Berlin Steigende Mieten trotz Neubauten: Warum Bauen den Mietmarkt nicht entspannt
400.000 bezahlbare und klimagerechte Wohnungen will die Bundesregierung jedes Jahr bauen. Mit lediglich 280.000 Neubauten wurde das Ziel im Jahr 2022 klar verfehlt. Doch neuer Wohnraum wird das Problem steigender Mieten nicht lösen – das zeigt eine Datenanalyse.
Jährlich 400.000 neue Wohnungen, davon 100.000 Sozialwohnungen: Mit diesem Ziel will die Bundesregierung bezahlbaren und klimaneutralen Wohnraum schaffen und den steigenden Mieten entgegenwirken.
Im ersten Moment erscheint das Vorhaben einleuchtend: Mehr Wohnungen könnten die Lage auf dem Mietmarkt entspannen, wodurch die Mieten sinken dürften. Doch wie sich im Jahr 2022 gezeigt hat, scheitert das Vorhaben der Regierung bereits an dem festgesteckten Plan von 400.000 Neubauten. Denn tatsächlich geschaffen wurden lediglich 280.000 Wohnungen.
Berichten des NDR zufolge, erklärte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) Anfang des Jahres, dass man zumindest im Jahr 2024 oder 2025 versuchen würde, näher an das Bauvorhaben heranzukommen.
Doch nicht nur das ursprüngliche Ziel wurde scheinbar zu hoch gesteckt. Auch die Grundannahme, dass die marktwirtschaftliche Logik auf den Wohnungsmarkt übertragbar ist, scheint womöglich falsch zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Datenanalyse von „Zeit online“. Deren Auswertung zufolge führt neuer Wohnraum nicht zwingend zu sinkenden Mietpreisen.
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So sind die Mieten in Städten, in denen mehr als genug gebaut wurde, fast genauso stark gestiegen, wie in den Städten in denen, gemessen an der Einwohnerzahl, zu wenig gebaut wurde. Ein Grund dafür könnte sein, dass dort, wo besonders viel gebaut werde, der entstehende Wohnraum nicht ausreiche, um die Nachfrage zu stillen, erklärt der Immobilienökonom Steffen Sebastian gegenüber „Zeit online“.
Doch wie Geywitz gegenüber dem NDR zugab, seien auch strukturelle Problem für die weiterhin steigenden Mietpreise und den nicht ausreichenden Wohnraum verantwortlich. Hinzu kommt, dass die Baukosten in den vergangenen Jahren so gestiegen sind, dass eine Vermietung zu bezahlbaren Preisen kaum möglich ist, wenn die Kosten wieder hereingeholt werden sollen.
Um das Problem der steigenden Mieten anzugehen, schlägt Steffen Sebastian vor, zunächst das Wohngeld zu erhöhen, damit Mieter in erster Linie in der Lage sind, ihre Mieten zu stemmen.
Als weiteren Lösungsvorschlag führt Sebastian gegenüber „Zeit online“ an, dass die steigenden Mieten gedeckelt werden sollten. Dennoch sollte ihm zufolge verhindert werden, dass Wohnraum verschwendet wird, indem beispielsweise ältere Menschen an alten Mietverträgen festhalten, obwohl sie die Quadratmeteranzahl nicht mehr benötigen. Um das zu umgehen, müsse Eigentümern das Recht eingeräumt werden, auch Mieten aus alten Mietverträgen an den aktuellen Marktpreis anzupassen, so Sebastian.