Osnabrück Ukraine-Krieg: Xi Jinping wittert die Chance, USA und Europa zu schwächen
Beim Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping wähnt sich Wladimir Putin auf Augenhöhe. Doch das ist eine Illusion - auch wenn Peking und Moskau im Hass auf den demokratischen Westen vereint sind.
Bei ihrem jüngsten Treffen in Moskau versichern sich Xi Jinping und Wladimir Putin einmal mehr ihrer gemeinsamen Weltsicht. Als Brüder im Geiste verbindet den chinesischen Staatschef und seinen russischen Amtskollegen vor allem dreierlei: Bürgerrechte sind ihnen egal, Demokratie ist ihnen ein Graus und vom Westen fühlen sie sich ausgebremst in ihrem Streben nach imperialer Macht.
So wittert Xi die Chance, die im Fahrwasser des Ukraine-Krieges entstandenen Unsicherheiten in den USA, in Europa und bei der Nato für sich auszunutzen, um die globale Position des Westens insgesamt zu schwächen. Der russische Präsident ein Aggressor? Nicht in den Augen des chinesischen Machthabers.
Ein kürzlich vorgelegter „Friedensplan“ für ein Ende des Ukraine-Kriegs erhielt nicht einmal die leiseste Mahnung, Moskau möge sein Militär zurückziehen. Welche „konstruktive Rolle“ Peking also zur Beilegung des Konflikts spielen will, ist offen.
Dass Peking die russischen Invasoren in der Ukraine bislang nicht mit Waffen und Munition unterstützt hat, ist wohl einer gewissen Vorsicht zu verdanken.
China ist tief verflochten in der Weltwirtschaft und wird kaum den Zugang zu den globalen Märkten riskieren, um Russland militärisch den Rücken zu stärken. Insofern handelt Peking gemeinhin rationaler und vorausschauender als es Moskau tut. Das ist aber nur scheinbar beruhigend. Denn klar ist auch: Peking verfolgt seine Interessen auf der Weltbühne mit Nachdruck und nutzt dazu auch die Zweckallianz mit Russland als Hebel.
Dass sich Putin dabei mit China auf Augenhöhe wähnt, dürfte sich für ihn früher oder später als Illusion erweisen; ökonomisch kann es Russland nicht mit der Volksrepublik aufnehmen. Das Gravitationszentrum der russisch-chinesischen Partnerschaft ist und bleibt Peking.
Für all jene, die die regelbasierte internationale Ordnung nicht nur erhalten, sondern stärken wollen, bleibt der Aufstieg Chinas mit Russland als einer Art Juniorpartner zur günstigen Rohstoffbeschaffung eine epochale Herausforderung.