Büchen  Anschlusszug verpasst: Gestrandeter Fußball-Mob plündert Tankstelle

Timo Jann
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Von Timo Jann
| 13.03.2023 09:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Bundespolizei begleitet die zum Teil randalierenden Fans in Büchen in den Zug. Mit Hunden und einem Großaufgebot versuchten die Einsatzkräfte, die Ordnung wiederherzustellen. Foto: Timo Jann
Die Bundespolizei begleitet die zum Teil randalierenden Fans in Büchen in den Zug. Mit Hunden und einem Großaufgebot versuchten die Einsatzkräfte, die Ordnung wiederherzustellen. Foto: Timo Jann
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350 Fans des FC Hansa Rostock hatten den Anschlusszug nach Hause verpasst, dann ging es in einer Tankstelle rund. Trotz des Großaufgebots brauchte die Polizei mehrere Stunden, um die Lage zu beruhigen.

Ein Mob aus Anhängern des Fußball-Zweitligisten FC Hansa Rostock hat am Sonntagabend die „Star“-Tankstelle in Büchen geplündert. Jetzt ermittelt die Polizei. Erst ein Großaufgebot an Beamten von Landes- und Bundespolizei bekam die Situation nach drei Stunden wieder unter Kontrolle.

Nach Polizeiangaben waren die Fußballfans aus Hannover – dort hatten die Rostocker 1:1 gespielt – in Büchen per Bahn angekommen und hatten ihren Anschlusszug verpasst. Statt am Bahnhof auf den nächsten „HanseExpress“ von Hamburg nach Rostock zu warten, machten sich etwa 80 bis 100 der 350 gestrandeten Fans zu Fuß auf den Weg in die Raiffeisenstraße. Dort hat die „Star“-Tankstelle ihren Sitz.

Videoaufnahmen der Überwachungskameras zeigen, dass die ersten etwa vier Kunden sich gegen 19.30 Uhr an die Kasse anstellten und nach Zigaretten verlangten und diese auch bezahlten, während im Hintergrund unzählige weitere Fans die Regale plündern. Waren im Wert von etwa 300 Euro wurden von den Rostockern entnommen und nicht bezahlt.

Die geschockte Kassiererin setzte sofort einen Notruf ab und informierte die Polizei. Als der erste Streifenwagen vor Ort war, hatten sich die Fußballfans nach ihrem Überfall bereits abgesetzt.

Die Beamten forderten umgehend Verstärkung an. Zunächst rasten bis auf den Ratzeburger Streifenwagen sämtliche Polizisten aus dem Lauenburgischen nach Büchen. Auch Hundeführer aus Lübeck rückten an. Der Zug mit den Rostock-Fans wurde von einigen Bundespolizisten aus Hannover begleitet, die holten ihre Kollegen der Bundespolizei in Ratzeburg zur Unterstützung. Die betroffene Tankstelle und eine weitere Tankstelle in Büchen wurden geschlossen.

Schließlich waren etwa 150 Polizisten am Büchener Bahnhof im Einsatz. Der nächste „HanseExpress“ wurde von den Fußballfans geräumt. Polizisten sicherten die Gruppe auf dem Bahnsteig. Nach der Auswertung der Videoaufnahmen wurden die Täter, die teilweise unmaskiert waren und entsprechend gut identifiziert werden konnten, von Polizisten abgeführt. 40 Personen seien identifiziert worden, berichtete die Polizei gegen Mittag.

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Auf dem Pendlerparkplatz hatten Bundespolizisten eine Wagenburg aufgebaut, in der die Frauen und Männer durchsucht wurden, außerdem wurden hier ihre Personalien aufgenommen und entsprechende Anzeigen gefertigt. Erst gegen 22.30 Uhr konnte der Zug mit viel Verspätung seine Fahrt nach Rostock fortsetzen. Bundespolizisten sorgten unterwegs für Sicherheit.

In der Tankstelle und auf dem mit zertrümmerten Glasflaschen übersäten Platz stehen jetzt erstmal Aufräumarbeiten an. „So etwas haben wir noch nicht erlebt“, sagten geschockte Mitarbeiter. Sie wollen sich an den FC Hansa Rostock wenden und von dem Überfall der Anhänger des Vereins berichten, kündigten sie an.

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