Berlin  Oliver Masucci: Warum er für „Der Schwarm“ nicht mal vorsprechen musste

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 22.02.2023 15:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Engagiert, ohne vorzusprechen: Oliver Masucci spielt in der ZDF-Serie „Der Schwarm“ den Kapität Jasper Alban. Foto: ZDF/Andreas Franke
Engagiert, ohne vorzusprechen: Oliver Masucci spielt in der ZDF-Serie „Der Schwarm“ den Kapität Jasper Alban. Foto: ZDF/Andreas Franke
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Oliver Masucci gehört zu den Stars von Schätzings „Der Schwarm“. Die ZDF-Produktion gilt als teuerste deutsche Serie – und Masucci musste nicht mal richtig vorsprechen. Warum startet dieser Schauspieler erst jetzt so richtig durch? Ein Gespräch.

Er war schon Hitler und hat in J. K. Rowlings magischer Welt gezaubert. Auch in der ZDF-Verfilmung von Schätzings „Der Schwarm“ spielt er jetzt wie selbstverständlich mit: Oliver Masucci. Und das als eine der zentralen Figuren: „Jasper Alban ist der Kapitän des Forschungsschiffes“, erklärt Masucci im Gespräch mit unserer Redaktion: „Der Mann, auf den es ankommt, wenn es im Nordpolarmeer zum Kampf ums Überleben der Menschheit geht.“

Die Rolle zu bekommen, scheint kein großes Problem gewesen zu sein: „Beim ‚Schwarm‘ hat man mich einfach gefragt, ob ich mitmachen will“, erzählt er. „Da hab ich gesagt: Gerne. Das war das Casting.“

Hier sehen Sie den Trailer zu Frank Schätzings „Der Schwarm“:

Mit 54 Jahren ist der Schauspieler also an einem Punkt, wo er für Fernsehrollen nicht mal mehr vorsprechen muss. Das war nicht immer so. Münchner Kammerspiele, Schauspiel Hannover, Bochum, Zürich: Als Masucci Mitte der 90er loslegt, arbeitet er sich erstmal konsequent am Theater nach oben. Ab 2009 ist er dann dem Burgtheater an – und gehört damit zur Spitzenklasse der deutschsprachigen Bühnenstars. Fürs Drehen bleibt wenig Zeit. Mal nimmt Masucci eine „Soko“-Folge mit, mal dreht er „Alarm für Cobra 11“; es vergehen auch ganze Jahre ohne Engagement vor der Kamera.

Dann kommt die Satire „Er ist wieder da“, in der Masucci zu Hitler wird. Mit rund zweieinhalb Millionen Zuschauern gehört der Film zu den großen Erfolgen des Kinojahrs 2015; und ab jetzt hört Masucci nicht mehr auf zu drehen. In der ersten deutschen Netflix-Serie „Dark“ gehört er zum Hauptcast. Danach kennt man ihn auf der ganzen Welt. Und jetzt kommt Masucci auch für Blockbuster infrage: Gemeinsam mit Eddie Redmayne und Jude Law bändigte er im letzten Jahr J. K. Rowlings „Phantastische Tierwesen 3“.

Verdankt er der Netflix-Serie den Sprung nach Hollywood? „Das will ich nicht ausschließen. Viele Menschen erkennen einen nach ‚Dark‘ natürlich überall auf der Welt“, antwortet der 54-Jährige. „Ich hoffe, ‚Der Schwarm‘ wird jetzt denselben Effekt haben. Das ist gut fürs Geschäft.“ Womöglich haben aber auch andere Verbindungen geholfen: „‘Phantastische Tierwesen‘ wurde von Warner realisiert; mit denen hatte ich vorher schon ‚Als Hitler das rosa Kaninchen stahl‘ gemacht“, sagt er. „Vielleicht lag es also auch einfach nur daran.“

Wenn nun der „Der Schwarm“ zum nächsten Karrieretreiber wird, liegt es womöglich auch an einer einflussreichen Person: Als Showrunner, also als kreativer Leiter, fungiert bei der ZDF-Serie Frank Doelger. Der hatte vorher schon den Welthit „Game of Thrones“ als Produzent begleitet. Steckt man so einem Menschen diskret die Telefonnummer zu? Masucci winkt ab: „Meine Agenturen findet man im Internet.“ Wie man als Deutscher in den USA zum Zug kommt, beschreibt er so: „In Hollywood erinnern sie sich entweder an dich oder sagen einfach: Wir brauchen einen Deutschen. Wer ist denn bei euch gerade so angesagt? Und dann gibt es ein paar Namen, die gerade en vogue sind – und dann schaut man, wer terminlich überhaupt kann und wer die beste Demo-Aufnahme schickt.“

Für die Schätzing-Serie hat das ZDF internationale Partner von Frankreich bis Japan ins Boot geholt. Sie sind nötig, um die enormen Kosten der von digitalen Effekten strotzenden Produktion einzuspielen. 40 Millionen Euro soll die Serie gekostet haben, schreibt der „Spiegel“ – und rechnet aus, dass das Budget dabei pro Sendeminute doppelt so hoch sei wie bei „Babylon Berlin“, der bis dahin teuersten deutschen Serie aller Zeiten.

Wächst mit den Kosten der Druck? Für Oliver Masucci nicht: Bei den „Phantastischen Tierwesen“, sagt er, „ging es um über 200 Millionen Dollar – und es war leicht.“ Die größte Herausforderung sei damals gewesen, synchron mit allen anderen Magiern den Zauberstab zu heben. Das Geld dagegen ist kein Problem: „Ich verspüre keinen Druck und lass‘ mir auch keinen machen. Meine Arbeit muss mir leichtfallen; ich muss sie gern machen“, sagt er. „Wenn sie mir leichtfällt, spiele ich gut. Und wenn sie mir schwerfällt, dann stimmt die Situation nicht.“

Wie geht es weiter mit Masucci? In einer Serie über das RAF-Opfer Alfred Herrhausen hat er gerade die Titelrolle übernommen. Und schon im April wird er wieder auf der großen Leinwand zu sehen sein: In Polanskis „The Palace“ spielt er dann mit Weltstars wie Mickey Rourke, John Cleese und Fanny Ardant. Sendetermine: „Der Schwarm“. Das ZDF zeigt die Miniserie in acht Folgen ab Montag, 6. März 2023, 20.15 Uhr. In der ZDF-Mediathek ist die internationale Ko-Produktion schon ab Mittwoch, 22. Februar 2023 zu sehen.

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