Warschau  Ist die Polin Maddie McCann? Laut Gesichtserkennung ist der DNA-Test überflüssig

Anneke Rieterken
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Von Anneke Rieterken
| 22.02.2023 18:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Seit 2007 wird Madeleine McCaann aus Großbritannien, die aus einem Ferienappartement verschwand, vermisst. Foto: dpa/Luis Forra
Seit 2007 wird Madeleine McCaann aus Großbritannien, die aus einem Ferienappartement verschwand, vermisst. Foto: dpa/Luis Forra
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„Ich bin Madeleine McCann“. Mit dieser Aussage sorgt eine junge Frau aus Polen in den sozialen Netzwerken für Furore. Nun gibt eine Gesichtserkennungssoftware Hinweise, ob es sich tatsächlich um die vermisste Britin Maddie handeln könnte.

Seit Mitte Februar sorgt die 21-Jährige Julia aus Polen auf Instagram für Wirbel. Auf ihrem Profil vergleicht sie Bilder der seit 2007 verschwundenen Maddie McCann mit eigenen Fotos und hebt Merkmale wie ein Muttermal oder einen Fleck in der Iris als Ähnlichkeiten hervor.

Mit folgendem Vergleich machte Julia auf den besagten Fleck in ihrer Iris aufmerksam:

Unter Julias Beiträgen rätseln zehntausende Nutzer, ob es sich bei der Polin tatsächlich um die vermisste Madeleine McCann handeln könne. Das in den Medien als Maddie bekannt gewordene Mädchen aus Großbritannien verschwand am 3. Mai 2007 aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia da Luz. Sie wurde mutmaßlich entführt und wird seitdem vermisst.

In den Kommentaren unter Julias Beiträgen sind sich die einen sicher, dass eine Ähnlichkeit besteht und es sich um dieselbe Person handeln dürfte. Andere finden optische Unterschiede, die keinesfalls zuließen, dass Julia und Maddie eine Person seien – zumal deutsche Ermittler davon ausgehen, dass das Mädchen umgebracht wurde.

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Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, solche Behauptungen zu prüfen. „Es ist nahezu ausgeschlossen, dass diese Frau Maddie McCann ist“, sagte Christian Fehrlin, Geschäftsführer und Gründer von AVA-X, einem Hersteller von Gesichtserkennungssoftware, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Fehrlin hatte demnach ein Kinderfoto von Julia sowie aktuelle Fotos von Julia in die Software mit Künstlicher Intelligenz hochgeladen. Das Programm suchte die Fotos nach Ähnlichkeiten ab.

Das Ergebnis: Das Programm, das laut Fehrlin eine Genauigkeit von 99,83 Prozent hat, konnte kaum Ähnlichkeit zwischen Julias und Maddies Gesicht erkennen. Es habe zu einer Wahrscheinlichkeit von fast 90 Prozent ergeben, dass es sich bei Julia nicht um Maddie handle, so Fehrlin. Ihm zufolge sei ein DNA-Test, den Julia fordert, daher überflüssig.

Die Software habe unter anderem erkennen können, dass die Nasenpartie der beiden Unterschiede aufweise, ihre Augenbrauen unterschiedliche Formen haben und Maddies Augen deutlich weiter auseinander stehen als die im Gesicht von Julia.

Eine weitere Gesichtserkennungssoftware errechnete eine Wahrscheinlichkeit von 59 Prozent, dass die Kinderfotos von Julia und Maddie nicht übereinstimmen. Verhaltensanalytikerin Patricia Staniek wies dazu gegenüber dem Schweizer Portal „20 Minuten“ darauf hin, dass nur ein DNA-Test absolute Sicherheit bringen könnte.

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Obwohl Gesichtserkennungssoftwares keine einhundertprozentige Sicherheit bringen können, werden die Programme immer wieder genutzt, um Kriminalfälle aufzuklären. So konnte Fehrlins Software laut dem RND-Bericht nach dem Tiergartenmord in Berlin genutzt werden, um Aufnahmen von Überwachungskameras miteinander zu vergleichen.

„Die Software erkennt Gesichter, egal ob man plötzlich einen Bart oder Haare auf dem Kopf hat. Auch 20 Kilo mehr oder weniger machen nichts aus“, sagt Fehrlin. Da dies auch datenschutzrechtliche Relevanz hat, ist eine automatisierte biometrische Erkennung im öffentlichen Raum in Deutschland verboten. Eine KI-basierte Auswertung der Bilder ist nur im Nachhinein und lediglich unter bestimmten Voraussetzungen, wie beispielsweise der Verwicklung in einen Kriminalfall, erlaubt.

Auch wenn Julia zu dem Schluss kommen sollte, dass sie nicht die vermisste Maddie ist, könnten ihr Programme mit Künstlicher Intelligenz künftig womöglich bei der Klärung ihrer Identität helfen.

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