34. Auricher Autotag  E-Autos sorgten für viel Interesse

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 12.03.2023 16:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der sechjährige Ben Schmidt schaute sich mit seinem Vater im Auricher Autohaus Schwarte um. Foto: Neelke Harms
Der sechjährige Ben Schmidt schaute sich mit seinem Vater im Auricher Autohaus Schwarte um. Foto: Neelke Harms
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Zahlreiche Besucher waren am Sonntag in Auricher Autohäusern zu Gast. Viele schauten sich elektrische Fahrzeuge an – doch nicht alle waren gleichermaßen überzeugt.

Aurich - Elektromobilität – unter diesem Motto stand am Sonntag der 34. Auricher Autotag. Die Nachfrage nach elektrisch betriebenen Fahrzeugen steigt laut Auricher Autohändlern immer weiter. Und das war zu spüren. Die Besucher zog es vor allem zu E-Autos. Doch nicht jeder der Interessierten war gleichermaßen überzeugt.

Werner Fleßner aus Ihlow im neuen ID Buzz von VW. Foto: Neelke Harms
Werner Fleßner aus Ihlow im neuen ID Buzz von VW. Foto: Neelke Harms

Werner und Silke Fleßner aus Ihlow schauten sich im Autohaus Schwarte den neuen ID Buzz von VW an. Dass es für die beiden ein E-Auto werden soll, steht schon fest, welches Modell es am Ende wird, muss noch entschieden werden. Sie nutzen den Tag dazu, verschiedene Modelle einmal von innen zu sehen.

Bedenken bei der Reichweite

Werner Fleßner ist überzeugt, dass die elektrisch betriebenen Fahrzeuge bei etwas Planung alltagstauglich sind. Auch in Ostfriesland gebe es mittlerweile genug Lademöglichkeiten. Und: „Wir fahren selten ohne Plan los“, sagt Silke Fleßner und lacht.

Cornelius und Elga Meenken schauten sich bei Mercedes auch nach Verbrennermotoren um. Foto: Neelke Harms
Cornelius und Elga Meenken schauten sich bei Mercedes auch nach Verbrennermotoren um. Foto: Neelke Harms

Etwas anders sieht es bei Cornelius und Elga Meenken aus. „Elektro wird nie das Richtige für mich werden“, sagt der Auricher. Seine Frau und er hatten im Autohaus Senger in Schirum einen vollausgestatteten Mercedes V300d mit Verbrennermotor ins Auge gefasst. Kaufen wollen sie ihn jedoch nicht – zumindest noch nicht. Zu neu ist der vor wenigen Jahren zugelegte Wohnwagen. Bei vergleichbaren elektrisch betriebenen Fahrzeugen fehlt es dem Ehepaar an Reichweite, sowohl zum Reisen als auch im Arbeitsalltag. Cornelius Meenken legt beruflich täglich mehrere Hundert Kilometer mit dem Auto zurück. Auf die Reichweite eines E-Autos will er sich dabei nicht verlassen. Für seine Frau kommt das schon eher infrage. Aber auch sie hörte schon Schlechtes und ist noch nicht ganz überzeugt.

Mopedauto zog Blicke auf sich

Ein ganz besonderes Fahrzeug schaute sich Janette Bussen-Heyen mit ihrer Tochter Antje im Autohaus Hiro an: den Opel Rocks-e. Streng genommen handelt es sich hierbei nicht einmal um ein Auto, sondern ein Leichtkraftfahrzeug – auch Mopedauto genannt –, das schon ab 15 Jahren gefahren werden darf. Noch sei ein E-Auto nichts für sie, erzählt die Wirdumerin. Auch sie sorgt sich um mangelnde Reichweite und fehlende Ladestationen. Bussen-Heyen hat außerdem die Umwelt im Blick. Man müsse bedenken, dass die Batterien der E-Autos auch irgendwann entsorgt werden müssen.

Janette Bussen-Heyen (rechts) schaute sich mit ihrer Tochter Antje den Opel Rocks-e im Auricher Autohaus Hiro an. Fotos: Neelke Harms
Janette Bussen-Heyen (rechts) schaute sich mit ihrer Tochter Antje den Opel Rocks-e im Auricher Autohaus Hiro an. Fotos: Neelke Harms

Doch wenn sich die Fahrzeuge und die Infrastruktur in den kommenden Jahren weiterentwickeln, könne sie sich im höheren Alter durchaus ein solches Elektromobil vorstellen. Und damit liegt Bussen-Heyen genau in der Zielgruppe, wie Focko Westerbur von Hiro erklärt. Vor allem Fahranfänger und Senioren sind es, die sich für den „Rocks-e“ mit etwa 70 Kilometern Reichweite interessieren.

Weiterhin erhebliche Wartezeiten

Wer sich momentan ein E-Auto zulegen möchte, muss weiterhin erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen. Mittlerweile liegt die für Neuwagen bei etwa einem Jahr, unabhängig vom Hersteller. Nachdem die Chip-Krise überwunden sei, liege das Problem nun unter anderem im fehlenden Personal, so Rainer Penning vom Autohaus Senger. Sie hätten schon selbst Autos aus Bremen holen müssen, weil Speditionen die Kapazitäten fehlen würden. Der typische Neuwagenkunde nehme die Wartezeiten aber in Kauf. Die Autohändler sind zuversichtlich. Denn vergangenes Jahr lagen die Wartezeiten teilweise sogar bei eineinhalb Jahren.

Aber nicht jeder, der sich Sonntag umschaute, wollte ein Fahrzeug kaufen. Hauptsächlich gehe es darum, die Leute zu informieren, so Philipp Boumans vom Autohaus Schwarte. Auch dort waren elektrische Fahrzeuge für viele Besucher ein Hingucker. Boumans und Geschäftsführer Wilhelm Schwarte kennen aber auch die Bedenken der Kunden, insbesondere wenn es um die Frage der Reichweite geht. Vor allem als Zweitwagen eigne sich ein E-Auto in der Region jedoch sehr gut. „In Ostfriesland haben die meisten Leute wohl eine Steckdose über“, sagt Schwarte. Neben E-Autos sei ein weiterer Trend, der sich schon seit Längerem abzeichne, das gestiegene Interesse an Camping-Fahrzeugen. Auch das zeigte sich bei Schwarte.

Während die Besucher sich informierten, Kinder sich Feuerwehrautos anschauten oder ihre Gesichter schminken ließen, wurde auch schon am Vormittag der ein oder andere Vertrag geschlossen. Der 34. Auricher Autotag war ein Erfolg – da sind sich alle drei Autohändler einig.

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