Alte Auricher Kaserne Senioren-WGs, ein Pflegedienst und viele Angebote
Im großen Divisionsgebäude auf dem Auricher Kasernengelände leben derzeit Flüchtlinge. Ab 2026 jedoch könnten schon die ersten Senioren dort einziehen.
Aurich - Bis zu 250 Senioren sollen künftig im Divisionsgebäude der ehemaligen Blücherkaserne wohnen. Untergebracht werden sie zum einen in vier Wohngemeinschaften mit jeweils zwölf Bewohnern. Zum anderen sollen in dem riesigen Gebäude zwischen 120 und 150 so genannte Sorglos-Wohnungen entstehen.
Das Konzept wurde im städtischen Bauausschuss von Investor Norbert Dittel (Terra Nova, Bremen) vorgestellt. Unterstützung erhielt er von Rebecca Bernsdorf. Sie hat bei der Convivo-Gruppe gearbeitet, die die neue Pflegeeinrichtung eigentlich betreiben wollte.
Kern des Gebäudes wird als erstes fertig
Das Problem: Die Convivo-Gruppe hat Mitte Januar einen Insolvenzantrag gestellt. Das Konzept für die Pflegewohnungen aber sei gut, so Norbert Dittel. Als Privatperson stellte Rebecca Bernsdorf deswegen die Pläne für das Divisionsgebäude vor.
Entwickelt werden soll zunächst das Kerngebäude. „Die Ärmchen sind schwierig“, sagt Rebecca Bernsdorf. Gemeint sind damit die äußeren Flügel des Divisionsgebäudes. Diese sowie die beiden geplanten Neubauten sollen laut Dittel als letztes realisiert werden. Bislang sei geplant, bis Ende 2024 die Baugenehmigung zu erhalten und nach dem Auszug der Flüchtlinge mit dem Umbau zu beginnen. „Mitte/Ende 2026 sind die frühesten Nutzungsmöglichkeiten“, sagt Norbert Dittel. Momentan leben in dem Divisionsgebäude knapp 190 Flüchtlinge.
Kampfmittelgutachten fehlt
Gewaltig sind die Dimensionen des Hauptgebäudes der ehemaligen Kaserne. Über 29.000 Quadratmeter Grundfläche bietet der Bau auf vier Ebenen. Nicht nur Senioren sollen darin untergebracht werden. „Wir werden auch Mitarbeiterwohnungen anbieten“, sagt Norbert Dittel. Damit sei es auch leichter, das nötige Personal nach Aurich zu locken. Neben dem reinen Wohnraum sollen weitere Einrichtungen in dem alten Divisionsgebäude entstehen, die Rebecca Bernsdorf vorstellte.
Nicht glücklich ist die Auricher Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Dieser gehört nach wie vor das Kasernengelände samt den Gebäuden. Und die Bima ist damit auch zuständig für die Altlasten, die sich auf dem Kasernengelände befinden könnten. „Aber das Kampfmittelgutachten liegt immer noch nicht vor“, so Alexandra Busch-Maaß. Die Zusammenarbeit mit der Bima sei „sehr zähflüssig“.
Nutzung aller vier Ebenen
Dennoch schreiten die Planungen für die Umwandlung in einen neuen Auricher Stadtteil voran. Am Mittwochabend wurden im städtischen Bauausschuss die Pläne für das Divisionsgebäude vorgestellt, das einst Platz für bis zu 1000 Soldaten bot und derzeit als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird.
Rebecca Bernsdorf hat für die Convivo-Gruppe das Konzept mitentwickelt und stellte die Eckpunkte vor. Auf vier Ebenen soll das große Gebäude genutzt werden. Sogar im Keller könnten Wohnungen entstehen. Denn im Grunde sei das eher ein Souterrain mit Fenstern, die Licht hereinlassen. Ausgebaut werden soll auch das Dachgeschoss, das zu Bundeswehrzeiten höchstens als Lagerfläche genutzt worden ist.
Gebäude wird fast ein kleines Dorf
Neben den bis zu 150 Sorglos-Seniorenwohnungen sowie den vier Wohngemeinschaften für Personen mit höheren Pflegegraden wird es auch eine Tagespflege mit 16 Plätzen in dem Komplex geben, so Rebecca Bernsdorf. Ein ambulanter Pflegedienst soll sich vorrangig um die Bewohner des Gebäudes kümmern, stehe aber auch anderen Aurichern zur Verfügung.
Fast schon ein kleines Dorf soll aus dem Divisionsgebäude gemacht werden. Denn geplant ist auch, einen Lebensmittelladen, ein Café und einen Friseur dort anzusiedeln. Auch eine Apotheke sowie Ärzte werden dort wohl einziehen. Eine Großküche sowie eine Wäscherei runden das Angebot ab.
Konzept nicht schuld an Betreiber-Insolvenz
Senioren ab 65 Jahren sind die Zielgruppe für die Wohnangebote. Die Voraussetzung ist, dass der Pflegegrad 1 erreicht ist. Ein Ehepartner muss keinen Pflegegrad vorwiesen. Versprochen wird, dass danach kein Umzug mehr nötig ist. Ganz nach Bedarf können die nötigen Pflegedienstleistungen hinzugebucht werden, wenn der Bedarf dafür sich einstellt.
Garantiert wird ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter zu Preisen, die denen der Region Aurich entsprechen. „Wir bieten ein sehr freies Wohnen“, so Rebecca Bernsdorf. Geplant sei keine Konkurrenz für bestehende Pflegeheime. Der Bedarf für solche Angebote sei auf jeden Fall gegeben. Denn ähnliche Angebote in Aurich und Umgebung seien gut belegt. Schon die Stadt selbst biete statistisch gesehen genügend Nachfrage dafür.
Die Kaltmiete für die „Sorglos-Wohnungen“ werden bei ungefähr 17 Euro pro Quadratmeter liegen, so Rebecca Bernsdorf. Hinzu käme ein Servicevertrag, der für die erste einziehende Person 150 Euro im Monat koste. Ein Partner müsse 75 Euro bezahlen.
Irritiert zeigte sich Arno Fecht (FDP), dass das Konzept von Convivo vorgestellt wurde, obwohl dieses Unternehmen seit Januar insolvent sei. Zum einen, so Investor Norbert Dittel (Terra Nova, Bremen), sei das Konzept auch von anderen Betreibern von Senioreneinrichtungen gefragt. Zum anderen, so Rebecca Bernsdorf, habe die Pleite nichts mit dem für Aurich vorgesehenen Konzept zu tun. „Convivo betreibt zu 80 Prozent Pflegeheime.“ Wegen der Corona-Pandemie seien diese aber zu wenig ausgelastet gewesen. Hinzu seien gestiegene Personalkosten gekommen. Beides zusammen habe zur Insolvenz geführt.
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