Osnabrück Erosion der Solidarität? Nicht mit uns!
Mit Mahnwachen, Schweigeminuten und Friedensketten gedenken die Deutschen der Opfer im Ukraine-Krieg – und senden damit ein starkes Signal an Kiew und Moskau gleichzeitig: Wir lassen die Ukraine nicht fallen.
Ein Jahr Krieg hat uns gelehrt, damit zu leben; wenngleich die Opfer, die uns die wirtschaftlichen Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine abverlangen, nicht ansatzweise mit jenen zu vergleichen sind, die die Menschen in der Ukraine bringen.
Und, ja, in gewisser Weise haben wir uns an den Krieg gewöhnt – aber nicht in dem Sinne, dass uns das Leid der Überfallenen gleichgültig geworden wäre. Davon zeugen die zahlreichen Gedenkfeiern, Mahnwachen, Schweigeminuten und Friedensketten zum Jahrestag der russischen Invasion im Nachbarland. Der Kampf David gegen Goliath bewegt die Menschen, weil sie wissen, was auf dem Spiel steht.
„Deutschland ist nicht im Krieg, aber dieser Krieg geht uns an“, hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Rahamen einer Gedenkveranstaltung gesagt. Recht hat er. Denn wenn der Stärkere sich nehmen kann, was er will, wenn man also in Moskau glaubt, die Ukraine ohne Konsequenzen von der Landkarte tilgen zu können, ist Schluss mit einer berechenbaren und regelbasierten Sicherheitsordnung in Europa.
Deshalb liefert die Bundesregierung Kiew Waffen und Munition zur Verteidigung. Deshalb spenden die Bürger Hilfsgüter an Partnergemeinden. Und deshalb gibt Deutschland 1,1 Millionen Geflüchteten aus der Ukraine ein vorübergehendes Zuhause, trotz aller damit verbundenen Probleme. Von einer Erosion der Solidarität mit der Ukraine kann bislang wahrlich keine Rede sein. Das macht Hoffnung.
Davon zeugt auch die aktuelle UN-Resolution, in der eine breite Mehrheit der Weltgemeinschaft Russland aufgefordert hat, sich aus der Ukraine zurückzuziehen. An der verfahrenen Lage wird sie zwar ebenso wenig ändern wie Chinas „Friedensplan“, der nichts weiter ist als ein Appell nach Waffenstillstand und Dialog.
Doch wenn 141 von 193 UN-Mitgliedsstaaten die gewaltsame Veränderung territorialer Grenzen verurteilen, zeigt das zumindest eines: Der Mensch hat moralisch längst nicht derart abgewirtschaftet, wie es Despoten vom Format eines Wladimir Putin glauben machen könnten.