Unter dem Regenbogen Auricherin für jahrelange Arbeit für queere Menschen ausgezeichnet
Mit der „Goldmarie“ ist die Auricherin Melly Doden ausgezeichnet worden. Seit Jahren setzt sie sich ehrenamtlich für die queere Community ein – und sich gegen Hass und Hetze durch.
Aurich - Im Märchen ist die Goldmarie die Fleißige, die Frau Holle bei ihrer Arbeit hilft. Am Ende wird sie belohnt. Dass nicht immer alle Menschen für ihr Engagement ausgezeichnet werden, ist zu oft ein Problem. Deswegen verleiht das Queere Netzwerk Niedersachsen (QNN) jährlich den Preis „Goldmarie“. In diesem Jahr ging er nach Aurich.
Melly Doden hatte absolut nicht mit dieser Auszeichnung gerechnet. Die Nachricht, dass sie zu den Ausgezeichneten gehört, wurde ihr von der Leiterin des Familienzentrums, Sandra Grau überbracht. Sie hatte Melly Doden dem QNN vorgeschlagen und wurde dann über die Auswahl benachrichtigt. Beim ersten „queeren Neujahrsempfang“ in Hannover wurde ihr die Goldmarie dann verliehen.
Kaum jemand steht so für Respekt und Toleranz
Schon seit mehr als neun Jahren engagiert sich Melly Doden in Aurich für alle, die unter dem Regenbogen stehen – Schwule, Lesben, Transgender, Intersexuelle. Zusammengefasst werden diese Bevölkerungsgruppen oft als „queere Community“. Der Begriff queer bezeichnet jene Personen, die nicht heterosexuell sind, sowie Menschen, die ihre Geschlechtsidentität als nichtbinär oder „nicht-cisgender“ verstehen, sich also nicht mit ihrem bei der Geburt zugeschrieben Geschlecht identifizieren können.
Melly Doden ist Ansprechpartnerin im Ulrichs-Café im Familienzentrum, einem Ort, an dem sich queere Menschen austauschen und Freunde treffen können. Auch Sandra Grau betont den Wert des Engagements der Auricherin. „Schon so lange begleitet sie uns und wir sehen, wie sie hinter den Werten Respekt und Toleranz steht“, sagt sie. Deswegen habe sie sich auch entschieden, Melly Doden zu nominieren. „Es war so naheliegend. Wenn nicht jemand, der mit so viel Herzblut wie sie hinter der Sache steht, wer sonst?“
Vorreiterin für den Christopher-Street-Day
Seit Jahren ist Melly Doden das Gesicht des Auricher Christopher-Street-Day (CSD). Dem ersten CSD in Ostfriesland, sagt sie. Er sei auch bei der Preisverleihung in Hannover zur Sprache gekommen. „Schöner als in den Großstädten“, sagt die Auricherin nicht ohne Stolz. Aber sie macht deutlich, dass sie die Organisation niemals allein stemmen könnte. An ihrer Seite hat sie ein ganzes Team, Freunde und Familie, ohne die es den Auricher CSD wohl nicht geben würde. „Ich stehe viel im Rampenlicht – aber es gibt so viele im Hintergrund“, sagt Melly Doden. Auch in ihrer Laudatio habe sie deswegen den Preis allen Helfern und ihrer Familie gewidmet. Ihr Preis sei für all die Ehrenamtlichen in Aurich, die Aktionen wie den CSD erst möglich machen.
Die Auricherin ist selbst Teil der queeren Community. Vor 17 Jahren outete sie sich als lesbisch und fand Rückhalt bei ihrer Familie und ihren Freunden. Regelmäßig nach den Auricher CSDs wird ihre Freundesliste bei Facebook immer länger. Sie bekommt viele positive Nachrichten – aber auch negative. Sie steht mit ihrem Gesicht in der Öffentlichkeit, die Menschen erkennen sie. Und nicht jeder akzeptiert die Werte, für die sie steht. Melly Doden will Hass und Hetze keinen Nährboden bieten. Sie konzentriert sich lieber auf die Freundlichkeit, Akzeptanz und Liebe, die ihr von so vielen Menschen entgegengebracht wird.
Jubiläum steht an
Nur ein Wermutstropfen bleibt. In absehbarer Zeit wird Melly Doden sich aus der Organisation des Auricher CSD zurückziehen. Ihre ehrenamtliche Tätigkeit sei inzwischen zu einem zweiten Vollzeitjob geworden. Früher sei das weniger ein Problem gewesen. Aber seit zweieinhalb Jahren ist sie in einer festen Beziehung, ihre Freundin brachte eine Tochter in die Partnerschaft. Melly Doden will für sie da sein.
Wann genau für die Auricherin beim CSD Schluss ist, wollte sie noch nicht verraten. Bis 2025 will sie auf jeden Fall noch durchhalten – dann steht bereits der 10. Demonstrationszug unter dem Regenbogen in Aurich an. Zeitgleich jährt sich der Geburtstag von Karl Heinrich Ulrichs zum 200. Mal. Er forschte über die gleichgeschlechtliche Liebe, setzte sich für die Eheschließung zwischen Männern ein und gilt als Pionier der Sexualwissenschaft. Ihm wurde der Platz in der Nähe der Sparkassen-Arena in Aurich gewidmet.
2025 wird es in Aurich also ein buntes Spektakel geben. Die ersten Ideen hat das Organisationsteam auch schon. Und Melly Doden ist sich sicher, dass dank all der Menschen, die sie unterstützen, der CSD in Aurich auch ohne sie an der Spitze weiterlaufen wird.
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