Berlin  „Der Schwarm“: Oliver Masucci klagt über Supergau am Set

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 05.03.2023 06:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Engagiert, ohne vorzusprechen: Oliver Masucci spielt in der ZDF-Serie „Der Schwarm“ den Kapität Jasper Alban. Foto: ZDF/Andreas Franke
Engagiert, ohne vorzusprechen: Oliver Masucci spielt in der ZDF-Serie „Der Schwarm“ den Kapität Jasper Alban. Foto: ZDF/Andreas Franke
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Oliver Masucci spielt in der ZDF-Verfilmung von Schätzings „Der Schwarm“ den Kapitän Jasper. Im Interview erzählt er vom Supergau bei den Dreharbeiten in Rom.

Für die „Schwarm“-Verfilmung engagierte das ZDF den US-Showrunner Frank Doelger („Game of Thrones“). Unter ihm drehte dann ein ganzes Team von Regisseuren die einzelnen Episoden. Dass es dabei nicht immer ganz konfliktfrei zuging, berichtet Hauptdarsteller Oliver Masucci im Interview:

Frage: Herr Masucci, in der Verfilmung von Schätzings „Der Schwarm“ spielen Sie den Kapitän Jasper Alban. Können Sie in einem Satz erklären, wer das ist?

Antwort: Jasper Alban ist der Kapitän des Forschungsschiffes und der Mann, auf den es ankommt, wenn es im Nordpolarmeer zum Kampf ums Überleben der Menschheit geht.

Frage: Was hat Sie an dem Projekt gereizt?

Antwort: Ich war „Schwarm“-Fan der ersten Stunde. Damals hatte ich das Buch geschenkt bekommen und sofort durchgelesen. Später habe ich es meinem Bruder gegeben; und wenn sogar der ein Buch liest, muss es gut sein. Nicht ohne Grund hatte sich auch Hollywood um den Stoff bemüht.

Hier sehen Sie den Trailer zu Frank Schätzings „Der Schwarm“:

Frage: In der nie realisierten Hollywood-Verfilmung hätte Uma Thurman mitspielen sollen. Sind Sie traurig, dass Sie es nicht in so eine Version geschafft haben?

Antwort: Nein. Bei uns spielt Cécile de France mit. Die ist auch super. Ich bin aber vor allem froh, dass man aus Deutschland heraus das Geld in die Hand nimmt, einen Stoff, der ja hierherkommt, international zu realisieren und sich dafür weltweit entsprechende Partner gesucht hat. Das ist genau das, was wir brauchen.

Frage: Frank Schätzing lässt seine Protagonisten einen nach dem anderen sterben. Sie verraten vermutlich nicht, wie es Ihnen an den Kragen geht?

Antwort: Nein. Ich kann mich auch nicht daran erinnern.

Frage: Haben Sie die letzten Bilder Ihrer Figur denn selbst gespielt? War es ein Stuntman? Oder hat das ein Effekt-Experte am Computer gestaltet?

Antwort: Das habe ich schon alles selber gemacht. Ich kann mich aber noch sehr gut daran erinnern – weil ich mich gefragt habe, warum man einen Roman, der im Eismeer spielt, ausgerechnet in Rom verfilmt. Wir haben das im heißesten Monat des Jahres gedreht, in einem Studio, das sich nicht mal richtig runterkühlen ließ. Es war erbärmlich heiß und wir hatten Pullover und Jacken an. Unsere wichtigste schauspielerische Herausforderung war, irgendwie aufzuhören zu schwitzen.

Frage: Frank Doelger, als sogenannter Showrunner der hauptverantwortliche Produzent, war auch an „Game of Thrones“ beteiligt. Hatten Sie mit ihm persönlich zu tun oder sitzt der nur in seinem Schreibraum und spricht nicht mit den Darstellern?

Antwort: Frank Doelger steht jeden Tag am Set, hat das Buch in der Hand und beaufsichtigt die Show. Und das sehr gewissenhaft.

Frage: Mit einem so prägenden Fernsehmacher Kontakt zu haben, ist doch sicher ganz toll. Haben Sie Ihre Telefonnummer hinterlegt, für sein nächstes große US-Projekt?

Antwort: Na ja, meine Agenturen findet man im Internet. Frank Doelger ist als Showrunner mehr der Supervisor. Ich arbeite erst mal mit Regisseuren. Und von denen hatten wir gleich drei verschiedene. Das hat mir schon gereicht. An einem Drehtag haben wir mit allen dreien auf einmal gearbeitet. Wir haben drei Szenen aus drei Episoden realisiert. Jeder war für eine andere Episode zuständig. Das war wahnsinnig anstrengend – weil natürlich alle eine andere Sprache sprechen oder jeder mit demselben Wort etwas Anderes meint. Wenn dann Frank Doelger auch noch kommt, hören wir die vierte Meinung. Diesen Tag habe ich als Regisseurs-Supergau abgespeichert.

Frage: Waren wenigstens alle gut mit Frank Doelger abgestimmt?

Antwort: Die Regisseure sind gut mit ihm abgestimmt, aber es ist trotzdem absurd. Wahrscheinlich steckte ein Sachzwang dahinter, die Verfügbarkeit der Schauspieler oder so. Mir war es zu viel. Der Regisseur ist die Autoritätsperson, der ich folge – und dann kommt die andere und macht es anders und dann noch mal einer. Wenn man die Episoden nacheinander dreht, ist das kein Problem. Aber an einem Tag war es schräg.

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Frage: Im Vorfeld wurde „Der Schwarm“ mit „1899“ verglichen: Hier die öffentliche-rechtliche Mammutproduktion, dort die große deutsche Netflix-Serie. Sie kennen beides, weil Sie mit den Netflix-Kreativen Jantje Friese und Baran bo Odar selbst „Dark“ gedreht haben. Merkt man am Set, ob ein Streamer zahlt oder das ZDF?

Antwort: Ich finde, man merkt das. Die Fernsehanstalten sind ängstlicher als die Streamingdienste. Bei ARD und ZDF ist das so eine Sache, gerade wenn man sehr hoch auflösen möchte. Irgendwann sagen sie: „Das reicht doch. Macht doch einfach nur eine ‚Tatort‘-Auflösung.” Je mehr man auflöst, desto nervöser werden Sendeanstalten.

Frage: Jetzt müssen Sie erklären, was eine hohe Auflösung ist.

Antwort: Mit der Auflösung meine ich, wie viel man dreht. Wie viel Perspektiven man aufnimmt, wie viele verschiedene Einstellungen. Man kann natürlich einfach eine Kamera auf zwei Leute halten und laufen lassen. Man kann das aber auch aus sehr vielen verschiedenen Winkeln drehen, nochmal ganz nah rangehen, bis an die Augen, und dann noch einmal von ganz weit weg. Je mehr man kameratechnisch macht, desto hochwertiger, schöner, interessanter sieht der Film nachher aus. Es geht auch um die Frage der Zeit, die einem für eine Szene zur Verfügung steht. Die Drehpläne sind meist, weil wir immer mit zu wenig Geld drehen, sehr vollgestopft. Mit dem „Schwarm“ haben wir mal eine Serie gehabt, für die wir richtig Geld ausgeben konnten. Das ist aber eher selten. Oft wird geknausert und so siehts dann auch aus. Da möchte ich nicht mitmachen.

Frage: Auch das war im Vorfeld zu lesen: Pro Drehminute soll „Der Schwarm“ mehr gekostet haben als „Babylon Berlin“, die bis dahin teuerste deutsche Serie. Setzen hohe Kosten Sie unter Erfolgsdruck?

Antwort: Ich verspüre keinen Druck und lass mir auch keinen machen. Meine Arbeit muss mir leichtfallen; ich muss sie gern machen. Wenn sie mir leichtfällt, spiele ich gut. Und wenn sie mir schwerfällt, dann stimmt die Situation nicht. Ich habe ja auch in Multimillionen-Dollar-Filmen wie „Phantastische Tierwesen“ mitgespielt; da ging es um über 200 Millionen Dollar und es war leicht. Was eine Rolle spielt, ist Zeit. Je mehr Zeit wir haben, desto besser wird es.

Frage: Wäre Ihr Engagement bei „Phantastische Tierwesen“ ohne den internationalen Erfolg der Netflix-Serie „Dark“ möglich gewesen?

Antwort: Das will ich nicht ausschließen. Viele Menschen erkennen einen nach „Dark“ natürlich überall auf der Welt. Ich hoffe, „Der Schwarm“ wird jetzt denselben Effekt haben. Das ist gut fürs Geschäft. Aber „Phantastische Tierwesen“ wurde von Warner realisiert; mit denen hatte ich vorher schon „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl” gemacht. Vielleicht lag es also auch einfach nur daran.

Frage: Als Schauspieler erfahren Sie also gar nicht, warum Sie zu einem Casting eingeladen werden?

Antwort: Doch schon. In Hollywood erinnern sie sich entweder an dich oder sagen einfach: Wir brauchen einen Deutschen. Wer ist denn bei euch gerade so angesagt? Und dann gibt es ein paar Namen, die gerade en vogue sind – und dann schaut man, wer terminlich überhaupt kann und wer die beste Demo-Aufnahme schickt. Aber beim „Schwarm“ hat man mich einfach gefragt, ob ich mitmachen will. Da hab ich gesagt: Gerne. Das war das Casting (lacht).

Sendetermine: „Der Schwarm“. Das ZDF zeigt die Miniserie in acht Folgen ab Montag, 6. März 2023, 20.15 Uhr. In der ZDF-Mediathek ist die internationale Ko-Produktion schon ab Mittwoch, 22. Februar 2023 zu sehen.

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