Prüfung durch Landesregierung Norddeich droht Heilbad-Status zu verlieren
Es fehlen Angebote und qualifizierte Mitarbeiter, stellten die Prüfer fest. Bis Juni muss der Tourismus-Service ein Konzept bei der Landesregierung vorlegen. Der Kurdirektor hat dafür ganz neue Ideen.
Norddeich - Seeluft, Nordseewasser, Schlick – eigentlich hat Norddeich alles, was es braucht, um als Nordseeheilbad zu gelten. Dafür müsste man das Pfund vor der eigenen Haustür aber auch nutzen. Und genau das tut die Urlaubsregion Norden-Norddeich nicht, stellten Prüfer der Landesregierung jetzt fest. Wie Kurdirektor Stefan Krieger jetzt mitteilte, gibt es einen Maßnahmenkatalog der Prüfer. Bis Mitte des Jahres muss der Tourismus-Service Norden-Norddeich in Hannover Lösungen präsentieren, wie diese Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Andernfalls wird Norddeich zum Ende des Jahres herabgestuft und gilt künftig nur noch als Seebad. Für die touristische Außenwirkung und Werbemöglichkeiten quasi ein Supergau.
Deshalb drückt Krieger jetzt aufs Gaspedal, wenn es um ein neues Gesundheits- und Tourismuskonzept für Norden-Norddeich geht. „Wir könnten unseren Status als Nordseeheilbad verlieren, wenn wir nicht rechtzeitig reagieren“, erklärt er. Es steheeiniges auf dem Spiel. „Jetzt ist höchste Eile geboten“, so Kriegers Appell. Laut Krieger wolle Bürgermeister Florian Eiben den Heilbadstatus unbedingt erhalten. Deshalb werde er sich dafür einsetzen, dass es auch so kommt, sagte Krieger. Ohne den Heilbadstatus können zum Beispiel keine abrechnungsfähigen Leistungen mit Krankenkassen angeboten werden. Dabei gehe es nicht um Reha-Leistungen, das sei etwas anderes. Als Heilmittel stehe an erster Stelle das Nordseewasser, dann kommen der Schlick und die Luft.
Norddeich braucht wieder Therapiebecken und qualifiziertes Personal
Um den Heilbadstatus zu erhalten, muss Norddeich unter anderem künftig wieder ein Therapiebecken nachweisen für Meerwasseranwendungen. Dafür braucht es wieder qualifiziertes Fachpersonal und die entsprechenden zugelassenen Angebote dazu. „Aktuell haben wir keins der drei Dinge“, gibt Krieger zu. Er ist aber davon überzeugt: In so einer Lage, direkt am Wattenmeer, „sind wir verpflichtet, Gesundheitsleistungen anzubieten“, sagte Krieger. Für den neuen Kurdirektor sind die Gesundheitsangebote ein Leitthema, um die Nebensaison im Frühling und Herbst noch attraktiver zu machen. In Abstimmung mit der Stadtverwaltung werden deshalb jetzt mögliche Angebote entwickelt, um sie dann der Politik vorzustellen. Klar ist: Folgt die Politik den Plänen nicht, verliert Norddeich seinen Heilbadstatus.
Stefan Krieger übt deutliche Kritik an seinen Vorgängern: Er habe bei Amtsantritt einen Zustand vorgefunden in einem Heilbad, wo in den vergangenen Jahren die Kompetenzen im Bereich Gesundheit nicht mehr gewichtet wurden. Der Fokus habe ausschließlich auf den Bereichen Freizeit und Erholung im Sommerbetrieb gelegen. „Alles andere wurde über Jahre vernachlässigt“, so Krieger. Um sich breiter aufzustellen, seien Gesundheitsangebote für die Nebensaison aber der entscheidende Lösungsansatz. Es gebe aber vor Ort bei den Entscheidern überhaupt keine Vorstellungskraft für die Gesundheitswirtschaft und wie man diese touristisch nutzen und auch Geld damit verdienen könne, bemängelte Krieger. Dabei lebten hier alle an der Wasserkante, quasi im Dialog mit dem Heilmittel. Nicht ohne Grund gebe es in Norderney oder in Neuharlingersiel Thalasso-Angebote.Spiekeroog hat ein neues Thalasso-Spa-Zentrum, im Wangerland werde gerade ein Thalasso Meeres Spa gebaut mit N-Bank Unterstützung. „Das passiert ja nicht ohne Grund, sondern weil sie alle an das Gesundheitsthema glauben und eine entsprechende Wertschöpfung sehen“, sagte Krieger. Ihn wundere, warum in Norden überhaupt darüber diskutiert werde, ob das nötig ist, obwohl alle „direkt auf Heilmittel“ sitzen. „Das ist ja wie, wenn man auf einer Ölquelle sitzt und die nicht nutzt“, sagte Krieger. Vor allem in der Nebensaison gebe es Gästeanfragen, für Anwendungen zur Entspannung. „Und wir können nichts anbieten. Das muss wieder her“, redete sich Krieger in Rage.
Kurdirektor will erstes Outdoor-Thalasso-Konzept an der Küste entwickeln
Dafür hat der Kurdirektor auch schon ganz konkrete Ideen: Neben den ganzen Indoor-Thalasso-Konzepten, die zurzeit rundherum entstehen, will er das erste Outdoor-Thalasso-Konzept an der Küste bauen. Das sei zwar nicht ganzjährig, sondern saisonal erweiterbar nutzbar. Dabei komme auch das neue Freibad mit ins Spiel. Es sei eine Möglichkeit, überhaupt mit Schlickanwendungen und mit Meerwasser zu arbeiten. Auch wolle er die gesellschaftsrelevanten Themen wie Stress und Tinnitus entwickeln. „Jeder dritte Deutsche hat eine Allergie, warum arbeiten wir mit diesen Themen denn nicht mehr?“, fragte Krieger. Er redet dabei nicht von Kuren, sondern stellt sich eine niederschwelliges Angebot für alle Gäste vor. Um das in einer gewissen Qualität zu tun, wäre aus Sicht des Kurdirektors der Heilbadstatus ein entsprechendes Signal. „Bevor man alles einstellt in Norddeich, hätte man mal darüber nachdenken müssen, wie man es wirtschaftlich neu aufstellt“, sagte Krieger. Er selbst stehe dafür, darüber nachzudenken, „wie wir unser Öl vor Ort“ wieder anders nutzbar machen können.