häuser gefährdet hatte, hatte sie, wie sie angab, nicht bedacht. Als Grund nannte sie die mangelnde Beachtung seitens ihrer Familie, die lange und ausdauernd Computerspiele gespielt habe und für sie nicht mehr ansprechbar gewesen sei.

Frau wurde von Familie abgewimmelt

Mit „gleich“ und „nachher“ hätten Mann und Kinder sie abgewimmelt, wenn sie versucht habe, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. „Ich hab mich nicht mehr beachtet gefühlt von meiner Familie“, erklärte sie. Im Oktober 2019 hatte sie darum zum ersten Mal zum Feuerzeug gegriffen. Im Dachgeschoss ihres Wohnhauses hatte sie einen Karton mit Kleidern angesteckt und anschließend ihren Sohn auf den Brandgeruch hingewiesen. Ihr Mann hatte den Nachbarn alarmiert und gemeinsam hatten die Männer den Brand zunächst gelöscht. Das Feuer war jedoch erneut ausgebrochen und hatte einen Schaden in Höhe von mindestens 15.000 Euro verursacht. Verletzt worden war niemand.

Danach war die Familie umgezogen. Im März 2021 habe sie auch in diesem Haus Feuer gelegt, bestätigte die Angeklagte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Die waren jedoch von selbst erloschen und hatten nur wenig Schaden angerichtet. Wenige Wochen später hatte sie im Keller ihres von mehreren Parteien bewohnten Hauses erneut gezündelt. Das Feuer hatte sich ausgebreitet und war auf die Stromleitungen übergegriffen. Auch hier hatten alle Bewohner unversehrt evakuiert werden können. Der Sachschaden hatte sich auf mindestens 10.000 Euro belaufen.

Täterin wollte getröstet werden

Von ihrem erneuten Umzug in ein Mehrparteienhaus im Emder Stadtteil Borssum habe sie sich Besserung versprochen und auf Beachtung seitens ihrer Familie gehofft, berichtete die Angeklagte. Weil sich jedoch nichts geändert habe, habe sich bei ihr „ein Schalter umgelegt“.

„Du musst noch mal was machen“, habe sie gedacht und auf dem Dachboden einen Karton angezündet. Danach sei sie duschen gegangen. Das Feuer hatte den gesamten Dachstuhl des Hauses zerstört und einen Sachschaden von 1,5 Millionen Euro verursacht. Die 43 Bewohner konnten sich retten, hatten jedoch ihre Bleibe verloren. Ein Brandermittler der Kriminalpolizei Emden berichtete, nach dem ersten Brand sei der Verdacht zunächst auf den Sohn der Angeklagten gefallen, was sich jedoch nicht bestätigt habe. Bei dem Großbrand in Borssum sei dann die 50-Jährige in den Fokus gelangt. Ihm war aufgefallen, dass bei allen fünf Bränden die Türen in den Kellern und in den Dachgeschossen verschlossen gewesen seien, sodass sie von den Feuerwehrkräften hatten aufgebrochen werden müssen, um zu den Feuerherden gelangen zu können. Die Angeklagte sei bei allen Bränden vor Ort gewesen und habe Zugang zu sämtlichen Schlüsseln gehabt. In Borssum sei sie darum für ihn die „Tatverdächtige Nummer eins“ gewesen. „Sie war bestrebt, getröstet zu werden“, sagte der Zeuge.

Die Verhandlung wird am 12. April fortgesetzt.

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