Warschau Fall Maddie McCann: Trauma-Experte rät Eltern zu DNA-Test
Der Fall der vermissten Maddie McCann ist seit einigen Tagen wieder in aller Munde. Eine junge Frau behauptet auf Instagram unter dem Namen „Ich bin Madeleine McCann“, die seit 16 Jahren verschwundene Britin zu sein. Nun rät ein Trauma-Experte den Eltern zu einem DNA-Test.
Eine junge Frau aus Polen bringt seit Mitte Februar neuen Wirbel in den Fall der seit 2007 vermissten Britin Maddie McCann. Auf Ihrem Instagram-Account behauptet die 21-jährige Julia, dass es sich bei ihr um das vermisste Mädchen handle. Sie untermauert ihre Vermutung durch den Vergleich von Kinderfotos der verschollenen Maddie mit eigenen Fotos.
Da sie innerhalb kürzester Zeit die Eine-Million-Follower-Marke knackte, ist davon auszugehen, dass auch die Eltern der vermissten Maddie, Kate und Gerry McCann, von ihrer vermeintlich wieder aufgetauchten Tochter gehört haben. Öffentlich geäußert haben die beiden sich bislang jedoch noch nicht. Nun ordnete Alexander Jatzko, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie die neue Entwicklung im Gespräch mit „t-online“ aus Sicht eines Trauma-Experten ein.
Jatzko könne die Zurückhaltung der Eltern gut verstehen und betont, dass es keine leichte Entscheidung sei, ob man Julias Aussage glaubt. „Es ist immer möglich, dass sich jemand einen bösen Scherz erlaubt oder als Trittbrettfahrer irgendwie von dieser Situation profitieren möchte“, so Jatzko. Da er nicht ausschließe, dass sich schon mehrere vermeintliche Kinder bei dem Ehepaar gemeldet haben, ist es laut dem Trauma-Experten nachvollziehbar, wenn die Eltern zunächst vorsichtig sind, um sich selbst zu schützen.
Der Experte rät Kate und Gerry McCann dazu, einer DNA-Untersuchung zuzustimmen, da es aus psychologischer Sicht wichtig für die Eltern sei, möglichst schnell Antworten zu erhalten. Gerade in diesem Vermisstenfall könne der neue Hoffnungsschimmer die Eltern zum Nachdenken bringen und dazu führen, dass sie erneut mit kreisenden Gedanken und schlechten Gefühlen zu kämpfen haben.
Die McCanns vermissen ihre Tochter Madeleine mittlerweile schon seit 16 Jahren. Als knapp Vierjährige verschwand Maddie am 3. Mai 2007 aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia de Luz. Sie wurde mutmaßlich entführt und gilt seitdem als vermisst.
Ihre Eltern hatten jahrelang öffentlichkeitswirksam nach ihrer Tochter gesucht und sogar ein Buch verfasst. Gegenüber Medien halten sie noch immer am Glauben fest, dass ihre Tochter noch am Leben sei: „Madeleine ist am Leben, bis irgendjemand das Gegenteil beweist.“
Um seelische und körperliche Folgen abzufedern, rät Jatzko den Eltern zudem, die Hoffnung, die seit dem Auftauchen des Instagram-Accounts aufgekommen sein könnte, nicht zu sehr an sich ranzulassen.
Auch der vermeintlichen Maddie rät der Psychologie, unabhängig vom Ausgang der neuen Entwicklung, psychologische Unterstützung annehmen, da ihr Auftreten vermuten ließe, dass sie eine eigene Leidensgeschichte durchlebt habe.
Auf ihrem Instagram-Account lädt sie unter anderem Kinderfotos von sich und der verschollenen Maddie hoch und vergleich diese miteinander. Zudem vergleicht sie Merkmale in ihrem Gesicht mit den Gesichtern des Ehepaars McCann:
Ihrem Instagram-Auftritt kann man entnehmen, dass es ihr oberstes Ziel ist, Kontakt zum Ehepaar McCann aufzunehmen. „Helft mir, ich muss mit Kate und Gerry McCann sprechen“ lautet daher ihr Hilferuf, den Nutzer lesen, sobald sie auf ihrem Profil landen. Um Sicherheit über ihre Herkunft zu bekommen, will die junge Frau einen DNA-Abgleich mit der Familie McCann erzielen. Insbesondere dann, wenn sich ihre Aussagen als falsch herausstellen sollten, hält Jatzko psychologische Unterstützung für zwingend notwendig.