Geplantes Schleppnetzverbot  Norddeichs Kurdirektor kämpft für Krabbenfischer

| | 21.03.2023 17:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Norddeicher Krabbenfischer machen sich am Donnerstag auf den Weg nach Büsum, um gegen das Schleppnetzverbot zu demonstrieren. Foto: DPA
Die Norddeicher Krabbenfischer machen sich am Donnerstag auf den Weg nach Büsum, um gegen das Schleppnetzverbot zu demonstrieren. Foto: DPA
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Stefan Krieger hat Fahrt zur Demonstration nach Büsum organisiert – und zahlt den Sprit für die Fischer. Der Norddeicher Fischereiverein kritisiert fehlende Unterstützung durch die Norder Politik.

Norden-Norddeich - Drei Krabbenkutter sind schon jetzt auf dem Weg von Norddeich aus in Richtung Büsum. Den Sprit für die Fahrt hat Norddeichs Kurdirektor Stefan Krieger übernommen. Auch drei Busse hat er organisiert, die am Donnerstag geschlossen zur geplanten Protestveranstaltung nach Büsum fahren werden. Seit das Thema um das geplante Grundschleppnetzverbot aufgekommen ist, kämpft Krieger leidenschaftlich für die Fischer. Er wünschte sich noch viel mehr Protest und Engagement in der Region, um die Fischer zu unterstützen. So geht es auch dem Vorsitzenden des Norddeicher Fischereivereins Carsten Noormann. Noch niemand aus der Norder Politik habe sich bisher bei ihm gemeldet, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Unterstützt würden die Fischer aus Norden bisher nur von Kurdirektor Krieger.

Dabei ist die Angst bei den Krabbenfischern groß. Sie fürchten um das Aussterben ihres Berufsstandes. Die Europäische Union (EU) will Netze verbieten, die den Meeresgrund berühren, sogenannte Grundschleppnetze. Mit verschiedenen Aktionen wollen die Fischer bei der Agrarministerkonferenz vom 22. bis zum 24. März in Büsum gegen das Verbot protestieren. Höhepunkt soll am Donnerstag eine Kutterdemonstration auf See sein.

Krieger wünscht sich mehr Unterstützung für die Fischer

„Das Thema ist so wichtig. Sowohl für die ganze Fischereiwirtschaft, aber natürlich auch für den Tourismus“, betonte Krieger in einem Pressegespräch am Dienstag. Damit der Protest und die Bedeutung des Themas für die ostfriesische Küste deutlich werde, habe er Busse zur Demonstration nach Büsum organisiert. Allein aus Norddeich und Greetsiel werden am Donnerstag drei Busse mit jeweils rund 50 Leuten nach Büsum fahren. „Norddeich ohne Krabben und Krabbenbrötchen für den Gast will ich mir gar nicht vorstellen“, sagte Krieger. Neben den Fischern hängen an dem Thema auch noch die verarbeitenden Betriebe, die Gastronomie und das ganze Erlebnis in der Kulturlandschaft, machte der Kurdirektor deutlich. „Das ist ja so, als wenn man im Alpenraum die Milchwirtschaft in den Almen als Kulturlandschaft verbieten würde“, sagte Krieger. Das Weltnaturerbe Wattenmeer sei im Einklang und in Abstimmung mit der Fischerei entstanden. Jetzt bekomme das auf einmal Schlagseite. „Das finde ich unverantwortlich. Da müssen wir als Kurdirektoren aufstehen“, betonte Krieger.

Norddeichs Kurdirektor Stefan Krieger hat eine Plakatkampagne zugunsten der Fischer gestartet. Foto: Rebecca Kresse
Norddeichs Kurdirektor Stefan Krieger hat eine Plakatkampagne zugunsten der Fischer gestartet. Foto: Rebecca Kresse

Neben vielen Fischern, ihren Familien und Freunden werden auch Mitarbeiter des Tourismus-Service Norddeich mit nach Büsum zur Demonstration fahren. Krieger selbst will nach eigenen Aussagen am liebsten auch mitfahren, kann aber nicht, weil der Aufsichtsrat der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden am Donnerstag tagt. „Ich wäre ehrlich gesagt lieber in Büsum dabei, weil jeder begreifen muss, dass das dort eine ganz andere Bedeutung auch langfristig für den Tourismus hat“, sagte Krieger. Eigentlich müsste es nach seinem Dafürhalten in Norden viel mehr Menschen geben, die sich für die Fischer engagieren. Es gebe nicht nur das Thema Off-Shore in der Region. Das werde er auch im Aufsichtsrat so sagen, kündigte Krieger an. Tourismus sei mehr als Freibad und Café am Markt. „Ich gehöre eigentlich am Donnerstag nach Büsum, denn das Café am Markt können wir auch in drei Wochen noch klären.“ Er habe aber die Befürchtung, dass das noch nicht im Kopf der Verantwortlichen angekommen sei.

Fischer haben Angst um Existenz

Zusätzlich, um das Thema in Norden sichtbar zu machen, hat Krieger eine Plakataktion gestartet. Die sollen überall in Norden aufgehängt werden, um mehr Menschen für die Petition zu sensibilisieren, so Krieger. „Das ist für mich ein Stück Kulturlandschaft und identitätsprägend. Da müssen wir ganz anders hinterher sein und uns dafür einsetzen.“

Carsten Noormann schätzt diese Unterstützung sehr. Ihm geht es nicht gut. „Die Angst ist groß. Die nehmen einem die Existenz“, sagte der Fischer. Seit mehr als 100 Jahren werden in seiner Familie Krabben gefischt. Er will sich noch nicht vorstellen, dass das Schleppnetzverbot tatsächlich umgesetzt werde. „Das sind doch alles kleine Familienbetriebe und die gehören zu Ostfriesland“, sagte er. Enttäuscht ist Noormann von der Norder Politik. Bis auf Stefan Krieger habe sich noch kein einziger bei ihm gemeldet oder seine Unterstützung angedeutet. Die Menschen vor Ort müssten sich daran erinnern, wie viele Ostfriesen von der Fischerei gelebt hätten. Er hofft drauf, dass die Demonstration am Donnerstag die Agrarminister zu einem Einlenken bewege.

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