Delegiertenversammlung der Chöre Es wird weniger gesungen im Land
Der Chorverband Niedersachsen Bremen meldete bei der Delegiertenversammlung in Middels einen massiven Mitgliederschwund. Daran ist aber nicht nur Corona Schuld.
Aurich - Bei der Delegiertenversammlung des Chorverbandes Niedersachsen-Bremen (CVNB) wurde einmal mehr deutlich, dass die Chormusik weiter unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leidet. Auch wenn sie zu einer starken Beeinträchtigung des Chorbetriebs und zu Chorauflösungen geführt hat, sind die Mitgliederzahlen bereits seit Jahren rückläufig. Das zeigte sich an den Zahlen, die CVNB-Präsident Jason Johnson auf dem Verbandstag am Sonnabendvormittag im Landgasthof „Alte Post“ in Middels verkündete.
Seit 2020 gab es einen Rückgang der Vereine um 137 und der aktiven Mitglieder um 8220, momentan sind es noch 18.560 (Stand 15 Februar 2023). Dabei sei jedoch zu bedenken, dass ein erheblicher Teil der 876 Vereine bis zum Stichtag keine Zahlen mitgeteilt hat, so dass sich die Zahlen noch ein wenig zum Positiven verschieben können, sofern gemeldet werde. Und auch die Anzahl der sogenannten fördernden Mitglieder (passive) ging um 4727 zurück. Erhebliche Einschnitte, so Präsidiumsmitglied Stephan Schulte, gab es auch bei den Kinderchören: 30 bis 35 Chöre wurden nur noch registriert.
Präsidium will Chorverband „ein neues Gesicht verpassen“
Das Jahr 2022 sei nicht nur ein Jahr des Erwachens aus dem Corona-Schlaf gewesen, es sei auch ein Jahr der Modernisierung, berichte Jason Johnson den Delegierten. Auch über die zukünftige Ausrichtung habe das Präsidium sich Gedanken gemacht. Es gehe um die Frage, wie man den Verband moderner gestalten und ihm medial ein neues Gesicht verpassen könne. Junge Menschen und frischer Wind müssten her.
Inzwischen wurden bereits einige Projekte wie zum Beispiel die Chorleiterausbildung angeschoben. Für dieses Jahr werde weiter aufgesattelt und da weitergemacht, wo sie begonnen hätten, um den Verband zukunftsfähig aufzustellen, versprach Jason Johnson den Delegierten.
Würdigung für ostfriesischen Verband
Dass der CVNB als Mitglieds- und Dachorganisation von Chören in Niedersachsen und Bremen seinen diesjährigen Verbandstag in Ostfriesland abhielt, ist der Tatsache geschuldet, dass der Ostfriesische Chorverband (OCV) im vergangenen Jahr sein 160-jähriges Bestehen unter dem Motto „Nachbarn ohne Grenzen“ mit etlichen Veranstaltungen gefeiert hat. Durch den Verbandstag erfuhr der OCV nunmehr eine weitere Würdigung und Anerkennung seiner Arbeit im ostfriesischen Raum.
Den OCV vertraten am Sonnabend Präsidentin Heike Douglas, Vizepräsident Diethelm Sempell und Verbandschorleiterin Karin Wessels als Delegierte. Auch im OCV seien die Mitgliederzahlen rückläufig, betonte Heike Douglas. Alle würden nun versuchen, gegenzusteuern, um wieder mehr Mitglieder zu bekommen.
Wegen Corona keine neuen Chöre gegründet
Die Gründe für den Rückgang liegen nach Ansicht der OCV-Präsidentin größtenteils an der Pandemie; sie sei der Katalysator des Ganzen, fügte Karin Wessels hinzu. Natürlich habe sich auch die Altersstruktur in den Chören verändert. Neue Chöre seien in den letzten Jahren nicht entstanden, weil man einfach nicht singen durfte. Das sei ein Punkt, an dem der Chorverband in den kommenden Jahren arbeiten wolle.
„Deshalb gilt es jetzt, entsprechende Konzepte zu entwickeln. Das machen wir nicht nur auf der Ebene unserer Basis, sondern auch im Bereich der Regionalverbände und beim heutigen Verbandstag. Wir sind auf einem guten Weg, weil wir Gedankengut zusammentragen, das praktikabel sein muss. Wir können nicht nur Theorie walten lassen, wir müssen Überzeugungsarbeit leisten und das beginnt bei sachlichen Informationen“, erklärte Diethelm Sempell.