Ukraine-Flüchtlinge Bröckelnde Sprachbarriere
In Schulen und Behörden sind die ukrainischen Flüchtlinge seit einem Jahr präsent. Die Verständigung klappt mitunter nur mühsam – aber es wird besser.
Aurich - Mit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine setzte schlagartig eine Fluchtwelle ein. Millionen Menschen machten sich auf den Weg in Richtung Westen, um sich und ihre Angehörigen in Sicherheit zu bringen. Für die Helfer auch in Ostfriesland galt es nicht nur, so schnell wie möglich Unterkünfte zu finden. Es galt auch, die sprachliche Barriere zu überwinden. Denn im Gegensatz zu Flüchtlingen zum Beispiel aus Afrika sind Englischkenntnisse in der Ukraine noch nicht selbstverständlich. Erst vor relativ wenigen Jahren wurde an den ukrainischen Schulen Russisch als erste Fremdsprache von Englisch abgelöst.
Im Landkreis Aurich gab es aber nur wenige Menschen mit ukrainischen Sprachkenntnissen. Russisch war eher zu finden. Die Sprache ist aber aus naheliegenden Gründen bei Flüchtlingen aus der Ukraine nicht sehr beliebt. Vom Empfang bei den Notunterkünften über das Jobcenter bis hin zu den Schulen im Kreisgebiet: Alle Einrichtungen suchten im vorigen Jahr ukrainische Dolmetscher. Es gab einen großen Bedarf, der nun offenbar gedeckt ist.
Auf Übersetzungssoftware angewiesen
Das bestätigt Nikolai Neumayer, Sprecher des Landkreises Aurich, auf ON-Anfrage. „Der Bedarf an Dolmetschern, die durch die Kreisvolkshochschule sowohl im Rahmen der Betreuung geflüchteter Menschen, als auch in Sprachkursen oder in den Schulen eingesetzt werden, ist derzeit ausreichend gedeckt.“ Die Standorte in Aurich und Norden seien gut aufgestellt und befänden sich in einem regelmäßigen Austausch mit allen Beteiligten.
Entspannter ist die Situation auch an der Realschule Aurich. Einige ukrainische Schüler besuchen die Realschule. Lange Zeit waren Schüler wie Lehrer auf Übersetzungsprogramme auf dem Handy angewiesen, um sich austauschen zu können. Umständlich und ungenau war die Kommunikation dadurch. Erschwert wurde nicht nur der Unterricht, sondern schon die Vermittlung der Regeln, die in der Schule gelten. Mittlerweile wird aber an der Realschule eine Ukrainerin als pädagogische Mitarbeiterin beschäftigt, wie Schulleiterin Kathrin Peters auf ON-Anfrage mitteilt. Sie betreue die Willkommensgruppe an der Schule und mache dadurch vieles leichter.
Appell: Möglichst viele Ukrainer in einer Schule unterrichten
Armando Iglesias kommt selbst aus der Ukraine. Er lebt seit 2019 in Ostfriesland und hat sich bereits früh bei den Ausländerbehörden sowohl im Landkreis Aurich als auch im Landkreis Wittmund als Dolmetscher angeboten. „Ich spreche Ukrainisch, Russisch und Deutsch“, erklärt er im ON-Gespräch. Trotz der Verständigungsprobleme sei er aber nur ein einziges Mal angefordert worden, um in Wittmund einer ukrainischen Familie zu helfen. Iglesias ist überzeugt davon, dass es auch heute noch Bedarf gibt für ukrainisch-deutsche Dolmetscher. Bislang sei aber niemand mehr auf ihn zugekommen.
Er selbst sieht sich in der Pflicht, nach Möglichkeit zu helfen. „Denn Deutschland hat so viel getan für die Ukrainer und die Menschen aufgenommen.“ Er erinnert an die vielen Grundschüler, die nicht wie in der Realschule gemeinsam mit anderen Kindern aus der Ukraine in einer Klasse sitzen, sondern alleine bestehen müssen. „Es wäre besser, alle Kinder zunächst in einer Schule zu unterrichten“, sagt Armando Iglesias, der als sozialpädagogischer Assistent in Emden arbeitet. Ein kompetenter Lehrer mit ukrainischen Sprachkenntnissen könnte den Kindern dann helfen und ihnen erklären, was überhaupt passiert – sowohl in ihrer Heimat als auch in ihrer Zuflucht in Ostfriesland.
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