Geplantes Verbot für Gasheizungen Telefone der Heizungsinstallateure im Kreis Aurich laufen heiß
Ein Entwurf des Wirtschaftsministeriums sieht vor, Gasheizungen ab 2024 nicht mehr zu verkaufen. Diese Idee sorgt für besorgte Kundenanrufe bei Installateuren.
Aurich - Ein Entwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium hat für einen Aufschrei gesorgt: So sieht dieser vor, dass der Verkauf von Öl- und Gasheizungen schon ab kommendem Jahr verboten werden soll. Die Folgen dieser Idee bekommen einige Heizungsinstallateure im Landkreis Aurich schon jetzt zu spüren. Denn ihre Telefone stehen nicht mehr still. „Jeden Tag rufen zwischen 30 und 40 Leute bei mir an und fragen nach einer neuen Anlage“, sagt Rolf Buss. Der Inhaber der gleichnamigen Haustechnik GmbH in Großefehn kann über den Entwurf aus Berlin nur den Kopf schütteln.
In seinen Augen sei die Maßnahme völlig übertrieben und käme zum falschen Zeitpunkt. Stattdessen sollte die Politik nach Gaspreisbremse und den Folgen des Ukraine-Krieges erst mal Ruhe hinein bringen. Durch Fördermöglichkeiten und steigende Preise bei Wärmepumpen würde der Markt die Situation schon alleine regeln. „Wer kein Geld für eine neue Brennwerttherme hat, kann sich auch nicht für 30.000 bis 40.000 Euro eine Wärmepumpe installieren lassen“, sagt Buss. Hinzu kommen fehlende Ressourcen: Weder das Personal noch das Material lasse einen solch schnellen Umstieg auf andere Wärmequellen zu.
Alte Anlagen könnten lange weiterlaufen
Die Industrie müsste jetzt die Produktion der Brennwertthermen massiv hochfahren, um allen Kundenanfragen gerecht zu werden. Doch in einem dreiviertel Jahr würde die Nachfrage dann komplett einbrechen. „Es ist schwierig genug, die Stammkundschaft zu versorgen“, so Buss. Denn im Oktober und November vergangenen Jahres war die Versorgung mit Geräten aufgrund der fehlenden Elektrobauteile sehr knapp. Nun versuche er, seine Kunden vor Kurzschlussreaktionen zu bewahren. Doch die Vorschläge aus der Politik würden ihm das Leben nicht gerade erleichtern. Seine sechs Mitarbeiter und er können sich über mangelnde Arbeit schon jetzt nicht beklagen.
Sollte ein frühzeitiges Ende der Gasheizungen beschlossen werden, fürchtet Buss einen gegenteiligen Effekt. Denn eine ältere Dame würde dann erst recht ihre „alte Gurke behalten und mit Kabelbindern zusammenhalten“, bevor sie in eine teure Wärmepumpe investiere. Das sei nicht gerade im Sinne der Umwelt. Wärmepumpen und Biomasseheizungen sind momentan die Alternativen zum fossilen Brennstoff. Die Wasserstoffproduktion sei noch zu teuer.
Handwerkskammer sieht andere Stellschrauben
Auch Nicole Mamula von „Handwerk aus einer Hand“ aus Aurich bekommt zahlreiche Kundenanfragen. „Der Vorschlag aus Berlin ist gar nicht umsetzbar. Wir haben in Westerstede eine Firma für Erdbohrungen. Die ist für die kommenden drei Jahre ausgebucht“, sagt die Unternehmerin. Doch viele Kunden würden jetzt ihre gerade einmal zehn Jahre alten Heizanlagen austauschen wollen, da sie befürchten, sonst keine Gasheizung mehr zu bekommen. „Weder das Handwerk noch die Industrie können das Pensum schaffen“, so Mamula.
Sie kläre die Kunden momentan über die Situation auf dem Markt auf und versucht die geschürte Panik einzudämmen. Gleichzeitig erkundigt sie sich bei ihren Lieferanten, welche Anlagen wann überhaupt zu bekommen sind. „Ich lasse mir Teile auf Abruf legen, so habe ich keinen Materialmangel auf meinen Baustellen.“
Jörg Frerichs als Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostfriesland sieht den Gesetzesentwurf ebenfalls kritisch. „Ehe bestimmte Techniken im Bestand verboten werden, sollte zunächst besser die energetische Sanierung der Gebäudesubstanz weiter vorangetrieben und für jedes Haus individuelle Lösungen ermöglicht werden“, so Frerichs. Das Handwerk fahre seine Kapazitäten derzeit massiv hoch. Doch auch diese seien irgendwann ausgeschöpft.