EU-Verbot von Schleppnetzen  Große Solidarität für Krabbenfischer aus Ostfriesland

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 17.03.2023 11:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Krabbenkutter „Irmgard Marie“ aus Accumersiel ist mit Fischer René Gregor Janßen mit Schleppnetzen auf der Suche nach Krabben. Foto: Privat
Der Krabbenkutter „Irmgard Marie“ aus Accumersiel ist mit Fischer René Gregor Janßen mit Schleppnetzen auf der Suche nach Krabben. Foto: Privat
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Die Auricher CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Buschmann sichert den Krabbenfischern ihre Unterstützung zu. Auch andere Menschen aus Ostfriesland zeigen ihre Solidarität.

Aurich - Krabbenfischer von der ostfriesischen Nordsee machen gerade bundesweit auf sich aufmerksam. Sie befürchten das Ende der Küstenfischerei, sollte die EU tatsächlich Grundschleppnetze verbieten. Auch die Auricher Landtagsabgeordnete Saskia Buschmann ist besorgt. Die Christdemokratin befürchtet dadurch „irreparable Schäden für die Nordseeküste“, wie sie in einer Mitteilung äußert. Ein pauschales Verbot der bodenberührenden Fischerei gehe an der Realität und wissenschaftlichen Erkenntnissen vorbei. Buschmann fordert Niedersachsens Landwirtschafts- und Fischereiministerin Miriam Staudte (Grüne) zum Handeln in Hannover auf. Lippenbekenntnisse bei einem Treffen mit Fischern in Neuharlingersiel reichten nicht aus.

Während andere Bundesländer wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sich schon an den Bundeslandwirtschaftsminister gewandt hätten, spreche das niedersächsische Ministerium noch von Einzelfallprüfungen beim Schleppnetzverbot, heißt es in der Mitteilung weiter. Die große Koalition aus CDU und SPD habe vor der Landtagswahl – mit der Unterstützung der CDU in Ostfriesland – einen nicht unerheblichen Geldbetrag für die Entwicklung einer Krabbenpulmaschine auf den Weg gebracht. „Vielleicht sollten die Abgeordneten aus den Reihen von SPD und Grünen einmal fragen, ob so verantwortungsbewusste und verlässliche Politik aussieht“, mahnt Buschmann.

Reformierte Kirche in Greetsiel lädt zum Solidaritäts-Gottesdienst

Die Auricher Landtagsabgeordnete sagt: „Wir werden es als niedersächsische CDU nicht zulassen, dass so leichtfertig mit der Zukunft von Familienbetrieben umgegangen wird.“ Die Untätigkeit der Landesregierung und insbesondere von Ministerin Staudte in diesem Bereich müssten endlich ein Ende haben. Es sei Zeit zu handeln und „sich vor unsere Fischer und ihre Familien“ zu stellen.

Handeln möchte auch die evangelisch-reformierte Kirche in Greetsiel. Pastor Hartmut Lübben lädt für Sonntag, 19. März, um 10.15 Uhr in der Greetsieler Kirche zum Solidaritäts-Gottesdienst zur Situation der Krabbenfischer ein. „Hier in Greetsiel sind viele Familien direkt oder auch indirekt von den Plänen der EU betroffen“, so Lübben. Die Stimme der Fischer aus Greetsiel werde mit Gerold Conradi, dem zweiten Vorsitzenden des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, zu Wort kommen.

Wittmunder Landrat Heymann sieht Zukunft der Küste bedroht

Ostfrieslands Zukunft bedroht sieht der Wittmunder Landrat Holger Heymann. Er solidarisiere sich mit den ostfriesischen Krabbenfischern und teile deren Existenzängste, heißt es in einer Mitteilung. Heymann fordert alle maßgeblichen Bundes- und Landespolitiker überparteilich auf, den laufenden Gesetzgebungsprozess noch zu stoppen. „Ostfrieslands Küste ist ohne seine Traditionen, und dazu zähle ich auch die alte Tradition des Krabbenfischens bei uns, für mich nicht denkbar. Es kann nicht sein, dass diesem traditionellen Wirtschaftszweig hier mit einem Federstrich in Brüssel oder Berlin so einfach der Todesstoß versetzt wird“, verdeutlicht der Landrat.

Die Küstenfischerei brauche nach Aussage Heymanns eine „echte Perspektive statt ständiger Nackenschläge und Bedrohungen durch die EU“. Es müsse möglich sein, im Schutzgebiet Wattenmeer das Miteinander von Naturschutz und verbliebener Berufsfischerei zu organisieren. Daher wolle er sich gern als Moderator anbieten, um hier weitere Gespräche zu führen.

Für Heymann, der auch Vorsitzender des Tourismusverbandes Niedersachsen ist, steht zudem die touristische Vermarktbarkeit der gesamten Küste auf dem Spiel: „Die Folge der Einstellung der Krabbenfischerei wäre am Ende doch der Verkauf und das Verschwinden der Kutterflotten aus unseren Häfen. Das kann ernsthaft niemand wollen.“

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